Tunahan Çiçek vom FC Vaduz jubelt.

Europa Conference League Der FC Vaduz in Europa - ein Verein zwischen den Welten

Stand: 26.08.2022 11:01 Uhr

Mit dem FC Vaduz hat sich erstmals ein Verein aus Liechtenstein für die Gruppenphase eines Europapokals qualifiziert - dabei spielt Vaduz im Alltag zweitklassig.

Von Dorian Aust

Es war schon kurz vor 23 Uhr im Stadion von Rapid Wien am Donnerstagabend (25.08.2022), als ein letzter lauter Pfiff zu hören war und die Männer in Rot ihr Glück kaum fassen konnten. Die Spieler des FC Vaduz sprangen umher, fielen sich in die Arme oder sanken einfach in sich zusammen.

Die Betreuer, Trainer und Auswechselspieler stürmten den Platz - Szenen wie man sie aus vielen Fußballstadien nach großen Erfolgen kennt. Doch dieser Erfolg des erfolgreichsten Liechtensteiner Klubs ist durchaus speziell.

Erfolgreich im 27. Anlauf

Nach dem 1:1 im Hinspiel reichte der Treffer von Tunahan Cicek in der 22. Minute, um den Liechtensteiner Traum wahr zu machen. Rapid, das sich vor der Saison mit dem in Deutschland bestens bekannten Guido Burgstaller verstärkt hatte, half durchaus mit. Kevin Wimmer sah nach 35 Minuten die Rote Karte für eine Notbremse.

Noch nie hat es eine Mannschaft aus Liechtenstein in die Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs geschafft. Und der FC Vaduz hat es schon etliche Male probiert. Seit der Saison 1992/93 ist die Mannschaft aus dem Hauptort des Fürstentums 26 Mal in diversen Qualifikationsrunden gescheitert, 2019 auch an Eintracht Frankfurt. Der 27. Anlauf war jetzt erfolgreich.

In der Gruppenphase trifft Vaduz jetzt auf AZ Alkmaar (Niederlande), Apollon Limassol (Zypern) und SK Dnipro-1 (Ukraine).

"Alle haben nur gelacht"

Das Liechtensteiner "Volksblatt" schrieb am Morgen nach dem Triumph von Wien von einer "Sensation". Die Bedeutung dieses 1:0-Siegs machte Vaduz-Stürmer Manuel Sutter deutlich: "Wenn wir gesagt haben, Gruppenphase wäre schon cool, da haben alle immer nur gelacht", so der 31-jährige Österreicher. "Wir haben es jetzt geschafft und sind verdient dort. Das ist das Schöne am Fußball. Es gibt Wunder, dass sich der Außenseiter durchsetzt, und das war bei uns der Fall".

Ein Wunder auch deshalb, weil der FC Vaduz zwischen den Welten lebt. Seit jeher ist der Klub im schweizerischen Verbandswesen unterwegs, stieg 2008 erstmals und insgesamt drei Mal in die höchste Spielklasse auf, genau so oft allerdings auch wieder ab. Derzeit rangiert die Mannschaft von Trainer Alessandro Mangiarratti auf dem vorletzten Platz der Challenge League, der zweiten Schweizer Liga. Fünf Spiele, zwei Punkte - das ist der graue Ligaalltag.

48 Pokalsiege - Weltrekord

Dem Fußball im 38.000-Einwohner großen Fürstentum ist der FC Vaduz allerdings längst entwachsen. 48 nationale Pokalerfolge stehen auf dem Briefkopf des FC Vaduz - kein Verein weltweit hat so viele nationale Pokaltitel gewonnen. Im Pokal tritt Vaduz nämlich nicht in der Schweiz an.

Und diese praktisch jährlichen Triumphe im heimischen Pokal sind jedes Jahr aufs Neue die Basis für europäische Träume. Denn über die Schweizer Ligen kann sich Vaduz gar nicht für den Europapokal qualifizieren - selbst wenn Vaduz erstklassig spielen würde.

Ein Traum für die in rot gekleideten Spieler aus Vaduz, die in Wien Historisches geschafft haben, ist auch so etwas wie Fußballbegeisterung in der Heimat zu entfachen. Das erhofft sich zumindest Mittelfeldspieler Kristijan Dobras: "Vielleicht haben wir mit dem Einzug in die Conference League ein paar Leute geweckt und vielleicht kommen dann nächsten Sonntag zum Heimspiel 20, 30 Leute mehr." Im Ligaalltag kommen im Durschnitt rund 1.500 Fans ins Rheinpark Stadion.