Fußball | Auszeichnungen

"Ballon d'Or" und "The Best" - die verwirrende Welt der Fußballpreise

Von Chaled Nahar

Mit dem Ballon d'Or werden der weltbeste Fußballer und die weltbeste Fußballerin geehrt. Die FIFA aber vergibt ihre eigenen Preise - welcher Preis die größere Bedeutung hat, bleibt unklar.

Ballon d'Or oder die FIFA-Auszeichnung "The Best"? Die Preise haben eine unterschiedliche wie gemeinsame Geschichte, die einigermaßen verwirrend ist. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden zudem unterschiedlich bestimmt und am Ende bleibt eine wichtige Frage unklar: Wer ist denn nun der oder die Beste?

1956 - 2006: Ballon d'Or nur in Europa

Der Chefredakteur der französischen Fußball-Zeitschrift "France Football", Gabriel Hanot, rief den Preis 1956 erstmals aus, der Engländer Stan Matthews, damals beim FC Blackpool, gewann ihn. Fünf Jahrzehnte lang wurde dabei "Europas Fußballer des Jahres" bestimmt, der aus Europa stammen und in Europa spielen musste. Erst ab 1995 durften auch Nicht-Europäer gewählt werden, die aber bei europäischen Klubs spielen mussten.

1991 - 2006: Der Weltfußballer der FIFA

Eine weltweite Wahl startete die FIFA 1991, die erste Auflage war die einzige, bei der mit Lothar Matthäus ein deutscher Spieler gewann.

2007 - 2009: FIFA und Ballon d'Or in Konkurrenz

Die Koexistenz von Welt- und Europapreis geriet 2007 ins Wanken. Der Ballon d'Or öffnete sich für alle Spieler aller Klubs der Welt, es gab drei Jahre lang zwei Auszeichnungen. Immerhin gewannen mit Kaká, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi jeweils dieselben Spieler.

2010 - 2015: Heirat zum FIFA Ballon d'Or

Beide Veranstalter rauften sich schließlich zusammen und vergaben einen gemeinsamen Preis mit dem logischen Namen FIFA Ballon d'Or. Die Vernunft schien gesiegt zu haben, doch nach wenigen Jahren trennten sich der Verlag der französischen Fußballzeitschrift und die FIFA wieder.

2016 bis heute: "The Best" und Ballon d'Or

Seitdem gibt es wieder zwei Preise. 2016, 2017 (beide Cristiano Ronaldo), 2018 (Luka Modric) und 2019 (Lionel Messi) gewannen jeweils dieselben Spieler. 2020 wurde der Ballon d'Or wegen der Pandemie nicht vergeben, der Preis der FIFA ging an Robert Lewandowski, 2021 gewann wieder Messi.

2011 bis heute: Europa-Wahl durch die UEFA

Um die Verwirrung komplett zu machen, vergibt die UEFA seit 2011 auch noch einen Titel an Europas besten Fußballer, der 2021 an den italienischen Spieler Jorginho vom FC Chelsea ging.

Frauen: FIFA und Ballon d'Or seit 2018 in Konkurrenz

Erst seit 2018 wird der "Ballon d'Or Féminin" für Frauen vergeben. Den Start kann man gelinde gesagt als holprig bezeichnen. Der Moderator Martin Solveig, ein französischer DJ, forderte die Preisträgerin Ada Hegerberg aus Norwegen in respektloser wie sexistischer Art auf, zu "twerken" (sinngemäß: mit dem Hintern zu wackeln). Megan Rapinoe gewann den Preis 2019, wegen der Pandemie wurde er 2020 nicht vergeben.

Bei der FIFA, die seit 2001 die weltbeste Spielerin kürt, gewann die Engländerin Lucy Bronze 2020 den Preis, 2019 war es auch hier Rapinoe. Im vergangenen Jahr wurde die Spanierin Alexia Putellas ausgezeichnet.

Welcher Preis ist nun was wert?

Cristiano Ronaldo in Madrid und fünf Mal der Ballon d'Or | Bildquelle: Imago Sportfotodienst

Abgesehen vom Namen unterscheiden sich die Preise bei der Stimmabgabe. Bei der FIFA bestimmen zu je einem Viertel die Nationaltrainerinnen und Nationaltrainer, die Kapitäninnen und Kapitäne der Nationalmannschaften, Journalistinnen und Journalisten sowie Fans in einer Online-Abstimmung die Gewinnerinnen und Gewinner. Beim Ballon d'Or sitzen in der Jury ausschließlich Menschen aus den Medien.

Fans und Spieler interessiert wohl jedoch höchstens das Ergebnis. Als etwas prestigeträchtiger gilt wohl aufgrund seines klangvollen Namens der Ballon d'Or - noch. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi gewannen die meisten Preise in den vergangenen Jahren und posierten gerne mit dem Ballon d'Or.

Doch wie das in der Zukunft angesichts der Dopplung des eigentlich gleichen Termins sein wird, bleibt offen. Genau wie die Frage, wer denn nun der oder die Beste ist, wenn es doch zwei Preise gibt.

Zwei Preise zeitweilig auch in Deutschland

Der Fuxx, hier der Preis für Trainer | Bildquelle: Imago Sportfotodienst

Auch in Deutschland gab es einst zwei Preise. Deutschlands "Fußballer des Jahres" wird seit 1960 von Sportjournalistinnen und Sportjournalisten gekürt. Die Redaktion der SAT.1-Fußballsendung "ran" vergab einige Jahre lang aber auch den "Fuxx", einen Titel für den besten Spieler der Saison, in der Form eines goldenen X. Und der hatte im Jahr 2000 seine große Stunde.

Nachdem Bayer Leverkusen in Unterhaching durch Michael Ballacks legendäres Eigentor den Titel noch verspielt hatte, gab es eine für die Bayern selten spontane Meisterfeier. Den Fuxx bekam Leverkusens Emerson, was der ebenfalls nominierte Bayern-Kapitän Stefan Effenberg in einer Schalte so kommentierte: "Wir haben den Pokal, wir haben die Meisterschaft, das ist viel mehr wert als dieses scheiß X da."