Hockey - das Ende einer Kaugummi-Saison

Hamburgs Carlotta Sippel (l.) und Juliane Grashoff (r.) im Duell mit Mannheims Julia Meffer

Deutsche Feldhockey-Meisterschaft 

Hockey - das Ende einer Kaugummi-Saison

Von Jan Wochner

Am Wochenende greifen Deutschlands beste Feldhockeyteams in Mannheim zum Schläger. Bei den deutschen Meisterschaften der Frauen und Manner endet die wohl längste Saison der Verbandsgeschichte. Aus der Hockeyhauptstadt Hamburg hat es nur ein Team nach Mannheim geschafft.

"Ich bin froh, wenn diese Saison endlich zu Ende gebracht haben und wir einen Haken drunter setzen können", sagt Nationalspielerin Viktoria Huse. Die Abwehrspielerin vom Club an der Alster drückt ein Gefühl aus, das viele Hockeyspielerinnen und -spieler in Deutschland eint. Zu lange dauert die laufende Bundesligasaison schon, zieht sich coronabedingt wie ein Kaugummi. Die ersten Spiele wurden im September 2019 absolviert.

An diesem Wochenende werden auf der Anlage des Mannheimer HC nun endlich die Titelträger bei den Frauen und Männern ausgespielt. Jeweils vier Mannschaften haben sich für das Final Four qualifiziert. Auffällig: Aus der selbsternannten Hockeyhauptstadt Hamburg hat es nur ein Team nach Mannheim geschafft. Der Club an der Alster versucht bei den Frauen, den Titel zu verteidigen.

Ist Hamburg noch Deutschlands Hockeyhochburg?

Anders als in den Vorjahren fehlen aber Teams vom UHC oder HTHC. Hamburg bleibt diesmal vor allem die Zuschauerrolle. Dagegen ist Gastgeber Mannheimer HC mit Frauen und Männern gleich zweifach vertreten. Die meisten Mannschaften kommen aber aus Nordrhein-Westfalen. Vier der acht Teams reisen aus Westdeutschland an, darunter auch der Titelverteidiger und Rekordmeister bei den Männern, Uhlenhorst Mülheim. Rot-Weiß Köln ist ebenfalls mit Frauen und Männern im Rennen.

Von einer neuen Kräfteverteilung innerhalb von Deutschland will Kölns Männertrainer André Henning nichts wissen. "Viele Hamburger Mannschaften sind erst im Viertelfinale gescheitert. Und unter den Halbfinalisten ist für mich kein Überraschungskandidat dabei", stellte Henning fest. "Mein Eindruck ist deshalb nicht, dass sich die Kräfte in Deutschland entscheidend verschoben haben."

Neuauflagen der vergangenen Finalspiele bei Damen und Herren

Zumal die Hamburger Frauen vom Club an der Alster als Favoritinnen auf den Titelgewinn zählen dürften. "Dass wir das einzige Hamburger Team vor Ort sein werden, ist für uns eher eine zusätzliche Motivation", meint auch Alster-Coach Jens George. "Wir versuchen die Hockeyhochburg Hamburg gut aussehen zu lassen." Im Halbfinale wartet allerdings ein Brocken auf Georges Mannschaft. Im Duell mit der punktbesten Vorrundenmannschaft Düsseldorfer HC kommt es zu einer Neuauflage des vergangenen Finales.

So eine Neuauflage wird es auch bei den Männern zu sehen geben, wenn der Titelträger der beiden vergangenen Endrunden aus Mülheim auf Gastgeber Mannheimer HC treffen wird. Drei Titelgewinne in Serie schaffte Rekordmeister Uhlenhorst zuletzt in den 80er-Jahren. "Wir wollen unsere Serie gerne fortsetzen, so wie das unserem Klub damals auch gelungen ist", erklärt Trainer Thilo Stralkowski, der 2018 noch als Spieler deutscher Meister mit Mülheim geworden war. 

Gastgeber Mannheimer HC sieht keinen Heimvorteil

Der gastgebende Mannheimer HC rechnet sich sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gute Chancen auf einen Meistertitel aus. "Von einem Heimvorteil kann aber nicht die Rede sein", sagt Nationalspielerin Sonja Zimmermann mit Blick auf fehlende Zuschauer und die extrem hohen Hygieneauflagen. Ihr männlicher Vereinskollege Linus Müller fügt aber mit einem Grinsen hinzu: "Wir haben coronabedingt so lange kein Event wie dieses mehr gespielt. Ich habe jetzt einfach nur Bock auf dieses Wochenende."

Stand: 06.05.2021, 08:00

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