Moritz Müller im Sportschau-Olympia-Countdown

Sportschau-Olympia-Podcast

Moritz Müller und "der Sprung ins kalte Wasser"

Stand: 20.01.2022, 12:00 Uhr

Julia Scharf und Philipp Nagel blicken im Podcast mit Eishockey-Nationalspieler Moritz Müller zurück auf den Olympia-Erfolg in Pyeongchang und nach vorne auf die Winterspiele in Peking.

Eishockey-Spieler Moritz Müller spielt seit 2004 für die Kölner Haie. 2018 hat der Nationalmannschafts-Kapitän mit dem Team in Pyeongchang sensationell Silber gewonnen. Die Reise nach Peking ist für ihn jetzt "so ein bisschen der Sprung ins kalte Wasser". Im "Olympia Countdown"-Podcast der Sportschau stand er Julia Scharf und Philipp Nagel Rede und Antwort.

Moritz Müller zur Silbermedaille von Pyeonchang:

Eine Zeit lang habe ich sie wirklich viel mit mir rumgetragen, um sie überall mal vorzuzeigen. Jeder wollte sie mal sehen. Jetzt ist sie schon sehr lange tatsächlich in einem Safe. Weil sie mir doch sehr viel Wert ist. Und ich habe die dort auch schon sehr lange nicht mehr herausgeholt. (...) Ich teile die mit jedem, der sie gerne mal anhätte.

Moritz Müller über das Eishockeyteam: "vom Entlein zum Schwan"

Sportschau-Olympia-Podcast 20.01.2022 32:26 Min. Verfügbar bis 02.01.2033 ARD


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... zur Reise ins Ungewisse:

Keiner von uns Eishockeyspielern kennt die Begebenheiten vor Ort. Uns wurde gesagt, dass sowohl Halle als auch Kabine auch wirklich auf dem besten Stand sind. Was das ganze Zwischenmenschliche und den Umgang mit uns Athleten anbelangt, haben wir jetzt keine Erfahrungswerte. Da müssen wir uns wirklich überraschen lassen. Das ist so ein bisschen der Sprung ins kalte Wasser.

Der Vorteil, den wir als Mannschaft haben, ist, dass wir wie eine Einheit schon anreisen. Egal, wie die Gegebenheiten sind, wir sind dann ja mit 30, 40 Mann, wenn man den Staff noch mit inkludiert, wirklich ne große Gruppe, die sich dann auch ganz gut miteinander beschäftigen kann.

... zur Verantwortung als Kapitän:

Das ist jetzt keine Aufgabe, die mir alleine zugetragen ist. Ich sehe jeden in der Pflicht, sich für den Nächsten verantwortlich zu fühlen, aber natürlich auch mich als Person. Ich sehe mich auch in der Funktion, eine gewisse Kultur mit aufzubauen dort vor Ort innerhalb des Teams. Da gehört natürlich auch dazu, die Jungs beisammen zu halten. Auch unter den schwierigsten Bedingungen. Jetzt mal Stichwort Corona oder mögliche Quarantäne.

Ehrlich gesagt kenne ich die Bestimmungen noch gar nicht so genau. Ich habe gelesen, dass einige Sachen noch gar nicht so klar sind. Ich glaub Dr. Thomas Bach hat gesagt, dass einige Sachen auch auf Druck des IOC wieder verbessert worden sind für die Athleten, was das Thema Quarantäneregelung für die Sportler betrifft. Und ja, ich fühle mich verantwortlich für die Jungs, wenn so ein Fall auftreten sollte, da zu sein und das bestmöglich zu tun.

... zu den Zielen:

Für mich steht tatsächlich das Sportliche im Vordergrund. Ich hoffe jetzt im ersten Schritt, dass die Olympischen Spiele so stattfinden, wie wir uns das alle vorstellen. Also das jetzt nichts mehr dazwischen kommt. Dann wünsche ich mir, dass die Mannschaft, so wie sie nominiert wird, coronafrei dort anreist.

... zu Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft:

Die Nationalmannschaft hat eine große Entwicklung durchgemacht. Ich würde sagen, seit 2016 sind wir so ein bisschen vom hässlichen Entlein, ich würde nicht sagen zum Schwan, aber vielleicht zu einem kleinen Schwan geworden. Wir waren ja mal Weltranglisten-14. und sind aktuell Fünfter.

Das kommt ja nicht von ungefähr. Das alles war ein bisschen eine Reise, ein Prozess, der 2016 begonnen wurde durch Marco Sturm, der damals Bundestrainer wurde und uns den Glauben an uns selber zurückgegeben hat. Denn der hat total gefehlt im deutschen Eishockey. (...)

Marco Sturm hat diese Strukturen erkannt und konnte das gar nicht nachvollziehen, warum wir mit so einem Rucksack rumlaufen. Den hat er uns dann irgendwann abgezogen. Dann sind für uns viele Dominosteine umgekippt, glücklicherweise in die richtige Richtung. Und dann sind wir am Ende jetzt Weltranglisten-Fünfter und haben bei der letzten WM unglücklich im Halbfinale verloren. Sonst hätten wir da auch eine Medaille gewonnen.

... zum Fehlen der NHL-Stars:

Ich sehe uns nicht zu Unrecht da oben. Natürlich muss man im Eishockey sagen, hängt viel davon ab, ob die NHL dabei ist oder nicht. Die war jetzt bei der WM dabei, aber bei den Olympischen Spielen wäre es halt schon die Crème de la Crème gewesen. Dann sind die Voraussetzungen natürlich noch ein bisschen andere.

Quelle: red

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