Die Favoriten der Tour de France 2020

Emanuel Buchmann, Primoz Roglic, Thibaut Pinot, Egan Bernal (v.l.n.r.)

Der Kampf ums Gelbe Trikot

Die Favoriten der Tour de France 2020

Von Michael Ostermann

Bei der Tour de France 2020 wird der Generationenwechsel im Radsport vollzogen. Vorjahressieger Egan Bernal, 23, ist der einzige Fahrer im Feld, der die Tour schon gewonnen hat. Der Kolumbianer muss sich aber mehreren Herausforderern stellen. Zu den Favoriten zählt auch ein Deutscher.

Egan Bernal (23) - Team Ineos

Egan Bernal

Egan Bernal gehört die Zukunft - davon sind sie überzeugt beim Team Ineos. Sieben Mal in den vergangenen acht Jahren hat die britische Equipe die Tour de France gewonnen. Zuletzt 2019 mit Bernal. Der Kolumbianer trägt diesmal aber anders als im vergangenen Jahr die ganze Last der Kapitänsbürde auf seinen Schultern. Weder der Vorjahreszweite und Toursieger von 2018, Geraint Thomas, noch der viermalige Gewinner Christopher Froome gehören zum Ineos-Aufgebot. Stattdessen stehen Bernal mit dem Russen Pavel Sivakov und dem Girosieger von 2019, Richard Carapaz, zwei Tourdebütanten zur Seite. Kommt Bernal mit dem Druck der alleinigen Führung klar? Wenn ja, ist er mit seinen Kletterqualitäten auf diesem Kurs der Topfavorit.

BernalPunkte (maximal 5)
Berge5
Zeitfahren4
Team4

Primoz Roglic (30) - Team Jumbo-Visma

Primoz Roglic

Noch vor drei Wochen war Primoz Roglic der Wettfavorit auf den Toursieg 2020. Bei der Tour de l'Ain spielte er mit Bernal in den Bergen und konnte sich dabei auf seine mit reichlich Prominenz besetzte Mannschaft verlassen. Der ehemalige Skispringer aus Slowenien und sein niederländisches Team waren auf dem besten Weg, die Vormachtstellung von Ineos zu brechen. Doch dann kam der folgenschwere Sturz bei der Dauphiné-Rundfahrt, die den Tourstart des Gesamtdritten von 2019, Steven Kruijswijk, unmöglich machte und auch Roglic schwer in Mitleidenschaft zog. Entscheidend wird also sein, wie fit der Slowene tatsächlich ist. Mit halben Kräften kann er die Tour nicht gewinnen. Erholt er sich rechtzeitig, muss er als erster Herausforder für Bernal gelten.

RoglicPunkte (maximal 5)
Berge5
Zeitfahren5
Team4

Thibaut Pinot (30) - Groupama-FDJ

Thibaut Pinot

Thibaut Pinot ist der Mann für das große Drama. Im vergangenen Jahr war er drauf und dran, die Franzosen von ihrer mehr als drei Jahrzehnte andauernden Durststrecke ohne heimischen Toursieger zu erlösen. Zumindest aber hätte Pinot in Paris auf dem Podium stehen sollen. Doch kurz vor dem Finale musste er unter Tränen wegen einer Verletzung aufgeben. Ganz Frankreich litt mit Pinot, der im ersten Schock erklärte, er wolle gar nicht mehr weitermachen als Radprofi. Doch nun ist er wieder da, und der Kurs der Tour de France 2020 kommt seinen Qualitäten entgegen. Am vorletzten Tag gibt es noch das Bergzeitfahren auf die Planche des Belles Filles, dessen Strecke durch Pinots Heimatort führt. Nur ein Drama darf nicht wieder dazwischenkommen - dann ist das Podium oder sogar Gelb in Paris drin.

PinotPunkte (maximal 5)
Berge5
Zeitfahren3
Team3

Nairo Quintana (30) - Arkéa-Samsic

Nairo Quintana

Als die Radsportsaison begann, und die Corona-Pandemie noch eine weit entfernte Virus-Epidemie in China war, wirkte Nairo Quintana wie befreit. Nach Jahren beim Team Movistar, in denen der Kolumbianer in einer Dreierspitze zerrieben wurde und dabei zusehends seine Form einbüßte, die ihm 2014 zum Giro- und 2016 zum Vuelta-Sieg verhalf. Zum Start der neuen Saison hat Quintana den Neuanfang beim französischen Team Arkéa-Samsic gewagt und scheint damit auch seine Form wiedergefunden zu haben. Gesamtsiege bei der Tour de la Provence und der Tour des Alpes-Maritimes et du Var vor der Corona-Zwangspause und ein dritter Rang bei der Tour de l'Ain danach deuten darauf hin, dass der Kletterspezialist mindestens ein Podiumskandidat für die Tour de France ist.

QuintanaPunkte (maximal 5)
Berge5
Zeitfahren3
Team2

Emanuel Buchmann (27) - BORA-hansgrohe

Emanuel Buchmann

Die Bilder von der Dauphiné-Rundfahrt ließen Schlimmstes befürchten. Emanuel Buchmann, die deutsche Podiumshoffnung für die Tour de France, nach einem Sturz im Rollstuhl, weil das Gehen schmerzte. Bis dahin war der 27 Jahre alte Ravensburger in der Gesamtwertung auf Podiumskurs gewesen, so wie er das auch bei der Tour sein will. Die schweren Prellungen haben seiner Vorbereitung einen schweren Schlag versetzt - und ein Einrollen gibt es bei der Tour in diesem Jahr nicht. Buchmann - im vergangenen Jahr Vierter - ist der Schattenmann im Peloton: Immer dabei, wenn sich die Besten am Berg messen und doch selten erwähnt, wenn es darum geht, die Favoriten zu benennen. Buchmann fehlt es an Explosivität, um der Konkurrenz mit Attacken zuzusetzen, aber er ist konstant stark - und das ist bei einer Drei-Wochen-Rundfahrt ein entscheidender Faktor, um aufs Podium zu kommen.

BuchmannPunkte (maximal 5)
Berge4
Zeitfahren4
Team3

Tadej Pogacar (21) - UAE-Team Emirates

Tadej Pogačar

Dem Slowenen Tadej Pogacar gehört die Zukunft. Im vergangenen Jahr stürmte er bei seinem Grand-Tour-Debüt gleich auf Platz drei der Spanien-Rundfahrt, wobei ihm auch noch drei Etappensiege gelangen - mit gerade mal 21 Jahren. Jetzt will er einen ähnlichen Anlauf bei der Tour de France starten. Ob ihm das in diesem Jahr schon gelingen kann? Noch ist er, was die Kletterqualitäten angeht, sicher nicht auf einer Stufe mit Bernal oder Roglic. Aber Pogacar hat ein feines Gespür für den richtigen Moment für einen Angriff. Das könnte angesichts des Profils der Tourstrecke ein entscheidender Faktor sein. Und sollte ihm der Weg aufs Podium in Paris diesmal noch zu weit sein, hat Pogacar ja noch viel Zeit, das in den kommenden Jahren nachzuholen.

PogacarPunkte (maximal 5)
Berge4
Zeitfahren4
Team3

Stand: 26.08.2020, 09:52

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