Christian Streich, Trainer SC Freiburg

Fußball | DFB-Pokal SC Freiburg vor dem Pokalfinale - "Es wären zwei Siege"

Stand: 20.05.2022 14:55 Uhr

Der SC Freiburg kann im Finale des DFB-Pokals gegen RB Leipzig seinen ersten großen Titel gewinnen und somit verhindern, dass der Plan des Gegners aufgeht - zumindest für den Moment. "Es wären zwei Siege", sagt ein Fan des SC.

Von Marcus Bark

Der "nächste Schritt" ist inzwischen eine der gängigen Sprachformeln im Fußballgeschäft. Die Formel impliziert, dass er auf eine höhere Stufe führt oder zumindest vorwärts. Ein rückwärts oder abwärts wäre im Sprachbild zwar möglich, ist aber in dem Geschäft nicht vorgesehen, in dem Neuzugänge ja auch stets als Verstärkung bezeichnet werden, obwohl sie sich als Gegenteil erweisen können.

Am Samstag (21.05.2022, ab 20 Uhr live im Ersten und im Livestream) werden der SC Freiburg und RB Leipzig im Berliner Olympiastadion um den DFB-Pokal spielen. Für beide Vereine geht es um den ersten großen Titel.

Pokalsieg für Leipzig Teil des Plans

Bei den Leipzigern ist dieser Titel Teil des Plans gewesen, seitdem 2009 die Spiellizenz vom SSV Markranstädt übernommen wurde. Früher oder später, da sind sich Liebhaber und Gegner des eigenwilligen Konstrukts einig, wird es soweit sein.

Eine Niederlage gegen den SC Freiburg, es wäre die dritte in einem Pokalfinale, würde den Titelgewinn mit hoher Wahrscheinlichkeit nur hinauszögern. "Es wäre keine schöne Geschichte, wenn der SC Freiburg Leipzig den ersten Titel erlauben würde", sagt Helen Breit.

Helen Breit

Fanvertreterin Breit wünscht sich "zwei Siege"

Sie ist bekannt als bundesweite Stimme von Fußballfans. Kritisch und konstruktiv setzt sie sich seit Jahren für die Interessen von Fans ein, kämpft gegen die Auswüchse der Kommerzialisierung. Dass sie vor allem die Entstehungsgeschichte von RB Leipzig massiv stört, ist wohldokumentiert. "Mir ist sehr bewusst, gegen wen wir da spielen", sagt Breit, Fan des Sport-Clubs und im Vorstand der "Supporters Crew Freiburg". Eine Niederlage gegen Leipzig wäre für sie doppelt schlimm, bei ihr hört sich das so an: "Es wären zwei Siege."

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Klaus Theweleit ist auch Fan des SC Freiburg. Der Schriftsteller und Kulturtheoretiker lehrte und lebt seit 1966 im Breisgau. "Ich hoffe, dass die Serien halten", sagt er zur Sportschau. Dreimal habe Christian Streich mit der U19 des SC Freiburg die Pokalendspiele in Berlin gewonnen, Leipzig gegen den FC Bayern (2019) und Borussia Dortmund (2021) jeweils verloren.

Freiburg als Gegenentwurf zu RB Leipzig

Das längst eingestellte Fußballmagazin "Rund" führte 2006 anlässlich der Weltmeisterschaft in Deutschland ein langes Interview mit Theweleit, in dem er auch auf die Einstellung der Deutschen zu ihrer eigenen Nation gefragt wurde. "Die Leute, die aus irgendeinem Prinzip heraus immer sagen, Deutschland soll bloß verlieren, sind merkwürdig", sagte Theweleit. Fußball sei um des Fußballs willen zu betrachten, er dürfe nicht überladen werden.

Klaus Theweleit, Literaturschriftsteller

Sind Fans, die Leipzig stets verlieren sehen wollen, die ihr Glück in den Niederlagen anderer sehen, auch merkwürdig? Sollten nur Siege der eigenen Mannschaft zufriedenstellen? "Es kann beides geben. Ich kenne viele, die sich über Niederlagen des FC Bayern freuen", sagt Theweleit, der seine Beziehung zu RB "gespalten" nennt: "Ich lehne sie jedenfalls nicht grundsätzlich ab."

Breit über Freiburg: "Sehr ruhiges Umfeld"

Der SC Freiburg, der Klub von Theweleit und Breit, ist so etwas wie der Gegenentwurf zu RB Leipzig. Kaum jemand hat eine Abneigung gegen den Sport-Club, die meisten finden ihn sympathisch, erfrischend anders. Warum ist das so?

"Wir haben ein sehr ruhiges Umfeld. Hier wird nicht sofort ein Hype um etwas gemacht. Wir haben hier auch keine Boulevardzeitung, das muss man vielleicht auch sagen", antwortet Helen Breit. "Nachhaltiges Wirtschaften" sei "wie die DNA des Klubs", beinahe ein "Alleinstellungmerkmal". Dazu komme eine "grundlegende Werteorientierung."

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Verändern würde der Titel beim SC wohl nichts

Klaus Theweleit hebt das Zusammenwirken der Verantwortlichen hervor: "Es gibt eine Kollegialität, keine Konkurrenz." Die meisten Vereine hätten "Dominanzfiguren", der SC Freiburg habe keine. Trainer Christian Streich sei deshalb keine, weil er stets das Gemeinschaftswerk betone und danach auch handle.

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Einen Pokalsieg würde Helen Breit als "geniale Belohnung" für das organische Wachstum ihres Vereins ansehen. Verändern würde der Titel vermutlich nichts: "Ich denke, alles ginge so weiter."

Der nächste Schritt wäre einer schräg zur Seite, um mal ausgelassen zu feiern und dann nüchtern wieder auf den Weg zurückzukehren.