Frust über Aufstiegsregelung BFC Dynamo nach dem verpassten Drittliga-Aufstieg zwischen Enttäuschung und Wut

Stand: 05.06.2022 12:36 Uhr

Ein 2:1-Sieg beim VfB Oldenburg reichte dem BFC Dynamo nicht. Am Ende fehlte ein Tor, um die Verlängerung zu erzwingen und vielleicht doch noch in die 3. Liga aufzusteigen. Insbesondere der Frust über die umstrittene Aufstiegsregelung ist groß.

Nach dem verpassten Aufstieg in die 3. Liga herrschen beim BFC Dynamo Wut und Enttäuschung. Denkbar knapp scheiterte der Meister der Regionalliga Nordost in den beiden Relegationsspielen gegen Nord-Titelträger VfB Oldenburg (0:2, 2:1).
 
So fand direkt nach Abpfiff am Samstag Dynamo-Torjäger Christian Beck am MagentaSport-Mikrofon deutliche Worte zum Aufstiegsmodus. "Klar müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen. Aber Riesendank an den DFB, der solche Regeln einführt. Da haben sie sich richtig was dabei gedacht, großes Lob. Hauptsache der Westen und Südwesten steigt immer direkt auf", schimpfte der Berliner Mittelstürmer in Richtung der Funktionäre. Er war mit seinem Frust über die umstrittene Aufstiegsregelung nicht alleine - Unterstützung kam sogar vom Gegner.

"Sie zerstören damit einfach eine ganze Saison."

Für die Meister der fünf Regionalligen stehen nur vier Aufstiegsplätze zur Verfügung. Und während, wie von Beck moniert, die Meister aus den Staffeln West und Südwest aufgrund der hohen Mitgliederzahlen immer aufsteigen, rotiert das direkte Aufstiegsrecht für die Ligen in Bayern, im Norden und Nordosten. In dieser Saison war Bayern dran (SpVgg Bayreuth), während der vierte Aufsteiger in der Relegation zwischen dem BFC und Oldenburg ermittelt werden musste.
 
"So eine Regel ist eine Vollkatastrophe", echauffierte sich der sonst eher als ruhiger und erfahrener Zeitgenosse bekannte Beck. "Das ist einfach so, wenn da Leute sitzen, die vom Fußball keine Ahnung haben. Sie zerstören damit einfach eine ganze Saison."
 
Mit seiner Meinung stand Beck nach dem Berliner Auftritt in Niedersachsen nicht allein da: "Zwei Bonusspiele, wird immer gesagt. Das sind einfach zwei Schrottspiele, da muss irgendwas geändert werden", sagte auch BFC-Angreifer Matthias Steinborn nach der Partie am NDR-Mikrofon.

Zuspruch vom VfB Oldenburg

Zuspruch für die Berliner kam ebenfalls aus dem Oldenburger Lager. "Dass man so eine Relegation spielen muss, das wünscht man keinem", zeigt VfB-Kapitän Max Wegner Verständnis für den Frust beim BFC. "Dynamo hat alles gegeben, das ist dann am Ende schon ein bisschen unfair. Aber vielleicht klappt es für den BFC ja im nächsten Jahr."

Dann müssten die Berliner aber erneut in die Relegation, diesmal gegen den Bayern-Meister, während der Norden direkt aufsteigen darf. Der Meister der Regionalliga Nordost darf erst in zwei Jahren wieder direkt hoch in die 3. Liga. Für Christian Beck ist das aber noch Zukunftsmusik. "Das ist noch so weit weg", meint der Angreifer. "Wir sind jetzt alle enttäuscht, müssen das erstmal sacken lassen. Es war eine lange Saison, einfach für nichts. Wir müssen den Mund abputzen und dann schauen, was nächste Saison ist."

Bürgschaft soll für Etat und bessere Strukturen genutzt werden

Fest steht hingegen bereits, wie der BFC die 900.000-Euro-Bürgschaft, die der Klub für die nötige Drittliga-Lizenz in den letzten Wochen bei Sponsoren und Fans gesammelt hat, jetzt nutzen wird.
 
Schon vor dem entscheidenden Aufstiegsspiel in Oldenburg hatte der Klub angekündigt, dass die Finanzmittel im Falle eines Verbleibs in der Regionalliga Nordost "für den Etat sowie für die Verbesserung der Vereinsstrukturen und Erweiterung der vorhandenen Trainingsinfrastruktur" genutzt würden.
 
Finanziell geht der Klub also mit einer zusätzlichen Spritze in die nächste Spielzeit in der Regionalliga Nordost. Ob man sportlich wieder so überzeugen wird wie in dieser Saison und erneut um den Aufstieg mitspielen kann, wird sich nach der Sommerpause zeigen. Die Zeit zur Erholung ist begrenzt. Schon am 22. Juli rollt in der Regionalliga wieder der Ball.

Sendung: rbbUM6, 05.05.22, 18 Uhr