Die Spieler der Berlin Thunder beim Einlauf (Bild: IMAGO/Eibner)

Saisonstart in der European League of Football Die Berlin Thunder und ihre Mission Playoffs

Stand: 03.06.2022 17:42 Uhr

Am Sonntag starten die Berlin Thunder in die neue Saison der European League of Football. Sportlich sind die Playoffs das Ziel, aber auch ligaübergreifend geht es für die Thunder um einiges. Von Jakob Lobach

Es ist der gewohnte Sound des American Footballs, der auf dem Trainingsplatz der Berlin Thunder zu hören ist. Der Quarterback gibt letzte Instruktionen an seine Offensive-Line und darauf mit dem typischen "Set, Hut" das Go. Es folgt das dumpfe Rumsen, das entsteht, wenn schwere Männer in ihren Football-Rüstungen kräftig ineinander rasseln. Ein Pfiff ertönt aus der Pfeife des Trainers, die Spieler lassen voneinander ab und formieren sich wenig später neu. Die Vorbereitungen auf die neue Saison der European League of Football sind in vollem Gange.

Strukturelle Besonderheiten

Ab Sonntag wird bei den Berlin Thunder nicht mehr nur trainiert, sondern auch wieder gespielt. Mit einer Auswärtspartie bei den Hamburg Sea Devils eröffnet das Team um Quarterback Joe Germinerio die Saison 2022/23 in der European League of Football (ELF). Als Ziel haben die Thunder die Playoffs ausgerufen – in einer jungen Liga, die wächst und dabei durchaus für Diskussionen sorgt.
 
Seit dem Sommer 2021 gibt es die European League of Football, in der sich Teams aus ganz Europa untereinander messen. In der vergangenen Premierensaison waren es acht Mannschaften aus drei Ländern, ab dieser Spielzeit sind es nun bereits zwölf Klubs aus Spanien, Österreich, Polen, der Türkei und Deutschland. Im Vergleich zur nationalen German Football League (GFL) und der einstigen NFL Europe unterscheidet sich die ELF vor allem in ihrer Struktur. So dürfen etwa pro Mannschaft nur zwei US-Importspieler gleichzeitig auf dem Feld und insgesamt lediglich zwölf ausländische Akteure im Kader stehen.

Die Playoffs als Ziel

So auch bei den Berlin Thunder, bei denen Quarterback Joe Germinerio der wohl wichtigste aus dem Ausland verpflichtete Profi ist. "Das gesamte Team hat mich mit offenen Armen empfangen", sagt der 25-jährige US-Amerikaner, der in den Berliner Angriffen die Strippen zieht. Gemeinsam mit seinen Mitspielern soll Germinerio dafür sorgen, dass die neue Saison für die Thunder besser verläuft als die vergangene. Mit einer Bilanz von 3:7 beendeten die Berliner diese auf dem letzten Rang ihrer Division. Ein Umstand, der Trainer Johnny Schmuck sagen lässt: "Es wäre vermessen zu sagen, dass wir den Titel holen wollen. Das wollen wir zwar, aber ehe wir da ernsthaft drüber sprechen können, sind viele Schritte zu gehen." Der erste Schritt wäre laut Schmuck dabei der Einzug in die Playoffs.
 
Aber auch abseits von jeglichen Ergebnissen, geht es für die Thunder um viel: "Das Saisonziel ist ein gutes Produkt aufs Feld zu bekommen", sagt Schmuck. Was etwas kryptisch klingt, lässt sich erklären. Als noch neue Liga geht es für die ELF noch immer darum, sich im europäischen Football zu etablieren. Unter anderem dank zahlreicher Fernsehverträge in allen Teilnehmerländern und noch weiteren Nationen ist man auf einem guten Weg, sich selbst die nötige Popularität zu verschaffen. Allerdings bleiben Konflikte auf diesem Weg nicht aus. Konflikte wie etwa der mit der GFL, deren Verantwortliche auf ihre neue Konkurrenz nicht besonders gut zu sprechen sind.

Das Maximum an hochklassigem Football

Das 'Wieso' lässt sich auch am Beispiel der Thunder erkennen. Die Berliner, die ihre Heimspiele im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark austragen, sind eine von gleich vier großen Teams in der Region. Hinzukommen die Berlin Adler und die Rebels sowie die Potsdam Royals – allesamt in der GFL aktiv. Vier Teams, die zusammen mindestens 200 hochklassige Football-Spieler brauchen, um konkurrenzfähig zu sein. "Ich glaube, dass drei GLF-Teams und ein ELF-Team das absolute Maximum sind, was die Region an hochklassigem Football verträgt", sagt Thunder-Trainer Schmuck. So gilt es, sich in dieser Saison nicht nur in der eigenen Liga durchzusetzen, sondern sich regional auch ligaübergreifend zu behaupten.
 
Ein geeignetes Mittel hierfür und zum Ausbau der Anhängerschaft: sportlicher Erfolg. Um am Ende der regulären Saison die Playoffs zu erreichen, müssen die Thunder entweder ihre 'Northern Division' gewinnen oder im Vergleich aller drei Divisionen bester Zweiter werden. Die größte Konkurrenz bei diesem Vorhaben dürften die schon vergangene Saison starken Hamburg Sea Devils werden. "Die haben nicht viele Spieler verloren, aber interessante neue dazubekommen", erklärt Schmuck.
 
Stichwort interessante, neue Spieler: Thunder-Quarterback Joe Germinerio freut sich auf den Saisonstart mit seinen neuen Kollegen. Das gemeinsame Ziel vor Augen, hätte man in der Vorbereitung viel Arbeit investiert, berichtet er. Und kurz darauf gibt Germinerio auch die Marschroute für die kommende Spielzeit vor: "Solange wir hier in Berlin Tag für Tag unseren Job erledigen, kommen die guten Ergebnisse automatisch."

Sendung: rbb24 Inforadio, 13.05.2022