Tour de France: Pogacar hat alles unter Kontrolle

Jonas Vingegaard (l.) mit Tadej Pogacar

Slowene wehrt alle Angriffe ab

Tour de France: Pogacar hat alles unter Kontrolle

Von Michael Ostermann (Andorra la Vella)

Obwohl er früh von seinem Team isoliert wird, kann Tadej Pogacar auf der 15. Etappe der Tour de France alle Angriffe auf das Gelbe Trikot abwehren. Er profitiert dabei auch davon, dass sich seine Gegner gegenseitig belauern.

In das Gesicht von Jonas Vingegaard haben sich rechts und links des Mundes zwei tiefe Furchen eingezogen, die ihn älter wirken lassen. Dass der Däne erst 24 Jahre alt ist, erkennt man nur daran, dass sich statt Bartstoppeln ein leichter Flaum auf seiner Oberlippe abzeichnet.

Vingegaard probiert es drei Mal

Vingegaard fährt erst seine zweite Grand Tour und ist zum ersten Mal bei der Tour de France dabei. Aber seit seinem Angriff am Mont Ventoux, bei dem er den zwei Jahre jüngeren Träger des Gelben Trikots Tadej Pogacar in Schwierigkeiten brachte, gilt er als die einzige Hoffnung darauf, dass das Rennen noch nicht entschieden ist.

Es ist eine unverhoffte Rolle, in die er da gerückt ist, nachdem sein nomineller Kapitän Primoz Roglic schon nach der ersten Woche der Tour die Segel streichen musste. "Ich wachse langsam hinein", sagte Vingegaard im Ziel der 15. Etappe in Andorra la Vella über seine neue Aufgabe als Kapitän des Teams Jumbo-Visma.

15. Etappe - die Stimmen Sportschau 11.07.2021 04:57 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Er hatte auf dem letzten Anstieg des Tages, dem Col de Beixalis, erneut versucht, Pogacars Stellung anzugreifen. Drei Mal probierte er es mit einer Attacke, drei Mal konnte Pogacar aufschließen oder sich von den anderen Konkurrenten wieder heranfahren lassen. "Diesmal war niemand stärker als die anderen, aber wenigstens habe ich es versucht", sagte Vingegaard.

Ineos-Grenadiers macht Tempo im Gegenwind

Pogacar kann nun einigermaßen beruhigt in den Ruhetag gehen. Seine Stellung an der Spitze des Klassements bleibt mit 5:18 Minuten vor dem jetzt wieder auf Rang zwei geführten Kolumbianer Rigoberto Uran unangefochten. "Das war ein Tag, vor dem ich mich vor der Tour etwas gefürchtet habe", sagte Pogacar im Ziel. "Sie haben mich attackiert, aber ich habe mich gut gefühlt."

Man kann seinen Gegnern nicht vorwerfen, dass sie es nicht versucht hätten. Nicht nur Vingegaard war aktiv gewesen. Auch das Team Ineos-Grenadiers hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und das Tempo an der Spitze des Feldes in der zweiten Rennhälfte erhöht. Damit konnten sie Pogacar am vorletzten Anstieg des Tages, dem Port d'Envalira, zwar von seinen Teamkollegen isolieren. Doch Früchte trug auch diese Taktik am Ende nicht.

15. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 11.07.2021 04:58 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

"Ineos hat das Rennen gesprengt", beobachtete Simon Geschke, der bis zu diesem Zeitpunkt noch an der Seite seines später schwächelnden Kapitäns Gillaume Martin war. "Sie sind mit Vollgas gegen den Wind gefahren und haben einen Fahrer nach dem anderen verbrannt. Und Pogacar ist halt im Windschatten ganz gut mitgefahren. Bei Gegenwind bringt Tempoarbeit am Berg logischerweise nichts."

Zumal Richard Carapaz, der Gesamtvierte, die Vorarbeit seiner Mannschaft erneut nicht nutzen konnte. Seine Attacke am Col de Beixalis verpuffte ebenso, wie die Attacken des jungen Vingegaard. Danach hatte der Ecuadorianer sein Pulver verschossen.

Thomas: "Wir wollen das Rennen immer noch gewinnen."

Drei schwierige Tage in den Pyrenäen bleiben Pogacars Gegnern nun noch, um im besten Fall nicht nur Zeit gutzumachen, sondern einen Vorsprung herauszufahren. Denn am kommenden Samstag (17.07.2021) steht noch ein Zeitfahren an, bei dem - nimmt man den ersten Kampf gegen die Uhr zum Maßstab - der Slowene deutlich im Vorteil ist.

15. Etappe - die letzten drei Kilometer Sportschau 11.07.2021 03:29 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

"Wir wollen das Rennen immer noch gewinnen", sagte der Waliser Geraint Thomas, der für Ineos-Grenadiers ursprünglich um den Toursieg hatte mitfahren wollen, nach einem Sturz in der ersten Woche inzwischen aber aussichtslos zurückliegt.

Immerhin darf sich das Team in den verbleibenden Tourtagen auch auf die Unterstützung von Jumbo-Visma um den Dänen Vingegaard freuen. Die niederländische Mannschaft feierte in Andorra bereits den zweiten Etappensieg bei dieser Tour. "Damit können wir mehr als glücklich sein", sagte der Tagessieger Sepp Kuss. "Jetzt werden wir unseren Fokus ganz auf die Unterstützung für Jonas legen."

Doch die Gefahr ist groß, dass sich dabei nur ein Rennen um die Plätze entwickelt, das sich Pogacar in aller Ruhe aus der Nähe anschauen kann. "Fünf Minuten sind viel", musste auch Thomas zugeben. "Natürlich müssen wir da auch die anderen im Blick behalten."

Kein Wunder also, dass sich der Mann im Gelben Trikot mit den Worten "ich bin zuversichtlich" in den Ruhetag verabschiedete.

15. Etappe - die Siegerehrung Sportschau 11.07.2021 11:26 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Stand: 11.07.2021, 19:30

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