Der WM-Pokal

FIFA WM 2026 - Viele Fragen vor dem nächsten Turnier

Stand: 18.12.2022 21:50 Uhr

Bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko werden erstmals 48 Teams mitspielen. Die Verteilung der Teilnehmerplätze steht fest, aber der Modus wird noch diskutiert. Ein großes Thema werden die Reisen.

Von Chaled Nahar

Wie werden die 16 zusätzlichen Plätze auf die Kontinente verteilt?

Aus Europa sind drei weitere Teams dabei, Asien hat dann doppelt so viele Teilnehmer wie bisher, auch andere Konföderationen steigern sich deutlich. Ozeanien musste zuletzt immer durch die interkontinentalen Playoffs, soll nun aber einen festen Platz bekommen.

Plätze WM-Teilnehmer
Konföderation 2022 2026
Afrika 5 9
Asien 4 8
Europa 13 16
CONCACAF 3 6
Ozeanien 0 1
Südamerika 4 6
Gastgeber 1 ?
Interkontinentale Playoffs 2 2
Summe 32 48

Sind alle drei Gastgeber automatisch qualifiziert?

Erstmals wird die WM in drei Ländern ausgetragen. Dass die USA, Mexiko und Kanada automatisch dabei sind, ist nicht sicher. Die FIFA teilte mit, dass der FIFA-Rat darüber noch entscheide. Sollten alle drei automatisch qualifiziert sein, würden diese von der Gesamtzahl der Plätze abgezogen, die der Konföderation für Nordamerika, Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF) zustehen.

Zum ersten Mal spielen 48 Teams mit - wie soll das ablaufen?

Die FIFA wollte insgesamt mehr Spiele haben, um mehr Geld zu verdienen, aber ohne die Anzahl der Spiele pro Team und damit die Belastung der Spieler zu erhöhen. Der FIFA-Rat beschloss deshalb, dass es bei der WM 2026 16 Gruppen mit je drei Mannschaften geben soll, in denen jeweils der Gruppenerste und der Gruppenzweite in ein Sechzehntelfinale einziehen. Die Idee wurde jedoch kritisiert, weil in diesem Format deutlich leichter als bisher absprachefähige letzte Spiele zustande kommen können.

FIFA-Präsident Gianni Infantino mit dem WM-Pokal

FIFA-Präsident Gianni Infantino mit dem WM-Pokal

Deshalb könnte das Format nochmal überarbeitet werden. "Wir müssen das noch einmal aufgreifen oder zumindest neu diskutieren, ob wir 16 Dreiergruppen machen oder 12 Vierergruppen, das ist sicherlich etwas, was bei den nächsten Meetings auf der Agenda stehen wird", sagte Infantino während seiner Abschlusspressekonferenz.

Hauptproblem: Dann wären es unter Annahme der geplanten weiteren K.o.-Runde 104 Spiele statt der zunächst geplanten 80 und der aktuellen 64 Partien. Jedes Team hätte bis zu acht Spiele, das Turnier würde zudem zwangsläufig länger dauern. Davon müsste man aber erst Klubs und Spielergewerkschaften überzeugen.

Welche Städte hat die FIFA ausgewählt?

Das Turnier wird in 16 Stadien stattfinden. Die Spielorte sind:

  • USA: Atlanta, Boston, Dallas, Houston, Kansas City, Los Angeles, Miami, New York/New Jersey, Philadelphia, San Francisco Bay Area, Seattle
  • Mexiko: Guadalajara, Mexiko City, Monterrey
  • Kanada: Toronto, Vancouver
Die WM wird in 16 Städten in den USA, Mexiko und Kanada gespielt.

Die WM wird in 16 Städten in den USA, Mexiko und Kanada gespielt.

Warum sind nur zwei kanadische Städte dabei?

Sportpolitisch tat sich eine Menge in Kanada: Die Regionalregierung in der kanadischen Provinz Quebec lehnte eine finanzielle Unterstützung für eine Bewerbung der Stadt Montreal ab, die Stadt zog sich aus dem Prozess zurück. Auch Vancouver hatte sich zwischenzeitlich zurückgezogen, Edmonton war damit neben Toronto lange eine von nur zwei Bewerberstädten aus Kanada.

Dann aber kehrte Vancouver im April 2022 kurzfristig ins Rennen zurück, nach kanadischen Medienberichten auch auf Drängen des kanadischen FIFA-Vizepräsidenten Victor Montagliani, der zugleich Präsident der nord- und mittelamerikanischen Konföderation CONCACAF ist, vergleichbar mit der UEFA. Edmonton soll zudem eine Mindestzahl an Spielen gefordert haben. Solche Forderungen und die Tatsache, dass das Commonwealth Stadium spektakulär, aber eher veraltet ist, dürften für die FIFA die Entscheidung mit beeinflusst haben.

Von der FIFA verschmäht: Das Commonwealth Stadium in Edmonton

Von der FIFA verschmäht: Das Commonwealth Stadium in Edmonton

Neben Edmonton in Kanada wurden die Bewerberstädte Cincinnati, Denver, Washington/Baltimore, Nashville und Orlando in den USA gestrichen. Aus Mexiko kamen alle drei Bewerber zum Zuge.

Wo findet das Endspiel statt?

Das ist noch nicht entschieden. New York und New Jersey meldeten offensiv Ansprüche auf das Finale an. Der Gouverneur von New Jersey sagte laut "New York Times": "Wir haben alles, was die FIFA in einem Stadion haben möchte, und deshalb gehen wir das an."

Die größte Tradition bei Weltmeisterschaften hat fraglos das Aztekenstadion in Mexiko, wo sowohl 1970 als auch 1986 jeweils das Eröffnungsspiel und das Finale stattfanden. Ob das Endspiel wieder dort ausgetragen wird? FIFA-Präsident Infantino antwortete bei der Bekanntgabe der Spielorte ausweichend: "Es wird Spiele in dem Stadion geben." Alles andere werde noch geklärt. FIFA-Vizepräsident Victor Montagliani (Kanada) sagte, dass die Kapazität und die Reisestrecke von den Halbfinalorten eine Rolle bei der Auswahl spielen könnte.

Kapazitäten WM 2026
Stadion in Kapazität
Mexiko City 87.523
New York/New Jersey 82.500
Dallas 80.000
Kansas City 76.416
Houston 72.220
Atlanta 71.000
Los Angeles 70.240
Philadelphia 69.796
Seattle 69.000
San Francisco 68.500
Boston 65.878
Miami 64.767
Vancouver 54.500
Monterrey 53.500
Guadalajara 49.850
Toronto 45.500

Wie will die FIFA überlange Reisestrecken verhindern?

Manche Spielorte sind extrem weit voneinander entfernt. Zwischen Vancouver und Mexiko City liegen rund 4.000 Kilometer Luftlinie, mehrere Stadien befinden sich in unterschiedlichen Zeitzonen. Denkbar sind beispielsweise Einteilungen in die Regionen West, Mitte und Ost, in denen die Teams die Spielorte wechseln. "In so einer großen Region wie Nordamerika müssen wir uns darum ganz besonders kümmern", sagte Infantino. "Wir müssen sicherstellen, dass die Teams in regional gebündelten Spielorten antreten, damit die Fans nicht verrückt lange Strecken reisen müssen."

FIFA-Präsident Gianni Infantino (M.) mit Vize Victor Montagliani (l.) und Turnierdirektor Colin Smith

FIFA-Präsident Gianni Infantino (M.) mit Vize Victor Montagliani (l.) und Turnierdirektor Colin Smith

Ganz wird sich das aber wohl kaum verhindern lassen, wenn das Turnier in die K.o.-Phase geht.

Welche Rolle spielt die Hitze im Sommer?

Vor allem im Osten und Süden der USA sowie in Mexiko gibt es im Juni und Juli gewöhnlich Temperaturen deutlich über 30 Grad. Für die Spieler kann das ein Problem werden. Das aktuelle WM-Turnier in Katar wurde wegen der dortigen Sommerhitze in den November und den Dezember verlegt.

Für 2026 ist das kein Thema. "Das sehen wir entspannt", sagte Infantino. "Es gibt Stadien mit schließbaren Dächern. Wir werden berücksichtigen, wo man Nachmittags spielen kann und wo man besser abends spielen sollte. Viele Faktoren spielen eine Rolle."

Kann man aus Footballstadien einfach Fußballstadien machen?

Im Football ist ein Spielfeld etwa 110 m lang und 49 m breit. Die Fußballregeln schreiben grundsätzlich eine Breite von 45 m bis 90 m und eine Länge von 90 m bis 120 m vor. Damit dürfte die Umgestaltung einigermaßen problemlos sein. Die Grenzwerte werden aber wohl kaum angekratzt, es herrschen konkrete Vorstellungen: Bei der WM 2022 schrieb die FIFA ein exaktes Maß von 105 m Länge und 68 m Breite vor.

Innenansicht vom Hard Rock Stadium in Miami

Das WM-Stadion in Miami, vorbereitet für ein NFL-Spiel

Colin Smith, Direktor für Wettbewerbe bei der FIFA, sprach von einigen "engen Bereichen", die man angehen müsse. Er sagte aber auch, dass die Vorbereitung in den Stadien keine Plätze auf den Tribünen kosten werde. "Das wird keine Auswirkungen auf Kapazitäten der Stadien haben. Wir werden die höchsten Zuschauerzahlen überhaupt haben."

Was bringt es der FIFA?

Für die FIFA geht es um sehr viel Geld. Die WM der Männer finanziert den Weltverband, der stets nur alle vier Jahre durch das Turnier Gewinne erwirtschaftet - dann aber richtig. In Russland 2018 nahm die FIFA rund fünf Milliarden Euro ein, in Katar 2022 geht die FIFA von mehr als sieben Milliarden aus.

Das vergößerte Turnier auf dem begehrten US-Markt lässt die monetären Hoffnungen wachsen: Der Bewerbungschef Carlos Cordeiro - mittlerweile in Diensten der FIFA - sprach 2018 von möglichen Einnahmen in Höhe von mehr als 13 Milliarden Euro und einem Gewinn für die FIFA von mehr als zehn Milliarden. Der Anspruch ist klar.

Was kostet es die Fans?

Einen erheblichen Anteil der Einnahmen machen Kartenverkäufe aus, die angesichts der großen Stadien ebenfalls Rekorde brechen könnten. 5,8 Millionen Tickets sollen verkauft werden, wird in den Bewerbungsunterlagen vorgerechnet. Die Einnahmen nur aus dem Kartenverkauf sollen 2,1 Milliarden betragen.

Dieses Geld müssen die anreisenden Fans bezahlen. In der Bewerbung ist eine erste mögliche Preisstruktur der Eintrittskarten aufgeführt, zu den genannten vier Kartenkategorien kommen noch Luxus- und VIP-Pakete.

Mögliche Preise WM 2026 (in US-Dollar, lt. Bewerbung)
Spiele Kat. 1 Kat. 2 Kat. 3 Kat. 4
Eröffnung 774 614 320 60
Gruppen 323 304 174 21
Sechzehntelfinale 347 311 174 31
Achtelfinale 370 317 174 42
Viertelfinale 549 420 266 66
Halbfinale 1072 716 411 84
Spiel um Platz 3 720 542 336 66
Endspiel 1550 1051 695 128