NDR-Sport Hertha BSC - HSV: Die Daten- und Taktikanalyse zur Relegation

Stand: 18.05.2022 17:56 Uhr

Der HSV spielt in der Relegation gegen Hertha BSC um seine Rückkehr in die Fußball-Bundesliga. Wer hat die besseren Chancen? Wo liegen die Stärken und Schwächen der Kontrahenten? Das Duell im Daten- und Taktikcheck.

Von Sebastian Ragoß

Drama bietet die Relegation zuhauf. Wer wüsste das besser als die Fans des Hamburger SV und Hertha BSC? 2014 und 2015 retteten sich die Norddeutschen in den zwei Entscheidungsspielen vor dem Bundesliga-Abstieg, die Berliner verloren ihrerseits 2012 unter Trainer Otto Rehhagel in den legendären Duellen gegen Fortuna Düsseldorf.

Nun will der HSV als Zweitligist am Donnerstag und Montag (beide 20.30 Uhr/im NDR Livecenter) gegen die "Alte Dame" die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus schaffen.

HSV-Legende Magath auf der Berliner Trainerbank

Gegen jene Hertha, die von HSV-Legende Felix Magath trainiert wird und die gerade auf dem schlechtesten Weg ist, den Hamburger Weg zu gehen: als Verein, der viele Möglichkeiten hat und finanziell massiv durch einen Investor unterstützt wird, in die Zweite Liga abzusteigen.

Zweifellos ist der Druck auf die Berliner größer. Auch spricht das psychologische Moment für die Norddeutschen, die sich durch eine Siegesserie noch Rang drei gesichert haben. Klar ist allerdings auch, dass ein Bundesligist grundsätzlich besser besetzt ist als eine Zweitliga-Mannschaft und sich deshalb auch meistens durchgesetzt hat in den Entscheidungsspielen.

Glatzel: "Wir können es packen"

HSV-Torjäger Robert Glatzel bringt die Ausgangslage auf den Punkt: "Unsere Chancen in der Relegation sind vorhanden, die Hertha ist aber der Bundesligist und hat viel individuelle Qualität. Dennoch können wir es packen."

Was müssen die Hamburger tun, um sich durchzusetzen? Wo liegen die Stärken und Schwächen der Kontrahenten? Wir werfen einen Blick auf die Daten.

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Der Hertha-Stil dürfte dem HSV liegen

Grundsätzlich lässt sich sagen: Die Berliner sind ein Gegner, der dem HSV liegen dürfte, vielmehr jedenfalls als der VfB Stuttgart. Denn Hertha BSC hat Schwächen in Bereichen, in denen die Elf von Trainer Tim Walter ihre Stärken hat.

Vor allem die taktische Grundausrichtung der Magath-Mannschaft kommt dem Zweitligisten entgegen. Das effektivste Mittel gegen den HSV ist frühes Pressing, wie zuletzt Hansa Rostock am Sonntag in der ersten Hälfte deutlich aufgezeigt hat.

Die Grafik zeigt, welche Stärken und Schwächen Hertha BSC hat.

Dies unterbindet zum einen den Spielaufbau und führt andererseits gegen die technisch nicht herausragenden Abwehrspieler häufig zu Ballgewinnen und damit Torchancen.

Die Berliner sind jedoch in Sachen Pressing das schlechteste Team der Bundesliga. Gerade einmal 8,09 Mal pro Partie erobern sie im Schnitt den Ball in der gegnerischen Hälfte.

Ohnehin agiert die Hertha wie ein klassischer Außenseiter. Dem Gegner wird die Initiative überlassen, unter Magath noch mehr als unter seinen Vorgängern, was sich auch deutlich in den Zahlen ausdrückt: Bei allen Parametern, die für Kreativität stehen (beispielsweise Torschüsse, eigene Aktionen, Ballbesitz) belegen die Hauptstädter im Bundesliga-Vergleich einen der letzten Plätze.

Immerhin stimmen die Zweikampfwerte: 55,56 Prozent gewonnene Defensivduelle bedeuten Rang sechs im Liga-Ranking.

Kann die Walter-Elf ihr Konzept beibehalten?

Ganz anders der HSV: Er will dominieren, den Ball haben und dann über die Außen Mittelstürmer Glatzel in Szene setzen. Dies könnte auch in der Relegation gut funktionieren, da die Hertha auf den Außenbahnen Schwächen hat.

Die Rollenverteilung dürfte sowieso interessant zu beobachten sein: Werden die Hamburger auch gegen die Hertha als klassentieferes Team ihren Stil beibehalten können? Oder ändert Magath die Grundausrichtung seiner Mannschaft und lässt sie deutlich offensiver agieren? Sehr wahrscheinlich ist das nicht. Bei allen Erfolgen, die Magath gefeiert hat: Ein ausgebuffter Taktiker war er als Coach nie.

Die Grafik zeigt, welche Stärken und Schwächen der Hamburger SV hat.

Zudem ist es fraglich, ob ein angeschlagenes Team innerhalb weniger Tage seinen Stil fast komplett ändern kann (und sollte). Wahrscheinlicher ist, dass die Berliner versuchen werden, kompakt zu stehen und "Nadelstiche" zu setzen - bevorzugt mit langen Bällen Richtung Mittelstürmer.

Standards für Berlin eine Chance?

Hierin besteht durchaus eine Chance: Die HSV-Defensive ist in solchen Situationen nicht immer auf der Höhe. Auch Standards dürften in Magaths Plan eine wichtige Rolle spielen, da seine Elf nach Freistößen - und Einwürfen - verhältnismäßig häufig gefährlich wird. Ein besonders innovativer Ansatz mag das nicht sein. Doch in der Relegation gilt noch mehr als sonst: Einzig das Ergebnis zählt.

Relegation immer für ein Drama gut

Und das könnte für den HSV positiv ausfallen - so zumindest die Theorie. Doch gerade die Duelle um Aufstieg und Abstieg haben immer eine ganz besondere Dynamik entfaltet, in der alle Theorie häufig grau ist und es vor allem auf Nervenstärke und auch ein wenig Glück ankommt. Siehe Hertha BSC - Düsseldorf 2012, siehe HSV - Fürth 2014, siehe HSV - KSC 2015. Fortsetzung folgt: am Donnerstag und Montag.

Dieses Thema im Programm:
Sportclub | 15.05.2022 | 22:30 Uhr