Buchmann beim Giro d'Italia - neue Rundfahrt, altes Ziel

Emanuel Buchmann bei der Tour de France 2020

Angriff auf das Podium

Buchmann beim Giro d'Italia - neue Rundfahrt, altes Ziel

Von Philipp Kappius

Das Radsport-Jahr 2020 wird Emanuel Buchmann nicht in guter Erinnerung bleiben: erst Top-Form und große Ziele, dann Sturz und dadurch eine verkorkste Tour de France. In diesem Jahr geht es jedoch nicht nach Frankreich. Buchmann fährt den Giro d’Italia und hat sich viel vorgenommen.

Wenn am Samstag (08.05.2021) in Turin der Giro d'Italia mit einem kurzen Zeitfahren losgeht, kommt es zu einer Premiere. Denn für Emanuel Buchmann, Deutschlands große Gesamtklassement-Hoffnung, ist es die erste Italien-Rundfahrt in seiner Karriere.

Sein Lieblingsrennen, die Tour de France, lässt er in diesem Jahr bekanntlich aus. Mit seinem Team habe er das bewusst entschieden, betont er im Sportschau.de-Interview.

Der Grund für die Frankreich-Abstinenz: viele Klassiker- und Flachetappen, wenig Bergankünfte. "Die [Tour] kommt mir einfach von der Strecke nicht so entgegen. Da haben wir gesagt, da probieren wir etwas Neues beim Giro aus", so Buchmann.

Platz auf dem Podium

Buchmann sei "ein bisschen nervös", wenn er an die neue Herausforderung denkt "oder mehr gespannt vor allem". Doch sein Ziel für die 104. Ausgabe der Italien-Schleife ist schon seit Wochen klar. Ein Platz auf dem Podium soll es werden.

Das sagt nicht nur er selber. Auch sein ehrgeiziger Teamchef Ralph Denk vom deutschen Rennstall Bora-hansgrohe hat dieses Ziel ausgerufen und noch in dieser Woche den Vertrag mit dem Oberschwaben bis 2024 verlängert.

Buchmann bleibt optimistisch

Auf die Frage, wer zu seinen größten Widersachern beim Kampf um eben jenes Podium zählt, verweist Buchmann auf Egan Bernal, Simon Yates, Remco Evenepoel und Mikel Landa. Es seien ein "paar Gute am Start", die man nicht unterschätzen dürfe. "Aber wir haben ein starkes Team, ich bin gut drauf. Es ist alles möglich", so Buchmann weiter.

Emanuel Buchmann: "Den Giro muss man auch mal gefahren sein, oder?" Sportschau 07.05.2021 00:20 Min. Verfügbar bis 07.05.2022 Das Erste

Einen Vorteil für sich sieht er vor allem bei der Streckenführung: "Es sind richtig viele Bergetappen. Ich denke, es gibt viele Möglichkeiten sich zu zeigen." Ein Auge hat er vor allem auf die Königsetappe in den Dolomiten geworfen: "Über 5.000 Höhenmeter. Das hat man bei der Tour fast nie, dass es solche Etappen gibt. Ich denke, dass sollte mir eigentlich entgegenkommen."

Gefühl gut, Werte gut, Selbstbewusstsein da

Dass Buchmann wieder gut drauf ist, liegt vor allem an der Entwicklung der vergangenen Wochen. Kurz vor dem Giro absolvierte der Ravensburger noch ein Höhentrainingslager in der südspanischen Sierra Nevada. Sowas helfe ihm immer extrem viel, sagt er.

Dazu kommt, dass sowohl sein Gefühl, als auch die Werte bei der Baskenland-Rundfahrt richtig gut gewesen seien. Ein Abfahrtsfehler auf der Schlussetappe Mitte April kostete ihn zwar eine Top-Ten Platzierung, trotzdem sei er da gut drauf gewesen.

Alles in allem wirkt Buchmann zufrieden mit seinen aktuellen Leistungen und dem Trainingslager: "Mit Blick auf den Giro sollte alles passen."

Emanuel Buchmann: "Das Podium ist auf jeden Fall unser Ziel" Sportschau 07.05.2021 00:19 Min. Verfügbar bis 07.05.2022 Das Erste

Selbstbewusst kommt das rüber, wenn er so über die Herausforderung in Italien spricht. Ein Umstand, der für ihn und sein Team umso schöner ist, wenn man bedenkt, wie lange ihn dieser eine schwere Sturz im vergangenen Jahr verfolgt hat.

Sturz mit wochenlangen Folgen

Rückblick: Es ist der 15. August 2020. Emanuel Buchmann liegt in Top-Form auf dem dritten Platz der Gesamtwertung bei der Dauphiné-Rundfahrt - die "Generalprobe" der Tour de France. Doch dann stürzt er in den Alpen schwer.

Das riesige Hämatom und die starken Prellungen kosten den Rundfahrer nicht nur die gute Endplatzierung beim Vorbereitungsrennen. Die Verletzung kostet ihn die gesamte weitere Saison.

"Mental nicht einfach"

Die Tour beendet Buchmann einige Wochen später auf Rang 38. Das Ganze habe ihn körperlich sehr beeinträchtigt. "Ich konnte bei der Tour als ich gestartet bin noch nicht mal richtig laufen, bin immer noch gehumpelt. Es haben einfach dann die 15-20 Watt gefehlt, die ich davor hatte".

Emanuel Buchmann bei der Tour de France

Emanuel Buchmann bei der Tour de France

Und nicht nur physisch war diese Zeit für ihn schwer. "Wenn man merkt, dass man deutlich besser drauf war und nicht mehr sein Niveau abrufen kann, ist das mental natürlich nicht einfach, wenn man dann noch zwei Wochen die Tour zu Ende fahren muss."

Im Herbst habe er vier Wochen erstmal gar nichts gemacht, um dann im November auskuriert und mit voller Motivation die Vorbereitung für 2021 zu beginnen, erzählt Buchmann weiter.

Das Jahr 2021 - Giro und dann?

Und das neue Jahr 2021 besteht für ihn nicht nur aus der Teilnahme am Giro. Denn auch ein weiterer Plan für den Sommer steht größtenteils fest. Mit Teamkollege Maximilian Schachmann möchte er, "wenn nichts dazwischenkommt", bei Olympia in Tokio antreten.

"Gerade, da es auch eine Strecke ist, die einem Bergfahrer entgegenkommt. Wer weiß, ob das überhaupt nochmal vorkommt in meiner Karriere. Da muss man die Chancen auch wahrnehmen", sagt Buchmann. Jetzt hat er aber erstmal die Chance auf so eine langersehnte Platzierung beim Giro d'Italia.

Stand: 07.05.2021, 10:38

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