SC-Freiburg-Trainer Christian Streich nach DFB-Pokalfinale in Berlin mit verschränkten Armen auf dem Platz und schaut traurig zu, wie Final-Gegner RB Leipzig den Pokal überreicht bekommt (nicht im Bild).

Fußball | SC Freiburg Christian Streich und ein ganz entspannter 57. Geburtstag

Stand: 11.06.2022 10:11 Uhr

Christian Streich kann zu seinem 57. Geburtstag an diesem Samstag (11.6.) auf ein Premium-Jahr des SC Freiburg zurückblicken. Viel Zeit zum Ausruhen hat der Erfolgscoach jedoch nicht.

Was für ein Jahr. Was für eine Saison. Christian Streich kann zu seinem 57. Geburtstag auf die erfolgreichste Spielzeit der Vereinsgeschichte des SC Freiburg zurückblicken. In den vergangenen 365 Tagen hat der Sport-Club die Bundesliga aufgemischt, sich für die Europa League qualifiziert und bis zum letzten Spieltag auch noch um die Champions League gekämpft, das neue Stadion bezogen, ist ins Finale des DFB-Pokals vorgeprescht und hat sich deutschlandweit einmal mehr große Sympathien erspielt.

Christian Streich zeigte sich bewegt - und als Anheizer

Zeit für ein Glas Wein?

Christian Streich hat also allen Grund, sich in der Sommerpause zufrieden zurückzulehnen und sich zu seinem Ehrentag ein Glas seines geliebten badischen Weins zu gönnen, von dem er in seinen Pressekonferenzen bereits das eine oder andere Mal schwärmte.

Doch zurücklehnen passt nicht wirklich zu Christian Streich. Dafür wirkt der dienstälteste Trainer der Fußball-Bundesliga zu umtriebig. Und er weiß, dass der Erfolg des SC Freiburg nur durch harte, akribische Arbeit zustande gekommen ist.

Schlotterbeck-Ersatz bereits gefunden

Zudem weiß Christian Streich, dass Erfolg häufig ein zweischneidiges Schwert ist. Mit den Siegen steigen die Ansprüche, mit dem Europapokal wächst die Belastung, und mit Topleistungen kommen die Anfragen der Konkurrenz. Immerhin, die wichtigste Frage kann Christian Streich bereits beantworten: Matthias Ginter kehrt nach acht Jahren bei Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach in den Breisgau zurück und wird Nico Schlotterbeck ersetzen, der nach seiner herausragenden Saison für geschätzte 20 Millionen Euro zu Borussia Dortmund wechselt.

SC Freiburg muss sich breiter aufstellen

Dennoch muss Streich den Kader mit Blick auf die anstehende Europapokal-Saison breiter aufstellen. Denn er weiß, wie schnell die Belastung zum Problem werden kann. Daniel-Kofi Kyereh (26) vom FC St. Pauli, Alessandro Schöpf (28) von Arminia Bielefeld und Kō Itakura (25) vom FC Schalke 04 werden im Breisgau als Kandidaten gehandelt, damit die Freiburger trotz der Dreifach-Belastung weiterhin ihr kreatives Potenzial ausspielen, womöglich sogar erhöhen können.

Steffen Tigges (23, Borussia Dortmund), Žan Celar (23, FC Lugano) und Bamba Dieng (22, Olympique Marseille) könnten laut Gerüchteküche die Offensive verstärken. Zudem ist Streich noch auf der Suche nach schnellen Flügelspielern, denn dort fehlte nach der langwierigen Verletzung des Aufsteigers Kevin Schade (Bauchmuskelzerrung) im Saisonfinale ein gleichwertiger Ersatz. Zuletzt wurde der italienische Newcomer Wilfried Gnonto (18) als möglicher Kandidat gehandelt.

Das Problem: Der Kader darf auch nicht zu groß werden. Sonst hat der Trainer im schlimmsten Fall (Erstrunden-Aus im DFB-Pokal, Europa-League-Aus nach der Gruppenphase) spätestens zur Rückrunde das Problem, dass zu viele Spieler zu wenig Einsatzzeit bekommen.

Streich im Austausch mit Hartenbach und Saier

Alles Gedankenspiele, die Christian Streich in bewährter Manier gemeinsam mit Sportdirektor Klemens Hartenbach und Sportvorstand Jochen Saier in der Sommerpause durchgehen wird. Und es ist nicht gesagt, dass die Mannschaft, die Streich am 27. Juni zum Trainingsauftakt begrüßt, auch die gleiche Mannschaft ist, die Streich zum Saison-Auftakt Ende Juli/Anfang August ins Rennen schickt.

Der Sommerfahrplan des SC Freiburg

  • 27.06.: Erstes Mannschaftstraining
  • 02.07.: Testspiel gegen SV Elversberg
  • 06.07.-15.07.: Trainingslager in Schruns
  • 09.07.: Testspiel geplant
  • 16.07.: Testspiel mit Saisoneröffnung geplant
  • 23.07.: Testspiel geplant
  • 29.07.-01.08.: 1. Runde im DFB-Pokal gegen 1. FC Kaiserslautern
  • 05.08.-07.08.: 1. Spieltag in der Bundesliga

Wirtschaftlich ist der SC Freiburg jedenfalls gut aufgestellt. Die jüngsten Kennzahlen, die die DFL-Klubs routinemäßig Jahr für Jahr veröffentlichen (Link zum pdf), weisen für den SC Freiburg einen Gewinn von 9,8 Millionen Euro aus - allerdings für das Geschäftsjahr 2020/21. Die aktuellen Zahlen sind noch nicht verkündet, allerdings hat der SC Freiburg durch den Einzug ins Pokalfinale mindestens 7,5 Millionen Euro an Prämien erhalten. Finanzvorstand Oliver Leki sprach im Kicker daher von einer ausgeglichenen Bilanz - obwohl der Sport-Club aufgrund der Corona-Pandemie auch in dieser Saison wieder zahlreiche Spiele ohne Zuschauer-Einnahmen verkraften musste.

Trotz der vielen Herausforderungen also beste Voraussetzungen für einen entspannten 57. Geburtstag im Hause Streich. "Ich habe keine Sorgen vor der nächsten Saison", meinte der Coach zuletzt. "Nur ein bisschen, aber nicht viel." So bleibt vielleicht doch ein wenig Zeit für einen edlen Tropfen vom Kaiserstuhl. Und dann geht's zurück an den Schreibtisch.