Reform des Jugendfußballs: Weniger Druck, bessere Einzelspieler

U19-Bundesligaspiel Wuppertaler SV - FC Schalke 04

Strategiepapier von DFB und DFL

Reform des Jugendfußballs: Weniger Druck, bessere Einzelspieler

Von Marcus Bark

DFL und DFB haben weitreichende Reformpläne für den Jugendfußball. Wichtigster Gedanke eines vertraulichen Konzepts: weniger Ergebnisse, bessere individuelle Förderung und Forderung. Die Junioren-Bundesligen werden daher wohl abgeschafft werden.

Seit Jahren gibt es Mahnungen. Bundestrainer Joachim Löw etwa klagte schon während der EM 2016, dass in der Ausbildung zu viel Wert auf das Passspiel gelegt worden sei. Zu wenige deutsche Spieler seien daher stark im Dribbling. "Wir sind sowas von abgeschlagen", klagte U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz in einem Podcast von "kicker" und "Dazn".

Joti Chatzialexiou, sportlicher Leiter der Nationalmannschaften beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), sagte zur Sportschau: "Uns fehlen seit ein paar Jahren im Vergleich zur Konkurrenz die überragenden Einzelspieler."

Die Probleme sind also längst erkannt, an Reformen wurde intensiv gearbeitet. Das vertrauliche "Grobkonzept" zum "Projekt Zukunft" für den Bereich "Spitzenfußball männlich" wurde Ende Oktober 2020 an die Leistungszentren deutscher Vereine verschickt. Das Konzept, das zusammen von DFB und Deutscher Fußball Liga (DFL) erarbeitet worden war und nach Rückmeldung der Klubs überarbeitet werden soll, liegt der Sportschau vor.

Äußerst ambitionierte Ziele

Die darin geäußerten Ziele sind vor allem für die A-Nationalmannschaft sehr ambitioniert: Bei jeder EM und WM soll "mindestens" das Halbfinale erreicht werden, ein Mal pro Jahrzehnt soll die Eliteauswahl des DFB ein großes Turnier gewinnen.

Weniger Spiele, dafür höhere Anforderungen

Grundgedanke des Konzeptes ist es, die Spieler individuell und altersgerecht besser zu fördern. So sollen die Jugendspieler künftig weniger spielen, dafür in den anstehenden Spielen mehr gefordert werden. Die Junioren-Bundesligen bei U17 und U19 in der bisherigen Form sollen daher abgeschafft werden. Derzeit sind diese Ligen in drei Staffeln mit 14 Mannschaften geteilt, die jeweiligen Meister und ein Zweitplatzierter spielen einen deutschen Meister aus.

Die Reformpläne sehen vor, dass neue Wettbewerbe eingeführt werden, die in der Saison zuvor auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Demnach soll der Druck reduziert werden, gute Ergebnisse erzielen zu müssen. Auf einen Abstieg wird deshalb verzichtet. Die 56 Mannschaften der Profiklubs aus Bundesliga, 2. und 3. Liga hätten dadurch "Planungssicherheit". Kleinere Klubs sollen in den verschiedenen Modellen für die verschiedenen Jahrgänge aber auch weiter die Möglichkeit erhalten, ihre Kräfte mit den "Großen" zu messen.

Für das erste Quartal 2021 ist angedacht, in den fünf Regional- und 21 Landesverbänden die Pläne vorzustellen. Bei diesen "Roadshows" werden Vertreter von Profiklubs in der Minderheit sein.

"Entwicklungsspiele" und "Entwicklungsturniere"

"Entwicklungsspiele" und "Entwicklungsturniere" heißen im Grobkonzept die neuen Formen bis zur U17. Bei der U19 sollen vor dem Übergang in den Seniorenbereich die Anforderungen steigen. Hier ist eine Leistungszentrums-Liga angedacht, kombiniert mit einer Ausweitung des DFB-Pokals. Grundgedanke: Borussia Dortmund und der 1. FC Köln sollen früher und häufiger auf die TSG Hoffenheim und den VfB Stuttgart treffen.

Verbesserte Trainerausbildung und Datenerhebung

Die Planungen stehen aber sämtlich unter dem Vorbehalt einer Zustimmung der Gremien. Laut des 91 Seiten starken Konzepts mit Stand vom 27. Oktober wird sich das Präsidium des DFB vermutlich am Freitag (04.12.2020) mit den Reformplänen beschäftigen, die noch weitere Felder wie eine verbesserte Trainerausbildung und Datenerhebung auch im Jugendbereich vorsehen.

Stand: 01.12.2020, 12:30

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