Olympia-Ticket: Welcher Golfer darf mit Kaymer nach Tokio?

MArtin Kaymer bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro

Zweikampf um deutschen Startplatz

Olympia-Ticket: Welcher Golfer darf mit Kaymer nach Tokio?

Von Jan Wochner

Zwei Profi-Golfer werden die deutschen Farben bei den Olympischen Spielen im Sommer vertreten dürfen. Der zweifache Major-Sieger Martin Kaymer hat sein Ticket für Tokio schon fast sicher. Dahinter zeichnet sich ein spannender Zweikampf um den zweiten deutschen Startplatz ab. 

Seinen Sommer hat Profi-Golfer Max Kieffer ganz bewusst noch nicht geplant. Es gibt einfach zu viele Unwägbarkeiten in diesem von Corona geprägten Jahr.

Gut möglich, dass sich Kieffer schon bald eine Reise nach Tokio im Kalender notieren darf. Der Düsseldorfer hat gute Chancen, sich für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen zu qualifizieren. "Ganz ehrlich, daran habe ich Anfang des Jahres noch gar keinen Gedanken verschwendet. Da war das mit Blick auf die Weltrangliste auch kein realistisches Szenario für mich", sagt der 30-Jährige.

Zu Jahresbeginn drohte er noch fast aus den Top 500 zu fallen. Mit zwei starken zweiten Plätzen auf der European Tour hat er sich allerdings bis auf Platz 189 der Weltrangliste vorgeschoben. Und plötzlich scheint für Kieffer die Qualifikation für Tokio möglich.

Kaymer hat in der Weltrangliste Vorsprung 

Zwei deutsche Golfer werden Deutschland beim olympischen Golfturnier in Japan vertreten. Der zweifache Major-Sieger Kaymer ist nach wie vor Deutschlands erfolgreichster Golfspieler. Als 87. der Weltrangliste dürfte er seinen Startplatz so gut wie sicher haben.

Kaymer zu Olympia-Start: "Eine Medaille wäre Wahnsinn" Sportschau 01.04.2021 00:41 Min. Verfügbar bis 01.04.2022 Das Erste

Dahinter allerdings ist ein Zweikampf um das zweite Ticket entbrannt. Denn Kieffer macht nun ordentlich Druck auf Stephan Jäger, der als 158. der Rangliste noch die Nase vorn hat. "Das wird ein enges Rennen, und es ist schwer zu sagen, wer am Ende die Nase vorn haben wird. Denn wir sind beide gut in Form", meint Kieffer. 

Stephan Jäger schlägt in den USA ab, Kieffer in Europa

Jäger geht das Duell entspannt an: "Die Spiele in Tokio sind nicht meine erste Priorität. Ich mache mir null Druck, weil das Turnier dort für mich quasi ein Bonus wäre. Es wäre super, aber ich wäre auch nicht supertraurig, wenn es nicht klappt." Anders als Kieffer spielt der 31-jährige Jäger nicht in Europa, sondern in den USA.

Stephan Jäger beim Abschlag am Texas Ranger Golf Club

Stephan Jäger beim Abschlag am Texas Ranger Golf Club

Das Duell um den zweiten deutschen Startplatz findet also rund um den Globus statt. Den Münchner Stephan Jäger zog es schon in seiner Jugend in die Staaten, dort studierte er und trieb seine Golfkarriere voran. Sechs Turniersiege hat der Bayer schon eingefahren, für die laufende Saison hat er sogar eine dauerhafte Startberechtigung für die lukrative PGA-Tour

Direktes Aufeinandertreffen im Juni in München

Max Kieffer dagegen schlägt auf der European Tour ab und überzeugte zuletzt mit starken Auftritten, verpasste in Österreich und auf Gran Canaria seinen ersten Turniersieg jeweils nur knapp. Konkurrent Jäger kennt er noch aus der Jugend, in der beide häufiger gegeneinander spielten. "Wir haben uns immer gut verstanden", sagt Kieffer. 

Ob es noch zu einem direkten Duell der beiden Deutschen kommen wird, hängt davon ab, ob sich Kieffer in den nächsten Wochen noch für eins der großen Major-Turniere vor dem olympischen Turnier qualifizieren kann. Sicher aufeinandertreffen werden Jäger und Kieffer dann im Golfclub München Eichenried in der letzten Juniwoche. 

Max Kieffer schlägt den Golfball auf Teneriffa

Max Kieffer schlägt den Golfball auf Teneriffa

Entscheidung fällt vor den International Open in Eichenried

Wenige Tage vorher (21. Juni) aber wird schon feststehen, wer das zweite deutsche Olympiaticket bekommt. Die zwei in der Weltrangliste am höchsten positionierten deutschen Golfer werden nominiert. Die International Open in München zählen nicht mehr für die Wertung.

"Ich freue mich auf den Sommer, auf das Turnier in meinem Heimatklub und die Zeit mit meiner Familie", sagt Jäger, der für die Open aus den USA anreisen wird. "Schade eigentlich, dass wir in München nicht den Startplatz im direkten Duell ausspielen können", meint Kieffer grinsend. 

Ganz gleich, wer von beiden es schaffen wird. Der Ärger über das Verpassen der Spiele dürfte sich für den Unterlegenen aber in Grenzen halten. "Wir sind im Golfsport beide noch nicht die Ältesten. Und in drei Jahren bekommen wir schon wieder eine Chance, uns zu qualifizieren", sagt Max Kieffer. Das Rennen für Tokio geht jetzt in die heiße Phase.

Stand: 06.05.2021, 11:30

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