Jonas Thiemann und Louis Olinde von Alba Berlin. / imago images/Camera 4+

Alba vor der Finalserie gegen Bayern München In guter Form und mit frischen Beinen

Stand: 09.06.2022 15:26 Uhr

Ab Freitag trifft Alba Berlin in der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft auf den FC Bayern. Zum Start des nächsten Kapitels in der Rivalitätsgeschichte der beiden Klubs scheinen die Berliner leicht im Vorteil zu sein. Von Jakob Lobach

Ab Freitag trifft Alba Berlin in der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft auf den FC Bayern. Zum Start des nächsten Kapitels in der Rivalitätsgeschichte der beiden Klubs scheinen die Berliner leicht im Vorteil zu sein. Von Jakob Lobach

"Alle Jahre wieder." So oder so ähnlich könnte man das anstehende Duell um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Basketballern von Alba Berlin und dem FC Bayern München betiteln. Wenn die beiden Schwergewichte der Basketball-Bundesliga (BBL) am Freitag (20:30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) in ihre "Best-of-Five"-Finalserie starten, tun sie das zum bereits vierten Mal in den vergangenen fünf Spielzeiten.
 
Zahlreiche große Spiele haben die beiden Klubs in den vergangenen Jahren gegeneinander absolviert. Nach der Münchener Meisterschaft in den Jahren 2018 und 2019 gewannen zuletzt die Berliner zwei Titel in Serie. Und die nun anstehende Finalserie scheint offener denn je. Zum einen, weil Albas Mannschaft sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten in der laufenden Saison beeindruckend entwickelt hat. Zum anderen, weil die Berliner deutlich ausgeruhter und vielleicht auch etwas besser vorbereitet in die Finalspiele gehen können.

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Bayern sind raus aus der Favoritenrolle

So wurde dem FC Bayern vor den Duellen mit Alba in den vergangenen Jahren stets zumindest eine leichte Favoritenrolle zugesprochen. "Es wäre vermessen zu sagen, dass wir jetzt der klare Favorit sind", sagt Albas Johannes Thiemann zwar, der 28-Jährige ergänzt allerdings sofort: "Ich glaube aber schon, dass wir ein sehr, sehr gutes Team sind, das gute Chancen hat, wieder den Titel zu holen." Es ist eine Einschätzung, mit der Albas Nationalspieler keinesfalls alleine dasteht.
 
Nach einer ebenfalls sehr respektablen Saison in der Euroleague hat sich Alba seit deren Ende Anfang April förmlich in einen Rausch gespielt. Die sechs Siege gegen die insgesamt chancenlosen Bamberger und Ludwigsburger im Viertel- und Halbfinale der Playoffs waren die Erfolge zwölf bis 17 in Serie für Alba auf nationalem Parkett. "Das ist schon ein ganz, ganz starker Lauf", zeigt sich auch Thiemann der Besonderheit eines solchen Runs bewusst, ehe er erklärt: "Wir haben uns hintenraus richtig gut gefunden."

Immer besser zusammengefunden

Zu Saisonbeginn hatte dieses 'Zueinanderfinden' den Berlinern durchaus Probleme bereitet. Allen voran der sommerliche Zugang Jaleen Smith - in der Vorsaison in Ludwigsburg noch zum wertvollsten Spieler der BBL (MVP) gewählt - hatte lange Schwierigkeiten, sich bei Alba einzufinden. Den beiden Israelis Tamir Blatt und Yovel Zoosman erging es ähnlich.
 
Mittlerweile entscheidet Smith mit wichtigen Würfen regelmäßig Spiele für Alba, Zoosman überzeugt nicht mehr 'nur' defensiv, sondern auch im Angriff und auch Blatt spielt ungleich stärker als noch vor ein paar Monaten. "Was Tamir mittlerweile für Anführerqualitäten mitbringt, mit welchen Pässen er das Team leitet, das ist schon stark", lobt Thiemann seinen Aufbauspieler. Der Teufel steckt dabei im Detail: Die Laufwege der Mitspieler kennen, das Tempo steuern können - und wissen, wie man statt eines guten Wurfes einen sehr guten herausgespielt bekommt.

Die Detailarbeit ist es nun auch, die Alba zumindest im ersten Finale einen Vorteil verschaffen könnte. Sechs Tage hatte man nach dem Weiterkommen gegen Ludwigsburg zuletzt spielfrei. Zeit genug, sich einen trainingsfreien Tag zu gönnen, die Beine frisch zu bekommen und sich ausgiebig vorzubereitet. "Wir haben uns in den letzten Tagen ganz auf uns konzentriert und an den Details unseres Spiels gearbeitet", erklärt Albas Trainer Israel Gonzalez. Die Bayern hingegen mussten sich noch bis Mittwochabend mit den hartnäckigen Telekom Baskets Bonn auseinandersetzen, ehe ihr Finaleinzug überhaupt feststand.

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Dennoch muss man mit Blick auf einen möglichen Vorteil Albas zwingend im Konjunktiv bleiben. So kommt es immer wieder vor, dass eine Mannschaft, die zwischen zwei Playoff-Serien keine lange Pause hat, zwar etwas müder ist als ihr Gegenüber, dafür aber auch in einem besseren Rhythmus.

Keine Verletzungssorgen

Die Berliner sind ohnehin gewarnt vor ihrem Finalgegner. "München ist ein starkes Team, gegen das wir uns öfter mal schwertun", sagt Johannes Thiemann. Albas Big Man führt die Tiefe und Erfahrung im Bayern-Kader als Beleg hierfür an. Trainer Gonzalez ergänzte nach Münchens Finaleinzug: "Bayern ist sehr stark im Low-Post und auch auf ihre Pick-and-Rolls müssen wir uns nun gut vorbereiten." Allen voran Schlüsselspieler wie Nick Weiler-Babb, den in Berlin ungeliebten Vladimir Lucic sowie die langen 2,03-Meter-Männer Augustine Rubit und Orthello Hunter gilt es aus Berliner Sicht in Schach zu halten.
 
Die Voraussetzungen, dass dies ab Freitag auch gelingt, könnten besser kaum sein. So ist Albas Mannschaft aktuell nicht nur gut in Form, sondern auch wieder vollständig. Anders als Münchens Trainer Andrea Trinchieri, der auf gleich mehrere verletzte Leistungsträger verzichten muss, kann Albas Israel Gonzalez auf alle seine Schützlinge setzen. Selbst der seit Monaten verletzte Scharfschütze Marcus Eriksson ist jüngst wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen - pünktlich zum nächsten großen Duell zwischen Berlin und Bayern.

Sendung: rbb24 Inforadio, 09.06.2022, 10:15 Uhr