Wales-Trainer Rob Page - rauer Kerl mit viel Gefühl

Rob Page mit Wales auf Erfolgskurs

EURO 2020

Wales-Trainer Rob Page - rauer Kerl mit viel Gefühl

Von Jens Mickler

Rob Page ist als Coach von Wales nur eine Zwischenlösung - aber eine sehr erfolgreiche. Nach überstandener Vorrunde träumen Trainer und Team nun vom nächsten Coup - mit viel Herz und großem Zusammenhalt.

Rob Page hebt sich während dieser Europameisterschaft schon rein optisch von seinen Trainerkollegen ab. Während beispielsweise Roberto Mancini im schicken hellgrauen Sakko mit Krawatte coacht oder Joachim Löw im sportiven dunkelblauen Hemd mit den beiden oberen Knöpfen offen, steht Page an der Seitenlinie wie ein gewöhnlicher Bezirksliga-Trainer: schwarze Sporthose, schwarzes T-Shirt mit dem walisischen Wappen auf der Brust - very simple also. Dazu hat sich Page auch noch den linken Unterarm tätowiert, er könnte optisch zweifellos auch als Hafenarbeiter in Cardiff durchgehen.

"Widerstandsfähig und zäh"

Rob Page und Roberto Mancini, Nationaltrainer Italiens

Rob Page und Roberto Mancini, Nationaltrainer Italiens

Rob Page hat anderes zu tun. Er betreut die Nationalmannschaft von Wales und das bislang sehr erfolgreich bei diesem Turnier. Als Gruppenzweiter vor der Schweiz und der Türkei hat Page mit seiner Mannschaft die Gruppe A abgeschlossen. Wales nimmt erst zum zweiten Mal nach 2016 an einer EM teil, zum zweiten Mal erreichte das kleine Land mit dem etwa gleichen Flächenmaß wie Hessen und einer Gesamt-Einwohnerzahl, die unter der von Berlin liegt, die K.o.-Runde.

"Wir haben unsere Widerstandsfähigkeit gezeigt. Wir sind zäh. Beim Konter haben wir die besten Spieler Europas", sagte Page nach dieser Vorrunde über die Stärken seines Teams, das in allen drei Spielen überzeugte und gegen die Türkei einen 2:0-Sieg feierte, der auch viel höher hätte ausfallen können.

Türkei gegen Wales - die Zusammenfassung Sportschau 16.06.2021 03:11 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Als Spieler in allen englischen Ligen

Rob Page ist nicht der große Taktiker, er kommt über das Gefühl. "Mein Herz überstimmt manchmal meinen Kopf", sagt der 46-Jährige über sich selbst. Page stammt aus dem südwalisischen 2.200-Seelen-Dorf Llwynypia unweit von Cardiff - eine raue Region, bekannt für ihre Kohleminen. Dazu passt, dass Page als Spieler ein harter Verteidiger war.

Er spielte 41-mal für die Nationalmannschaft und in allen vier englischen Top-Ligen, unter anderem bei Sheffield United, dem FC Watford und Coventy City. Später machte sich Rob Page vor allem als Nachwuchstrainer im walisischen Verband einen Namen.

Rob Page freut sich mit seinem Team

Rob Page freut sich mit seinem Team

Mit der A-Nationalmannschaft der "Dragons" hat es der Coach vor allem geschafft, aus dem Team einen verschworenen Haufen zu machen. Dabei hatte Robert Page ja nur deshalb das Amt von Cheftrainer Ryan Giggs übernommen, weil dieser sich wegen des Vorwurfs häuslicher Gewalt gegen zwei Frauen vor Gericht verantworten muss.

Page über Giggs: "Er ist ein Freund"

"Er ist ein Freund", sagt Page über Giggs, "vergesst das alles mit Cheftrainer und Assistent, mit Interimstrainer. Er ist ein Freund. Wie jeder andere, der uns von zu Hause zusieht, ist er auch ein Fan."

Auch für den Freund würde Rob Page alles geben, dass seine Waliser an die gute Vorrunde anknüpfen und auch gegen die Dänen für eine Überraschung sorgen. Von der individuellen Klasse her werden Pages "Drachen" den Nordmännern unterlegen sein, aber sie werden viel Herz und einen großen Zusammenhalt reinwerfen. Da muss man erst einmal etwas entgegensetzen.

mit sid | Stand: 25.06.2021, 12:00

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