Kamila Walijewa

Olympia | Doping Dopingfall Walijewa - Morddrohungen gegen britischen Journalisten

Stand: 12.02.2022 12:29 Uhr

Der Dopingfall von Eiskunstläuferin Kamila Walijewa sorgt weiter für Missstimmung in Peking. Während das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Fall kleinreden will, berichten britische Journalisten von Morddrohungen und mehr.

Von Bernd Eberwein

Mark Adams, der Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), war wieder einmal bemüht, erst gar keine Dramastimmung aufkommen zu lassen. "Take a chill pill", empfahl er auf der täglichen IOC-Pressekonferenz in Peking den anwesenden Journalisten, die sich nach Updates und neuen Informationen sehnten.

"Schluckt eine Beruhigungspille." Die Krisenkommunikation des IOC nimmt kuriose Züge an. Denn aus dem Dopingfall entwickelt sich mehr und mehr ein Thriller mit unschönen, unter die Gürtellinie zielenden Begleiterscheinungen.

Die britischen Journalisten Duncan Mackay und Michael Pavitt vom Olympiaportal "Inside the Games" waren die ersten, die über den möglichen Dopingfall berichtet hatten. Umgehend schlug ihnen der geballte Hass der Walijewa-Unterstützer entgegen, ein Ende ist auch seit der offiziellen Bestätigung des Dopingfalls nicht in Sicht.

Morddrohung und Beschimpfungen

In den vergangenen Stunden eskalierte die Situation immer mehr. Waren es anfangs nur Beschimpfungen über vermeintliche "Lügen" der Journalisten, wurde es nun deftig. Pavitt bestätigte dem britischen "Guardian", dass sein Co-Autor Mackay Morddrohungen erhalten habe. Daneben sei er "erheblichen" Beschimpfungen ausgesetzt.

Auch andere MItglieder aus dem Inside-the-Games-Team seien im Medienzentrum angegangen worden, vor allem von russischen Journalisten. Immerhin: Auch IOC-Sprecher Adams kritisierte, dass die Walijewa-Diskussion in "Drohungen und Gewalt" ausarte.

Eine klare Verteidigung des Mackay/Pavitt-Teams vermied er aber: "Ich werde niemanden hervorheben. Die Gemüter sind im Moment aufgeheizt."

Walijewa-Entscheidung am Montag

Mackay selbst dankte am Samstag (12.02.22) via Twitter allen Unterstützern. "Alles ist gut", schrieb er da, sein Team und er sind weiter überzeugt, die beste Berichterstattung zu liefern, die möglich ist.

Trotz aller Drohungen will "Inside the Games" die Doping-Kontroverse weiter kritisch begleiten. Die Entscheidung, ob die unter Dopingverdacht stehende Walijewa suspendiert wird, fällt am kommenden Montag beim Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Auch Sportschau-Journalist Seppelt bedroht

Nach der Aufdeckung des russischen Doping-Skandals im Jahr 2014 war auch Sportschau-Doping-Experte Hajo Seppelt Zielscheibe russischer Bedrohungen und Einschüchterungsversuche.

"Ich kann mir gut vorstellen, was jetzt auf die britischen Kollegen einprasselt. Die Häufigkeit und Intensität der verbalen Attacken und dann auch noch häufig vermischt mit absurden Fake News war auch bei uns unvergleichlich, wenn wir zu Doping in Russland berichteten. In meinem Berufsleben hatte ich vorher nie so viel verbale Aggression gesehen", sagt Seppelt.