Pferdesport in Aachen Springreiten beim CHIO: Deußer und sein Jäger

Stand: 29.06.2022 21:53 Uhr

Als Titelverteidiger steht Springreiter Daniel Deußer beim CHIO in Aachen im Fokus. Doch die Konkurrenz ist prominent - und motiviert.

Von Volker Schulte

Daniel Deußer taucht in Aachen in eine neue Welt ein. "Viele Interviews, viele Fragen über letztes Jahr", sagt der 40 Jahre alte Springreiter im WDR-Interview. Im September 2021 hat er sich einen Traum erfüllt: Sieger beim Großen Preis von Aachen:"Jeder würde gerne mal auf der Siegertafel stehen. Zurückzukommen, meinen Namen da zu sehen - das ist irgendwo auch Erleichterung, das einmal erreicht zu haben in meinem Leben. Aber auf der anderen Seite ist es auch ein bisschen mehr Druck."

Der Große Preis von Aachen ist Teil des 2013 eingeführten Grand Slams des Pferdesports. Aber selbst im dortigen illustren Kreis der Turniere in s'Hertogenbosch (Niederlande), Genf (Schweiz) und Spruce Meadows (Kanada) hat Aachen eine Sonderstellung. Die CHIO-Veranstalter vergleichen das gerne mit dem Status des traditionsreichen Turniers in Wimbledon im Tennissport.

Deußer mit Chance auf eine Million Euro

Deußer bekam nach seinem Triumph Anrufe von Legenden des Pferdesports. "Die 'alten Hasen', wie ich sie wohl nennen mag, die auch schon auf der Tafel stehen, beglückwünschen Dich natürlich und sagen: 'Jeder Reiter muss einmal den Großen Preis von Aachen gewonnen haben, anders ist man kein richtiger Reiter.' Von daher muss ich sagen: Ich bin sehr stolz und weiß es schon zu schätzen". sagte er.

Beim Grand Slam der Springreiter geht es um viel Geld. Weil Deußer zuletzt in s'Hertogenbosch gewonnen hat, könnte er mit einem Sieg im Großen Preis von Aachen am Sonntag (Livestream ab 14.25 Uhr, live im Ersten ab 15.30 Uhr) eine satte Prämie von 500.000 Euro einstreichen - zusätzlich zur halben Million Euro Preisgeld für den Sieger. Nach der jüngsten Preisgeld-Erhöhung, die im vergangenen Jahr zum ersten Mal zum Tragen gekommen war, legten die Veranstalter für 2022 noch einmal nach. Beim Großen Preis werden jetzt insgesamt 1,5 Millionen Euro ausgeschüttet.

Deußer setzt auf Killer Queen

Beim Vorhaben Titelverteidigung setzt Deußer auf sein bestes Pferd Killer Queen, mit dem er im vergangenen Jahr gewonnen hatte. "Heute Morgen beim Warm-up ohne Sprünge war sie doch sehr aufgeregt und sehr wild. Ich weiß nicht, ob sie sich daran erinnert hat, wie sie im vergangenen Jahr hier rausgaloppiert ist", sagte Deußer am Dienstag (28.06.2022).

Daniel Deußer vor der Siegertafel des Großen Preises von Aachen

Daniel Deußer vor der Siegertafel des Großen Preises von Aachen

Er setzte Killer Queen am Mittwoch beim kleineren "Preis des Handwerks" ein, ritt fehlerfrei, war als 13. aber gut zwölf Sekunden langsamer als der siegreiche Belgier Wilm Vermeir. "Ich schaue mal, wie sie sich anfühlt, ob sie schon ruhiger ist oder vielleicht noch ein zweites oder drittes Springen haben muss vor dem Großen Preis am Sonntag", hatte Deußer im Vorfeld gesagt: "So versuchen wir, ihre Form aufzubauen, damit sie am Sonntag konzentriert ist, wir auch wirklich ein Team zusammen sind und uns hundertprozentig verstehen."

Daniel Deußer: "Ein bisschen mehr Druck"

Sport live im Westen, 29.06.2022 20:15 Uhr

Martin Fuchs auf Platz eins der Weltrangliste

Das wird auch nötig sein, denn die Konkurrenz ist groß. Da ist zum Beispiel Martin Fuchs, die Nummer eins der Weltrangliste. Der 29 Jahre alte Schweizer hat als Sieger von Genf im Dezember 2021 ebenfalls die Chance auf einen Grand-Slam-Bonus. Wer zwei Grand Slams gewinnt, die nicht aufeinander folgen, aber innerhalb eines Zyklus' liegen, erhält 250.000 Euro.

Doch Fuchs weiß um die Schwere der Aufgabe. "Es gibt so viele gute Pferde und Reiter hier, in Aachen sind immer die Besten am Start. Ob Ben Maher, der Olympiasieger, mit Explosion, oder Teamkollege Steve Guerdat mit Venard - ich kann keinen Tipp abgeben, aber hoffe natürlich auf einen Schweizer Sieg", sagte er.

Martin Fuchs: Mit 29 Jahren Springreiter Nummer eins

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Prominente Reiterfamilie Fuchs

Fuchs stammt aus einer Reiterfamilie, auch seine Eltern Thomas und Renata waren Springreiter und sind Stallbesitzer. Sein Onkel Markus war einer der erfolgreichsten Schweizer Springreiter überhaupt. "Für mich war schon früh klar, dass ich reiten möchte", sagte Fuchs im WDR-Interview: "Schon als kleiner Junge war ich oft im Stall und habe mit den Pferden gekuschelt. Als ich sieben Jahre alt war, habe ich mit einem kleinen Pony angefangen zu reiten. Und von da an ging es eigentlich immer vorwärts."

Am Donnerstagabend unterstrich Fuch, dass er in Topform zum CHIO gekommen ist. Im "Preis von Europa" verpasste er auf Conner Jei den Titel nur um sieben Hundertstel, landete hinter dem Amerikaner McLain Ward (Contagious) auf Platz zwei. Deußer zeigte auf Bingo Ste Hermelle einen fehlerfreien ersten Durchgang und ging als Schnellster als Schlussreiter in den zweiten Umlauf. Nach einem Abwurf fiel er allerdings auf Platz acht zurück.

Deußer wohnt und arbeitet in Belgien

Auch Deußer ist familiär vorgeprägt, lernte im Stall seines Onkels nahe dem hessischen Limburg das Reiten. Für den ganz großen sportlichen Erfolg zog er aber vor zehn Jahren nach Belgien zum Stall "Stephex Stables" nahe Brüssel.

"Seitdem hatte ich super Erfolge, gute Pferde und auch ein super Verhältnis zu meinem Chef Stephan Conter", sagte Deußer: "All das hielt mich dort die letzten zehn Jahre. Und es könnte auch noch ein bisschen länger dauern."