Tour de France - Cavendish egalisiert Rekord von Eddy Merckx

Der Brite Mark Cavendish jubelt nach seinem Sieg bei der 13. Etappe der Tour de France 2021

108. Frankreich-Rundfahrt

Tour de France - Cavendish egalisiert Rekord von Eddy Merckx

Sprint-König Mark Cavendish hat bei der Tour de France Geschichte geschrieben und den 46 Jahre alten Etappenrekord des Belgiers Eddy Merckx eingestellt. Der deutsche Radprofi Roger Kluge musste das Rennen verletzungsbedingt aufgeben

Mark Cavendish hat den Tour-Etappenrekord des großen Eddy Merckx eingestellt. Der britische Radstar gewann am Freitag (09.07.2021) den Massensprint der 13. Etappe in Carcassonne und feierte seinen 34. Tageserfolg bei der Frankreich-Rundfahrt. Der fünfmalige Tour-Sieger Merckx hatte diese Bestmarke zwischen 1969 und 1975 aufgestellt.

Cavendish: "Wir haben es geschafft"

Cavendish setzte sich nach 219,3 Kilometern vor seinem dänischen Teamkollegen Michael Mörköv und dem Belgier Jasper Philipsen (Alpecin-Fenix) durch. "Wir haben es geschafft", schrie Cavendish, als er in den Armen seiner Teamkollegen lag. Es war bereits der vierte Etappensieg bei der 108. Tour für "King Cav", alle Massensprints im stark dezimierten Sprinterfeld gingen bislang an den Routinier.

Als Führender der Punktewertung hat Cavendish zudem beste Chancen auf den Gewinn des Grünen Trikots. "Es ist Geschichte. Man kann sagen, dass Mark der beste Sprinter in der Geschichte des Radsports ist", sagte Teamkollege Mörköv.

13. Etappe - die letzten drei Kilometer Sportschau 09.07.2021 04:37 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

Merckx kann weiter ruhig schlafen

Der fünfmalige Tour-Gesamtsieger Merckx betrachtete die Einstellung seines Rekords nach exakt 46 Jahren und zwei Tagen schon vorab gelassen: "Es gibt kein Problem, wenn Cavendish meinen Rekord holt. Ich werde deshalb keinen Schlaf verlieren. Wenn er es schafft, gratuliere ich, denn es ist nicht einfach, 34 Sprints zu gewinnen", hatte er der "Gazzetta dello Sport" gesagt.

"King Cav": "Merckx bleibt der Größte aller Zeiten"

Merckx verwies dabei noch einmal dezent auf seine 96 Tage im Gelben Trikot, seine Titel und seine Vielseitigkeit, mit der er verschiedenste Etappen gewonnen hatte. Die offizielle Tour-Historie gibt sogar 111 Tage für Merckx im Gelben Trikot an. Sie beinhaltet allerdings auch Halbetappen, die es damals noch gab - deshalb werden heutzutage nur 96 Tage angerechnet. Cavendish blieb eh bescheiden und rüttelte nicht an Merckx' Denkmal: "Ich denke nicht, dass ich je auf einer Stufe mit Merckx sein werde. Er bleibt der Größte aller Zeiten."

13. Etappe - die Siegerehrung Sportschau 09.07.2021 11:56 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

Inspiration von Kindern steht vor Rekorden

Chancen auf den alleinigen Etappenrekord hat Cavendish auf der 19. Etappe sowie beim Tour-Finale auf den Champs-Élysées am 18. Juli. Was ihm aber viel wichtiger ist: "Es ist egal, ob es der erste, zehnte oder 34. Sieg ist. Wenn irgendeiner meiner Siege ein Kind inspirieren kann, mit Radsport zu beginnen, dann hat es was gebracht. Das ist das, was mir wichtig ist. Das bedeutet mir am allermeisten."

Pogacar verteidigt Gelbes Trikot

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden trägt Titelverteidiger Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) in die Pyrenäen. Der 22-jährige Slowene musste auf der zweitlängsten Tour-Etappe unweit der Mittelmeerküste vor allem Windkanten fürchten, blieb aber aufmerksam und erreichte das Ziel mit dem Hauptfeld. Bester Deutscher wurde André Greipel (Rostock/Israel Start-up Nation), der als Achter das Ziel erreichte.

13. Etappe - die Stimmen Sportschau 09.07.2021 04:01 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

Fahrer nutzen Seitenwinde

Nach einer hektischen Anfangsphase setzte sich eine Dreiergruppe ab, ein deutscher Fahrer war einen Tag nach dem Ausreißersieg des Kölners Nils Politt (Bora-hansgrohe) nicht vertreten. Die Aussicht auf einen Erfolg war praktisch nicht vorhanden. Cavendishs Quick-Step-Team kontrollierte den Vorsprung nach Belieben. Die Vorbereitung des geplanten Massensprints wurde für die belgische Top-Équipe im letzten Drittel allerdings deutlich erschwert. Die erwarteten Seitenwinde nutzten weitere Fahrer für Attacken, das Tempo in der Verfolgung wurde höher - und hatte teils schmerzhafte Folgen.

Massensturz: Kluge gibt auf

65 Kilometer vor dem Ziel löste ein Sturz eine Kettenreaktion aus, rund ein Dutzend Fahrer kam zu Fall, einige rutschten eine Böschung hinab. Auch der deutsche Radprofi Roger Kluge war betroffen, der 35-Jährige gab das Rennen verletzungsbedingt auf und musste zur Behandlung ins Krankenhaus von Narbonne.

Dabei wurden keine Knochenbrüche festgestellt, Kluge erlitt aber großflächige Hautabschürfungen am Rücken. "Olympia ist immer noch mein Ziel, aber die Wunden müssen erst einmal heilen. Es ist immer noch möglich, aber es ist noch Zeit", sagte er.

Den Sturz schilderte Kluge so: "Es war sehr hohe Geschwindigkeit und der Untergrund war lose. Ich bin eine ganze Weile auf Steinen gerutscht und dann sind andere Fahrer über mich gestürzt. Mein Helm ist gebrochen, mein Kopf zum Glück nicht. Ich habe nicht eine Sekunde ans Weiterfahren gedacht."

13. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 09.07.2021 05:57 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

In der Folge beruhigte sich das Renngeschehen, vereinzelte Fluchtversuche scheiterten, es kam zum erwarteten Massensprint. Wie zuletzt in Valence bereitete Quick-Step den Sprint mustergültig vor. Anfahrer Mörköv landete so sogar noch vor Cavendishs erstem Rivalen.

"Tour der Leiden" beginnt

Am Samstag (10.07.2021) beginnt für Cavendish und die weiteren Sprinter die "Tour der Leiden" in den Bergen. Die mehrtägige Kletterei in den Pyrenäen beginnt mit der 183,7 Kilometer langen 14. Etappe von Carcassonne nach Quillan. Fünf Bergwertungen sind bis zum Ziel zu meistern. Das Terrain bietet Ausreißern gute Erfolgsaussichten.

13. Etappe - die komplette Übertragung Sportschau 09.07.2021 05:16:37 Std. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

sid/dpa/red | Stand: 09.07.2021, 22:45

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