Deutsche Radprofis bei der Tour: Mentale und körperliche Wunden

Tony Martin, André Greipel, Simon Geschke, Emanuel Buchmann

Tour de France

Deutsche Radprofis bei der Tour: Mentale und körperliche Wunden

Von Michael Ostermann (Tignes)

Die Tour de France legt in Tignes ihren ersten Ruhetag ein. Die elf noch im Rennen verbliebenen deutschen Radprofis sind bisher noch kaum in Erscheinung getreten. Das hat verschiedene Gründe.

Tony Martin (Jumbo-Visma): "Ich glaube, ich habe selten einen Ruhetag so herbeigesehnt wie diesen", sagt Tony Martin. "Es war frustrierend und schmerzhaft." Angereist, um Primoz Roglic zum Gesamtsieg zu begleiten, ist Martin das Ziel schon in den ersten Tagen der Rundfahrt abhandengekommen. Roglic stützte schon auf der 3. Etappe schwer, verlor Zeit und gab das Rennen nach der 8. Etappe auf.

Martin wirkte schon direkt nach dem Sturz seines Kapitäns bedrückt, die eigenen Wunden nach dem Zusammenstoß mit dem Pappschild einer Zuschauerin drückten ebenfalls auf die Stimmung. Den Ruhetag will er nutzen, um sich zu "nullen", wie er das ausdrückt, "um dann mit neuer Energie in die zweite und dritte Woche zu starten." Die neue Aufgabe dürfte sein, den Dänen Jonas Vingegaard aufs Podium zu bringen, der ist zur Zeit Gesamtvierter.

Regen, Kälte, Kampf ums Zeitlimit in Tignes

Tourfunk 04.07.2021 22:47 Min. Verfügbar bis 05.07.2031 ARD


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Emanuel Buchmann (Bora-hansgrohe): Nach seinem Sturz und dem vorzeitigen Aus beim Giro d'Italia ist Emanuel Buchmann etwas überraschend für die Tour de France nominiert worden, bei der er eigentlich in diesem Jahr gar nicht hätte auftauchen sollen. Die Gesamtwertung war von vornherein nicht das Ziel, dafür hat das Team den Kapitän Wilco Kelderman ins Rennen geschickt.

Seine freie Rolle konnte Buchmann allerdings bislang noch nicht nutzen. In den Alpen klagte er über schlechte Beine, die Kälte und der Regen machten ihm ebenfalls zu schaffen. Er habe rausgenommen, "um für den Rest der Tour Energie zu sparen." Findet er die Beine, ist er in den Pyrenäen durchaus noch ein Kandidat für einen Etappensieg. 

Greipel und Walscheid noch nicht in Position

André Greipel (Israel Start Up Nation): Noch einmal bei den Sprints der Tour de France auf Augenhöhe mitsprinten - mit diesem Ziel ist der 38 Jahre alte André Greipel nach Frankreich gereist. Bei den bisherigen drei Sprintetappen ist ihm das noch nicht gelungen. Auf der 3. Etappe wurde er durch einen Sturz aufgehalten, die beiden anderen bisherigen Sprints beendete er als Zehnter und als 23. - das entspricht nicht seinen eigenen Ansprüchen.

9. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 04.07.2021 06:14 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Die Gründe dafür hat Greipel selbst noch nicht benannt. Aber weder in Fougères noch in Chateauroux kam er überhaupt in die Position, von der aus er seine Kraft hätte auf die Straße bringen können, um sich mit den besten Sprintern zu messen. In der zweiten Tourwoche warten in Valence, Nimes und Carcassonne bis zu drei weitere Gelegenheiten für Greipel zu zeigen, dass er noch nicht zum alten Eisen zählt.

Rick Zabel (Israel Start Up Nation): Der Job von Rick Zabel ist es, die Sprints für André Greipel anzufahren. Dazu ist er bisher noch nicht gekommen, was allerdings nicht seine Schuld ist. Zabel hat keine Fehler gemacht in der Sprintvorbereitung, aber Greipel konnte zum Beispiel in Chateauroux nicht an seinem Hinterrad bleiben, weshalb er dort sogar vor seinem Sprinter ins Ziel rollte. Für die anstehenden Sprintankünfte muss Zabel also nicht viel verändern.

Max Walscheid (Qhubeka-NextHash): Der zweite deutsche Sprinter ist auch noch nicht da, wo er hinwill. Die Plätze zehn, 13, 16 stehen für die drei bisherigen Sprintetappen zu Buche. "Es hat noch nicht gereicht, um mit den Besten mitzusprinten", muss Walscheid eingestehen. "Es ist aber mehr eine Frage der Übung als der Beine."

Walscheid ist in den Sprints weitgehend auf sich alleine gestellt, einen Lead-out hat er nicht. Das erschwert die Positionierung in den Finals. "Ich habe aber den Anspruch, es auch alleine besser hinzukriegen", sagt er. Gelegenheiten dazu gibt es in den kommenden Tagen wohl noch genug.

Stand: 05.07.2021, 08:30

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