Claus-Dieter Wollitz während des Testspiels von Energie Cottbus gegen Eintracht Peitz. Quelle: imago images/Steffen Beyer

Interview | Energie-Trainer Wollitz "Es wird immer gesagt, wir seien der Favorit, das sehen wir aber etwas anders"

Stand: 13.01.2023 19:00 Uhr

Energie Cottbus bereitet sich derzeit auf die Rückrunde vor. Es wird nicht nur an der sportlichen Entwicklung, sondern auch am Kader geschraubt. Im Interview spricht Trainer Wollitz über mögliche Transfers und seine persönliche Zukunft.

rbb|24: Claus-Dieter Wollitz, 2023 ist noch jung. Wie sind Sie in das neue Jahr gestartet?
 
Wollitz: Sehr bescheiden, in einer kleinen Runde. Ich bin kein großer Böller-Fan, das war ich aber noch nie. Ich hatte aber einen angenehmen Übergang ins neue Jahr.

Was sind Ihre sportlichen Vorsätze mit Energie für 2023?
 
Mein großer Wunsch und meine große Hoffnung ist der Weltfrieden. Damit wären viele oder sogar alle Wünsche erfüllt. Es beschäftigt mich sehr, dass tagtäglich Menschen in Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt umgebracht werden, die für diese Kriege nicht verantwortlich sind. Ich bin zum Jahreswechsel deswegen immer etwas sensibel und sentimental.
 
Desweiteren wünsche ich mir natürlich Gesundheit. Mit meinem Arbeitgeber möchte ich maximale sportliche Erfolge erzielen.

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Wie sieht dieser maximale sportliche Erfolg aus?
 
Maximal heißt: Alles gewinnen, was man gewinnen kann - die Meisterschaft, die Relegation und den Landespokal. Für uns ist das aber keine Selbstverständlichkeit. Es wird immer gesagt, wir seien der Favorit, das sehen wir aber etwas anders. Wir sind einer von etwa acht oder neun Favoriten - nicht mehr und nicht weniger. Am Ende werden Nuancen und Milimeter entscheiden.

Sie sind seit dem 4. Januar wieder im Training. Wie ist Ihr Eindruck der Mannschaft bislang?
 
Das Team wirkt sehr konzentriert, fokussiert und diszipliniert. Hinzu kommt eine gute Organisation. Man spürt, dass die Mannschaft unsere Ziele nachhaltig und mit der nötigen Spannung verfolgen will. Die ersten zehn Tage inklusive der Freundschaftsspiele waren sehr ordentlich. Das stimmt uns zuversichtlich, dass wir auch in der Rückrunde eine gute Chance haben, wenn wir dabei bleiben.

Wie sieht es mit der Kaderplanung aus? Insbesondere im Sturm sucht Energie noch Verstärkung.
 
Es stimmt, dass wir noch einen Stürmer verpflichten wollen. Wir haben diese Woche bei Erzgebirge Aue gespielt. Wir sind da eigentlich sehr gut aufgetreten, mussten aber über 45 Minuten ohne Stürmer spielen. Wir haben aktuell nur einen Stürmer, der war aber leider krank (Eric Hottmann, Anm. d. Red.). Der andere Angreifer (Tim Heike, Anm. d. Red.) wurde zuletzt operiert, da wissen wir nicht, wie er zurückkommen wird. Deshalb ist es sinnvoll, einen weiteren Stürmer dazuzunehmen.

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Wie konkret sind die Verhandlungen mit Spielern und Vereinen?
 
Wir sind schon länger in Gesprächen. Das sind aber Verhandlungen mit Spielern, die bei anderen Vereinen unter Vertrag sind. Wir hoffen aber, dass wir bis Montag eine Entscheidung von unserem Wunschspieler bekommen, ob er zu uns wechseln kann. Ansonsten sind wir mit Spielern im Gespräch, die auch schon höherklassig gespielt haben, da sind wir aber aktuell wirtschaftlich noch weit auseinander.

Es ist kein Geheimnis, dass das Geld im Verein knapp ist. Der Wechsel von Ex-Spieler Kevin Schade aus Freiburg nach Brentford im Sommer könnte für Entlastung sorgen und dank einer Weiterverkaufsbeteiligung eine üppige Summe in die Kasse spülen. Wie haben Sie den Transfer wahrgenommen?
 
Da sind noch sehr viele Spekulationen drin. Ich kenne den Vertrag, weil ich damals schon in Amt und Würden war, als er mit Freiburg abgeschlossen wurde. Es gibt da jetzt aber noch überhaupt keinen Kontakt zwischen Freiburg und Cottbus - das muss es auch nicht. Der Spieler ist aktuell nur ausgeliehen und eine Klausel gibt es erst bei einem Verkauf. Deswegen ist es eine reine Spekulation und das finde ich immer unsachlich und unfair. Intern ist das bei uns also kein Thema. Das würde dem Klub und der Sache nicht guttun. Wenn es irgendwann so kommen würde, würden wir uns natürlich freuen.

Wir können uns nicht hinstellen und sagen, wenn wir nicht Erster werden, haben wir unsere Arbeit nicht gemacht.

Ihr Vertrag bei Energie Cottbus läuft im Sommer aus. Wie steht es um Ihre Zukunft?
 
Es laufen seit Weihnachten Gespräche mit dem Verein, die sehr angenehm sind. Im Falle des sportlichen Erfolgs, genauer gesagt bei einem Aufstieg, würde sich der Vertrag ohnehin verlängern. Das wollten beide Seiten damals so. Dennoch gibt es auch Gespräche für den Fall, dass das nicht klappt. Wir können uns nicht hinstellen und sagen, wenn wir nicht Erster werden, haben wir unsere Arbeit nicht gemacht. Ich finde, dass wir schon seit anderthalb Jahren einen guten Job machen. Wir sollten eine Entscheidung hinbekommen und daran arbeiten wir jetzt. Es gibt aber noch keine Entscheidung.

Archivbild: FC Energie Cottbus vs. Babelsberg 03 v.l. Dennis Slamar Energie Cottbus, Jonas Hildebrandt Energie Cottbus und Eric Hottmann Energie Cottbus Stadion der Freundschaft Brandenburg. (Quelle: imago images/Weiland)
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Die Saison geht für Sie am 21. Januar mit einem Heimspiel gegen Chemie Leipzig weiter. Woran wollen Sie bis dahin mit Ihrer Mannschaft noch arbeiten?
 
Wir wollen noch stabiler und dominanter werden. Wir arbeiten deshalb an den Abläufen im Spiel gegen den Ball. Wenn wir den Ball haben, sind wir mehr als ordentlich, aber gegen den Ball haben wir Nuancen, die wir noch verbessern wollen, um schneller in Ballbesitz zu kommen. Unser Problem ist es manchmal, dass wir nur 13 oder 14 Spieler zur Verfügung haben. Ich hätte natürlich gerne alle dabei, weil es am Ende auch alle Spieler betrifft. Wenn Spieler krank oder verletzt ausfallen, entstehen Rückstände und sie wissen Sachen nicht, weil sie gefehlt haben.

Vielen Dank für das Gespräch.
 
Das Interview führte Jonas Bürgener, rbb sport.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.01.23, 19:30 Uhr