Nachdenklich: Ferraris Charles Leclerc beim Grand Prix von Barcelona

Motorsport | Formel 1 Formel 1: Leclerc - endlich mal ins Ziel beim Heimrennen?

Stand: 25.05.2022 09:00 Uhr

Die Rennen vor der eigenen Haustüre sind für den Monegassen Charles Leclerc bislang immer Frusterlebnisse gewesen. In bislang fünf Renneinsätzen in der Formel 1 und in der Formel 2 kam der 24-Jährige kein einziges Mal ins Ziel. Und kürzlich beschädigte er auf den Straßen seiner Heimatstadt zu all dem ein sündhaft teures Rennauto. Kann er nun das erste Mal jubeln?

Von Jo Herold

2018: In seinem ersten Formel-1-Jahr als frischgebackener Formel-2-Champion scheidet Charles Leclerc wegen eines Bremsendefekts und einer folgenden Kollision in seinem Sauber-Rennauto in Monaco aus. Auch 2019 crasht der gebürtige Monegasse, diesmal im Ferrari. Nico Hülkenberg ist der Unfallgegner.

2021 dann der vorläufige Tiefpunkt: In der Qualifikation zum schillerndsten Grand Prix des Rennkalenders kracht Leclerc in die Leitplanke. Ferrari repariert über Nacht, aber auf dem Weg in die Startaufstellung des Rennens am Sonntag bricht eine Antriebswelle, der Start ist unmöglich. Auch bei seinen zwei Formel-2-Starts 2017 sieht er die Zielflagge nicht - und wird trotzdem ungefährdet Meister.

Nächster Crash - mit teuren Folgen

Auch 2022 scheinen es die Renngötter nicht gut zu meinen mit Leclerc: Bei einem Showeinsatz mit historischen Autos Mitte Mai beschädigt Leclerc den legendären Formel-1-Ferrari von Niki Lauda aus dem Jahr 1975 erheblich: Beim Anbremsen in die "Rascasse", der letzten Kurve auf der Rennstrecke, bricht eine Bremsscheibe an dem etwa sechs Millionen Euro teuren Boliden, Leclerc kracht in die Leitplanke. Immerhin ist das Auto noch fahrtüchtig, der Pilot bleibt unverletzt.

Ferrari-Pilot Charels Leclerc fährt bei Historischen Grand Prix von Monaco den Ferrari von Nikki Lauda

2022: Endlich die erste Ankunft?

Nun der nächste Anlauf in einem Formel-Rennen - der sechste. Die Vorzeichen sind abermals nicht die allerbesten. Nach dem Ausscheiden beim vergangenen Rennen in Barcelona und dem Verlust der WM-Führung hackten die Zeitungen in Italien auf der Zuverlässigkeit des von der Scuderia bereitgestellten Rennwagens herum: "Albtraum Ferrari. Das Pech verfolgt die Scuderia und Leclerc in Spanien. Der Motor hat ihn verraten", schrieb die "Gazzetta dello Sport". Am Talent und der Reife Leclercs, der erste Weltmeister im roten Renner seit Kimi Räikkönen 2007 zu werden, zweifelt in der Motorsportszene niemand.

Auch die Konkurrenz könnte mitspielen - eigentlich: Der frühere Seriensieger Mercedes hat Probleme in den langsamen Kurven, für die der Stadtkurs von Monaco berüchtigt ist. Zudem ist der Ferrari des Jahres 2022 gegenüber dem Red Bull von Weltmeister Max Verstappen schneller. Also müsste es Charles Leclerc auf den Straßen, über die er früher "im Bus zur Schule fuhr", nur noch nach Hause bringen. Was so einfach klingt, ist aber offenbar ziemlich schwer ohne das wichtige Quäntchen Glück.