Hamilton und Verstappen: Messer zwischen den Zähnen

Max Verstappen (r.) und Lewis Hamilton

Formel 1

Hamilton und Verstappen: Messer zwischen den Zähnen

Das Generationenduell der Formel 1 zwischen Weltmeister Lewis Hamilton und Herausforderer Max Verstappen hat sich beim Rennen in Silverstone zugespitzt. Für die Rennserie könnte das nach Jahren der Langeweile ein Segen sein.

Bei Red Bull ließ man nach dem Formel-1-Rennen in Silverstone kaum ein mögliches Adjektiv aus, um Lewis Hamilton zu brandmarken. "Fahrlässig" und "rücksichtslos" sei der Mercedes-Pilot im Duell mit Max Verstappen gewesen, sagte Motorsportberater Helmut Marko. "Amateurhaft" und "inakzeptabel" habe er sich vor dem Unfall verhalten, sagte Teamchef Christian Horner. Und die Feierlichkeiten nach dem Rennen? "Respektlos und unsportlich", das schrieb Verstappen selbst am Abend bei Instagram, er hatte die Jubelszenen aus dem Krankenhaus verfolgt.

Was war passiert? Hamilton, der als Zweiter ins Rennen gegangen war, hatte den besseren Start hingelegt und schon in der ersten Runde in einer schnellen Kurve die Innenbahn erobert. Verstappen, der seine Pole Position nicht verlieren wollte, hielt dagegen. So kam es zum Zusammenstoß, Hamilton konnte das Rennen fortsetzen, fuhr am Ende den Sieg ein und meldete sich im Titelrennen zurück, Verstappen landete im Reifenstapel und schied aus.

Nach Crash: Hamilton gewinnt GP in Silverstone

Sportschau 18.07.2021 01:13 Min. Verfügbar bis 18.07.2022 ARD


Kopf-an-Kopf-Rennen

Es war ein hart geführter Rennunfall. Am Ende sahen die Stewards eine Schuld bei Hamilton, daher gab es für den Briten auch eine Zehn-Sekunden-Strafe. Krass sportwidriges Verhalten sahen sie aber nicht. Verstappen hätte die Kollision schließlich verhindern können, wenn er denn ausgewichen wäre.

Doch es ist gerade nicht die Zeit, um zurückzustecken. Verstappen, der nach dem England-Grand-Prix nur noch acht Punkte vor Hamilton liegt, wollte den Kontrahenten bei dessen "Heimspiel" unbedingt schlagen. Der wiederum wollte sich in Silverstone nicht erneut düpieren lassen.

Seit Wochen liefern sich beide ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Gesamtwertung. Dabei schenken sie sich wenig. Titelverteidiger Hamilton gewann vier Saisonrennen, Verstappen eines mehr. Irgendwann musste es wohl zu einem solchen Unfall kommen.

"Man braucht zwei für einen Tango"

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sieht die Schuld am Unfall deshalb auch nicht allein bei Hamilton. "Man braucht zwei für einen Tango", sagte er: "Wir sehen einfach zwei Fahrer, die mit dem Messer zwischen den Zähnen kämpfen." Da seien zwei Spitzenpiloten, "die um die Vorherrschaft kämpfen."

Und Hamilton erklärte zum Unfall: "Max ist sehr aggressiv, ich war auf einer Höhe mit ihm in der Situation, und er hat mir keinen Platz gelassen." Dass der Unfall auch schlimmer hätte enden können, nehmen die Protagonisten billigend in Kauf. In der Copse-Kurve, in der sich der Zusammenstoß ereignete, wird ein Tempo von etwa 290 km/h gefahren.

 Generationen-Duell zweier "Alphatiere"

Für die Formel 1 ist das ein höchst interessantes Generationen-Duell zweier "Alphatiere". Auf der einen Seite Hamilton, siebenmaliger Weltmeister, auf der anderen Seite Verstappen, der endlich für die Wachablösung sorgen und seinen ersten WM-Titel holen will.

Die Zuschauer dürfen sich nun auf weitere spektakuläre Duelle freuen. Für die Rennserie ist das nach Jahren der Langeweile ein Segen. Beinharte Rivalitäten zwischen den Stars sind schließlich das Salz in der Suppe und elektrisieren die Fans der Königsklasse des Motorsports.

Hoffnung auf Fairness

Der Zweikampf hat jedenfalls das Potenzial, an die großen Duelle der Vergangenheit heranzureichen - etwa zwischen Niki Lauda und Alain Prost oder Michael Schumacher und Damon Hill. Hamilton kennt sich damit schon aus. Er hat vor Jahren den teaminternen Machtkampf mit Nico Rosberg für sich entschieden.

In zwei Wochen werden sich Hamilton und Verstappen beim Großen Preis von Ungarn in Budapest erneut duellieren. Zu hoffen bleibt, dass es sportlich fair bleibt und sich die Gemüter wieder beruhigen. Dass Hamilton während und nach dem Rennen in Silverstone mehrfach in den sozialen Medien rassistisch beleidigt wurde, ist völlig inakzeptabel. Er selbst ging inzwischen auf Verstappen zu. "Ich sende meine besten Wünsche an Max, der ein unglaublicher Wettkämpfer ist. Ich bin froh zu hören, dass es ihm gut geht", schrieb der 36-Jährige.

dpa/sid | Stand: 19.07.2021, 10:25

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