Galopp-Reiten Galopp-Derby: Zwanzig Pferde am Start - zwei Frauen im Fokus

Stand: 03.07.2022 10:12 Uhr

Heute kommt es auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn zum großen Showdown. Das 153. Deutsche Derby steht an, ohne Star-Jockey Andrasch Starke, dafür aber mit zwei der besten weiblichen Jockeys Europas. Das Rennen um das "Blaue Band" könnte ein historisches werden.

Als im Jahre 1869 in Hamburg das erste Deutsche Derby entschieden wurde, war es eine Angelegenheit von Grafen und Baronen. Ihnen gehörten die edlen Pferde, männliche Reiter in der Regel aus England schwangen sich in den Sattel. Über ein Jahrhundert spielten Frauen zu Pferde keine Rolle. Doch heute könnte sich bei der 153. Austragung des Deutschen Derbys erstmals eine Frau in die Siegerliste eintragen.

Hollie Doyle hat mit Wagnis Chancen

Im 20-köpfigen Feld des mit 650.000 Euro dotierten Spektakels treten zwei chancenreiche Pferde an, die von zwei der besten weiblichen Jockeys Europas geritten werden. Wagnis heißt denn auch passenderweise die Stute, für die aus England Hollie Doyle eingeflogen wird. "Die Idee dazu kam vom Besitzer, dem Gestüt Röttgen", erklärte Trainer Markus Klug, "ich war sofort damit einverstanden". Erst vor zwei Wochen hat die 25 Jahre alte Doyle in Chantilly bei Paris den klassischen Prix de Diane gewonnen, 16 männliche Konkurrenten waren chancenlos. "Nur die Startnummer gefällt mir nicht so gut", sagte Klug. Wagnis, gerade souveräne Siegerin in Berlin-Hoppegarten, bekam die Nummer 20 ganz außen zugelost.

Starke gesperrt - Dettori reitet Favorit So Moonstruck

Der in Köln auf einer privaten Trainingsanlage arbeitende Klug stellt mit sieben Startern über ein Drittel des Derbyfeldes. Aber ausgerechnet in Hamburg steht ihm sein Stalljockey Andrasch Starke nicht zur Verfügung. Der achtfache Derbysieger hatte im Kölner Union-Rennen, einem wichtigen Derbytest, auf So Moonstruck die Reitgerte sechsmal eingesetzt, einmal zu viel: 14 Tage Sperre inklusive des Derby-Sonntags. 

Jetzt reitet der vielleicht weltbeste Jockey Frankie Dettori den Mitfavoriten aus dem renommierten Gestüt Schlenderhan. Der in England tätige Italiener hat das Derby schon einmal gewonnen, 1991 mit Temporal, sein erster großer internationaler Erfolg.

Sibylle Vogt geht mit Nerik ins Rennen

Was die Chancen seiner Pferde betrifft, hält sich Klug bedeckt: "So Moonstruck, Ardakan, Lavello, zwischen denen liegt nicht viel." Klug-Kollege Peter Schiergen hat keine Jockeyprobleme. Auf Sammarco, der So Moonstruck in Köln hinter sich gelassen hat, sitzt Champion Bauyrzhan Murzabayev und bei Nerik, seiner zweiten Chance, kommt der zweite weibliche Jockey ins Spiel. Sibylle Vogt. Die 27 Jahre alte Schweizerin ist seit Jahren in Deutschland tätig - mit stark steigender Erfolgstendenz.

Wen der Kölner Schiergen, als Jockey immerhin über 1.500mal erfolgreich, reiten würde? "Das überlasse ich den Jockeys", sagte er, doch hat er nie einen Hehl daraus gemacht, dass er dem stark gesteigerten Nerik viel zutraut. Die Buchmacher notieren trotzdem Sammarco und So Moonstruck als Favoriten, doch fasst die Meinung vieler der ebenfalls in Köln ansässige Trainer Henk Grewe zusammen, selbst mit einem Quartett dabei: "Für mich kann jeder gewinnen."

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Hamburg Journal | 03.07.2022 | 19:30 Uhr