David Otto vom FC St. Pauli bejubelt sein Tor zum 3:0 im Stadtderby gegen den Hamburger SV

NDR-Sport St. Paulis Derbyhelden: Erst gefeiert, dann (fast alle) vergessen

Stand: 29.11.2023 10:58 Uhr

Zum elften Mal treffen am Freitagabend der FC St. Pauli und der HSV in der Zweiten Liga aufeinander. Der Kiezclub verlor nur drei der bisherigen Duelle im Bundesliga-Unterhaus gegen den Stadtrivalen. Jeder Derbysieg hatte seine Helden - die fast alle anschließend in der Versenkung verschwanden.

Von Hanno Bode

So langsam kommt der SV Sandhausen nach dem Zweitliga-Abstieg sowie dem daraus resultierenden großen personellen Umbruch ins Rollen. Nach dem 2:0-Erfolg am vergangenen Sonnabend gegen den MSV Duisburg sind die Kurpfälzer nun bereits seit sechs Drittliga-Partien ungeschlagen. Die Erfolgsserie der Baden-Württemberger wäre im Normalfall im Zusammenhang mit dem Hamburger Stadtderby am Freitagabend (18.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) nie zu einer Randnotiz geworden, hätte beim SVS nicht ein Mann namens David Otto mitgewirkt und für das 1:0 gesorgt.

Denn der 25 Jahre alte Angreifer zählte beim bis dato letzten Vergleich des Kiezclubs am Millerntor mit dem HSV am 14. Oktober des vergangenen Jahres zu St. Paulis Derbyhelden. Als "Joker" erzielte Otto den 3:0-Endstand und verewigte sich so in den Geschichtsbüchern des prestigeträchtigen Duells.

Ansonsten hinterließ der aus Pforzheim stammende Stürmer während seines einjährigen Intermezzos an der Elbe keinen sonderlichen bleibenden Eindruck. Otto kam auch nach seinem Treffer gegen den HSV nicht über die Rolle des Einwechselspielers hinaus und wechselte im vergangenen Sommer nach Sandhausen.

Diamantakos über Kroatien und Israel nach Indien

Der große Karriere-Booster war das Tor im Derby für den 25-Jährigen also nicht. Selbiges trifft auf nahezu alle anderen Spieler zu, die in der Vergangenheit mit Treffern entscheidend zu den Erfolgen des Kiezclubs gegen den Stadtrivalen beitrugen. Es scheint beinahe eine Art Fluch auf den Helden für einen Tag zu liegen.

Beispiel Dimitrios Diamantakos: Der 30-jährige Grieche hatte großen Anteil daran, dass St. Pauli am 16. September 2019 Geschichte schrieb. Mit seinem Tor zum 1:0 gegen den HSV ebnete der Angreifer den Weg zum 2:0-Erfolg der Kiezkicker, der gleichbedeutend mit dem ersten Sieg der Braun-Weißen in Liga zwei gegen den Stadtrivalen war.

Am Saisonende verließ Diamantakos die Hanseaten in Richtung Hajduk Split. Dort wurde er aber ebenso wenig glücklich wie beim israelischen Club FC Ashdod. Seit 2022 geht der Ex-Nationalspieler nun im fernen Indien für die Kerala Blasters auf Torejagd.

"Antiheld" van Drongelen spielt nun in der Türkei

Der zweite Held des besagten Derbys ist eigentlich ein Antiheld - jedenfalls aus HSV-Sicht. Denn in Rick van Drongelen zeichnete ein Verteidiger des Rautenclubs per Eigentor für den zweiten Treffer verantwortlich. Der Niederländer suchte später sein Glück (vergeblich) bei Union Berlin und auf Leihbasis beim KV Mechelen in Belgien sowie dem FC Hansa Rostock. Seit dieser Saison läuft der Defensivspezialist für Samsunspor auf, das aktuell Vorletzter in der türkischen Süper Lig ist.

Erst kamen Veerman und Penney, dann kam Corona

Auch das zweite Stadtduell in der Saison 2019/2020 entschied St. Pauli mit 2:0 für sich. Kurz bevor die Corona-Pandemie die Welt mehr oder minder zum Stillstand brachte, ließen Henk Veerman und Matt Penney am 22. Februar 2020 die Anhänger des Kiezclubs mit ihren Toren noch einmal kräftig jubeln. Sturmhüne Veerman wechselte nach dem Saisonende zurück in seine niederländischen Heimat zum SC Heerenveen.

Es folgte ein halbjähriges Engagement beim FC Utrecht, bevor der Torjäger sich dem FC Volendam anschloss und seit dieser Serie nun für den Zweitligisten ADO Den Haag kickt.

Der Engländer Penney war seinerzeit nur von Sheffield Wednesday ausgeliehen und kehrte nach der Spielzeit auf die Insel zurück. Nach Stationen bei Ipswich Town, dem FC Motherwell und Charlton Athletic ist der Linksverteidiger seit diesem Sommer vereinslos - mit 25 Jahren.

Kyereh klettert als einziger Derbyheld die Karriereleiter hoch

In der Saison darauf trennten sich St. Pauli und der HSV in der Hinrunde 2:2, bevor die Braun-Weißen den zweiten Vergleich am 1. März mit 1:0 gewannen. Daniel-Kofi Kyereh traf zwei Minuten vor Ultimo ins Schwarze. Und anders als Diamantakos, Veerman und Penney ging es in seiner Karriere aufwärts. Der Nationalspieler Ghanas war Stammkraft beim auf internationaler Bühne vertretenen Bundesligisten SC Freiburg, bevor er sich in der vergangenen Serie einen Kreuzbandriss zuzog, der ihn bis heute außer Gefecht setzt.

Doppelpacker Makienok: Erst gefeiert, dann fallengelassen

In der vorvergangenen Serie kam es bereits am dritten Spieltag zum ersten Stadtderby. Corona-bedingt durften am 18. August 2021 nur 10.000 Zuschauer bei der Partie am Millerntor dabei sein. Sie sahen einen 3:2-Sieg der Hausherren, zu dem Simon Makienok zwei Treffer beisteuerte. Es war für den hochaufgeschossenen Dänen der schönste Arbeitstag beim FC St. Pauli. Denn weil sich der Zweitligist insgesamt mehr "Wumms" von dem 31-Jährigen versprochen hatte, wurde sein Vertrag am Saisonende nicht verlängert.

Aktuell kickt der Zwei-Meter-Mann in der Heimat bei Hvidovre IF, dem Tabellenschlusslicht der Superliga. Seine Saisonbilanz: acht Einsätze, null Tore.

Schultz feiert im Derby letzten Sieg als St.-Pauli-Coach

Nachdem Makienok das Rückrunden-Duell in der vergangenen Saison mit den Braun-Weißen mit 1:2 verloren hatte und Hamburg am Saisonende den Rücken kehrte, feierte sein Ex-Club in der vergangenen Spielzeit im ersten Vergleich mit dem HSV einen 3:0-Erfolg. Ein früher Platzverweis von Sebastian Schonlau (28.) spielte dem Kiezclub dabei am 14. Oktober im Millerntorstadion in die Karten. Eric Smith, Marcel Hartel und Otto erzielten im zweiten Abschnitt St. Paulis Tore.

Coach Timo Schultz durfte nach dem dritten Saisonsieg aufatmen. Allerdings nur kurzfristig. Denn nachdem sein Team in den darauffolgenden fünf Partien nur drei Zähler holte, wurde das Vereins-Urgestein entlassen. Sein Nachfolger Fabian Hürzeler führte das Team zwar in beeindruckender Art und Weise aus dem Keller, kassierte dann aber ausgerechnet im Derby beim HSV beim spektakulären 3:4 eine von bis dato zwei Niederlagen in seiner Amtszeit.

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Hamburg Journal | 29.11.2023 | 19:30 Uhr