Der norwegische Triathlet Kristian Blummenfelt (IMAGO/AFLOSPORT)

Triathlon auf dem Lausitzring Unter Laborbedingungen zum Weltrekord

Stand: 03.06.2022 14:01 Uhr

Vier Triathleten wollen am Sonntag auf dem Lausitzring einen Weltrekord aufstellen. Um in die Geschichtsbücher ihres Sports einzugehen, greifen sie gleich mehrfach in die Trickkiste. Von Andreas Friebel

Eigentlich steht der Lausitzring im Süden Brandenburgs ja für den Motorsport. Rennwagen, Motorräder und der Lärm von viel PS prägen hier das Bild. Doch an diesem Wochenende ist alles anders. Statt Pferdestärken, zählt in der Lausitz am Sonntag die menschliche Kraft. Vier Triathletinnen und Triathleten wollen einen Weltrekord aufstellen und so schnell schwimmen, Rad fahren und laufen wie niemand zuvor.
 
Nicola Spirig ist eine von zwei Frauen, die den Weltrekord-Versuch wagen – als erste Frau unter acht Stunden bleiben, ist ihr Ziel. "Ich bin sehr glücklich, die Chance bekommen zu haben, Geschichte zu schreiben", sagt die Schweizerin am Donnerstag in einer Pressekonferenz auf dem Lausitzring. Sofern das Wetter mitspielt, wird Spirig am Sonntagmorgen um sieben Uhr zum Start ihres Triathlons ins Wasser springen.

Rekordjagd beginnt im Senftenberger Hafen

Genauer gesagt wird die Schweizerin dabei in das Wasser des Senftenberger Sees eintauchen. Knapp vier Kilometer gilt es dabei schwimmend zurückzulegen. Die Strecke, auf die diese verteilt sind, wurde extra vom Zweckverband Lausitzer Seenland präpariert. "Die benötigten 3,8 Kilometer führen ziemlich direkt vom Stadthafen nach Koschen", erklärt Vorsteher Detlev Wurzler und ergänzt: "Es wird tatsächlich nur geradeaus geschwommen. Die Athleten müssen nicht, wie sonst üblich, noch um Tonnen herum und wenden."
 
Am Samstag werden die Bojen und Tonnen, die den Athleten den Weg weisen, installiert. "Wir haben vorab schon viele Informationen verteilt, dass es am Sonntag zu Einschränkungen kommt. Und auch am Wochenende selbst werden wir umfassend informieren", so Wurzler, der alles daransetzt, dass der Weltrekordversuch nicht schon am Schwimmen scheitert. Vom Senftenberger See geht es dann per Rad über die angrenzende Bundesstraße zum Lausitzring.
 
Auf dem Testoval werden die 180 Kilometer, die auf dem Fahrrad zurückgelegt werden müssen, zu Ende gefahren. Den Abschluss des sportlichen Trios bildet das Laufen – die typische Marathondistanz von gut 42 Kilometern gilt es zu absolvieren. Weil bei einem solchen Weltrekordversuch jede Sekunde zählt, kommt es neben den physischen Leistungen der Sportler auch auf das Material an. Die Bedingungen auf dem Lausitzring sind gut: "Unsere Asphaltqualität ist perfekt für solche Versuche vom Rollwiderstand her", erklärt Uwe Burckhardt von der DEKRA, die den Lausitzring besitzt. Hinzu kommt laut Burckhardt, dass die Strecke "kaum windanfällig" sei.

Tempomacher auf dem Lausitzring

Insgesamt werden etwa 90 Prozent des Rekordversuchs auf dem Oval des Lausitzrings ausgetragen. Und das unter laborähnlichen Bedingungen. So soll ein Team von Helfern dazu beitragen, dass der aktuelle Olympiasieger Kristian Blummenfelt seinen Triathlon-Wettkampf in unter sieben Stunden abschließt. “Die Auswahl des Teams ist der Schlüssel zum Erfolg. Man braucht wirklich ein gutes Team um sich herum“, erklärt der Norweger.
 
Das besagte Team sorgt beispielsweise dafür, dass Blummenfelt auf der Radstrecke im Windschatten Kraft sparen und damit noch schneller fahren kann. Normalerweise ist das beim Triathlon nicht erlaubt. Gleiches gilt für die Tempomacher, die am Sonntag die Laufgeschwindigkeit hochhalten und Blummenfelt sowie Joe Skipper aus Großbritannien antreiben sollen. Unter "normalen" Bedingungen stellte Blummenfelt im November 2021 in Mexiko mit 7:21:12 Stunden die Weltbestzeit auf. Dieser Wert soll nun deutlich verbessert werden.
 
Bei den Frauen steht die Weltbestzeit seit 2011 bei 8:18:13 Stunden – gehalten durch die Britin Chrissie Wellington. Auch diese Zeit soll am Sonntag um mindestens 18 Minuten und 13 Sekunden unterboten werden. Neben der bereits erwähnten Schweizerin Spirig nimmt sich Wellingtons Landsfrau Katrina Matthews dieser Aufgabe an.

Sendung: rbb|24 Inforadio, 04.06.2022, 14:15 Uhr