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Ostball | Folge 4 "Zum Erfolg verdammt" – verhilft der neue Medien-Deal mit S-Nation der BBL aus der Nische?

Stand: 08.06.2022 11:17 Uhr

Das Feedback der Fans war verheerend. Doch die Chancen für die Sportart sollen groß sein: Der neue Bewegtbild-Vertrag der Basketball-Bundesliga sorgt für heftige Diskussionen. Die Liga hat sich an den Springer-Verlag verkauft, sagen die einen. Der Deal hebt die Klubs auf ein neues Level, sagen die anderen. Alle Hintergründe in Folge 4 von "Ostball", dem Podcast über erstklassigen Basketball aus dem Osten.

Von Von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Mehr als 150 Kommentare unter dem Twitter-Post – und kein einziger davon wirklich positiv. Das Echo auf den neuen Medienrechte-Deal der Basketball-Bundesliga (BBL) mit S-Nation Media war verheerend.

Selten sorgte eine Entscheidung der Liga in der Vergangenheit für so viel Aufsehen. Zum einen, weil viele Fans das Konstrukt hinter der neuen Streaming-Plattform kritisch sehen. Zum anderen aber auch, weil der neue Vertrag große Chancen für den deutschen Basketball bietet.

Folge 4 von "Ostball" in der Übersicht:

Das Thema

Der neu gegründete Sport-Streaming-Dienst S-Nation Media, der sich allen Sportarten außer Fußball widmen will, hat sich die audiovisuellen Medienrechte der Basketball-Bundesliga für sechs Spielzeiten gesichert – startend 2023 bis 2029.

Das heißt: S-Nation wird sämtliche Bundesliga-Partien und Pokal-Spiele übertragen. Auch weitere Rechte will sich das Unternehmen sichern. Die Partnerschaft der BBL mit dem bisherigen Rechteinhaber, der Deutschen Telekom, endet dagegen nach neun Jahren.

Der neue Deal warf viele Fragen auf – und sorgte für reichlich Kritik.

Die Gäste

Ein Thema, zahlreiche Perspektiven: In Folge 4 von "Ostball" spricht Stefan Holz, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, erstmals ausführlich über den neuen Medien-Deal.

Außerdem schätzen Martin Geissler, Geschäftsführer des Syntainics MBC, und Steffen Herhold, Geschäftsführer der NINERS Chemnitz, die Bewegtbild-Zukunft der BBL in Bezug auf ihre Klubs ein.

Marcus Albanus spricht als Fan und Gesicht der Initiative "Big City Basketball" über die Kritik an dem neuen Medienrechte-Partner.

Und nicht zuletzt ist es auch der Mann zu hören, auf dem viele Hoffnungen ruhen: Christian Seifert, der ehemalige Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und jetzige Gesellschafter sowie Geschäftsführer von S-Nation.

Basketball-Journalist Robert Heusel ordnet Ausschnitte aus seinem Interview mit Christian Seifert aus dem Podcast "Postgame" des Basketball-Fachmagazins "BIG" ein.

Die spannendsten Aussagen

Das Feedback war ernüchternd. Nach der Verkündung des neuen Medienpartners hagelte es für die Basketball-Bundesliga reichlich Kritik. "Diese Konstellation fällt nicht vom Himmel. Das ist harte Arbeit. Wir haben uns dabei etwas gedacht", sagt BBL-Geschäftsführer Stefan Holz. "Dass das erstmal nicht goutiert wird von der Mehrheit, die sich da meldet, fand ich enttäuschend." (ab Minute 3:40)

Holz spricht im Podcast über die Gedanken hinter dem neuen Bewegtbild-Deal, die Kritik der Fans und wie auch der Basketball-Nachwuchs in Deutschland von dem neuen Medienrechtevertrag profitieren soll. (ab Minute 32:00)

Konkrete Zahlen nennt zwar niemand. Aber laut dem Sponsors-Magazin dürfte der neue Vertrag ein finanzielles Volumen von mindestens 35 Millionen Euro haben. Das würde gegenüber dem bisherigen Medienrechtevertrag rund 20 Prozent mehr garantierte Erlöse pro Saison bedeuten.

MBC-Geschäftsfüher Martin Geissler sagt: "Die Zahlen werden erheblich steigen. Das ist eine neue Dimension, die es so im Basketball in Deutschland noch nicht gegeben hat." (ab Minute 24:30)

NINERS-Geschäftsführer Steffen Herhold sieht ebenfalls eher die Chancen als die Risiken. Doch: Droht nun durch den Springer-Verlag eine Boulevardisierung des Basketballs? "Wie boulevardesk kann Sport sein", fragt Herhold. "Sport-Entertainment ist ja Boulevard." (ab Minute 33:30)

Vielmehr sagt der Chemnitzer Geschäftsführer: "Wenn sich der Springer-Verlag dahinterklemmt, dann ist man zum Erfolg verdammt. Dann werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit das Thema fliegt." Und weiter: "Wir wollen Basketball präsentieren und in der Öffentlichkeit viel mehr stattfinden lassen. Und das kann man im Feuilleton machen, aber auch so, wie er ist: erdig, mit Zugang für alle Bevölkerungsschichten."

Christian Seifert ist das Gesicht von S-Nation – und will nun die Entwicklung des Basketballs vorantreiben. Natürlich: vor allem, um mehr Abos der neuen Streaming-Plattform zu verkaufen.

"Jeder Deal, egal, wie groß er ist, wird die BBL nicht auf ein anderes Level bringen", sagt Seifert (ab Minute 17:15). "Deshalb geht unser Konzept auch über diesen Medienvertrag hinaus. Unser Konzept zielt darauf ab, gerade zwischen den Spieltagen deutlich, deutlich mehr Reichweite und Berichterstattung zu platzieren."

Weitere Themen: Wie der neue Vertrag auch die Liga und Klubs fordert (ab Minute 28:20) und was S-Nation im Basketball noch plant (ab Minute 19:30).

Warum war der neue Medienrechte-Deal vielleicht sogar notwendig? Basketball-Journalist Robert Heusel sagt: "Wenn die durchschnittliche Einschalt-Zahl 25.000 ist, ist das zu wenig. Die Vereine müssen sich weiterentwickeln, wenn sie sportlich erfolgreich sein wollen. Hier müssen sie neue Zielgruppen erschließen, um neue wirtschaftliche Möglichkeiten erschließen zu können." 

Was im besten Fall in der Zukunft durch den neuen Deal passieren wird? "Der beste Fall wäre", sagt Heusel, "dass unsere Sportart aus der Nische rauskommt und dass Basketball ein Volkssport wird."

Marcus Albanus von der Initiative "Big City Basketball" erklärt, warum die Entwicklung des Basketballs unter Federführung des Springer-Verlags aus seiner Sicht schwierig werden könnte: "Unsere Intention war immer, den Basketball nicht als nationale Sportart zu verkaufen, weil er schon in Weißenfels keine nationale Sportart mehr ist." (ab Minute 40:30)

Doch: "Jetzt kommt Springer mit seiner Fußballwelt, die halt anders funktioniert, wo das Nationale eine andere Bedeutung hat. Vom Fußball lernen heißt unserer Meinung nach für den Basketball nicht siegen lernen."

Über den Podcast

"Ostball" – das ist der Podcast über erstklassigen Basketball aus dem Osten. Alle zwei Wochen erzählt Moderator Daniel George in einer neuen Folge die besten Geschichten des ostdeutschen Basketballs. Mit Chemnitz und Weißenfels bei den Männern sowie Halle bei den Frauen gibt es schließlich drei Erstliga-Standorte im Osten. Aber auch viele Protagonisten wie Spieler, Trainer und Verantwortliche, die mittlerweile anderswo tätig sind, haben dort ihre Wurzeln.

Wo der Podcast zu hören ist

Daniel George
Über den Moderator

Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Er erkannte schnell, dass es auf dem Parkett für mehr als eine stabile Landesliga-Karriere beim großartigsten Dorfverein der Welt, dem TSV Niederndodeleben, nicht reicht. Also begann der Zwei-Meter-Center mit dem Schreiben über Basketball. Zunächst für die Mitteldeutsche Zeitung über den Oberligisten BC Anhalt aus Dessau, dann über den Regionalligisten Aschersleben und schließlich über den Bundesligisten Weißenfels. Inzwischen hat er für den MDR mehrere Dokumentationen über Basketball produziert: unter anderem "Plan A" über Nationalspieler Andreas Obst und "Built to win" über die SBB Baskets Wolmirstedt. Außerdem schreibt er für das Fachmagazin "BIG" über Basketball im Osten. Im Podcast "Ostball" spricht er nun auch regelmäßig über den Sport seines Herzens.

MDR (Daniel George)