McKennie mit Botschaft gegen Polizeigewalt und Rassismus

Weston McKennie (Mitte) im Spiel gegen Werder Bremen

Tötung von George Floyd

McKennie mit Botschaft gegen Polizeigewalt und Rassismus

Von Chaled Nahar

Schalkes Weston McKennie trug beim Heimspiel gegen Bremen eine Armbinde mit der Aufschrift "Gerechtigkeit für George". Es ist ein Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus, nachdem der dunkelhäutige George Floyd von einem Polizisten in den USA getötet worden war.

Die Binde mit der Aufschrift "Justice for George" ("Gerechtigkeit für George") zog McKennie erst in der zweiten Hälfte über den linken Oberarm. Als die Spieler nach der Pause aus den Kabinen kamen, sah man, wie McKennie sich immer wieder am linken Ärmel zupfte, die Botschaft befand sich zu dem Zeitpunkt noch darunter.

Erst im Laufe der zweiten Hälfte im Spiel der Schalker gegen Bremen kamen die Worte zum Vorschein. Sie nehmen Bezug auf die Tötung von George Floyd, der am Montag in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota bei einer Festnahme durch einen Polizisten getötet worden war. McKennie schrieb bei Twitter: "Es fühlt sich gut an, meine Plattform nutzen zu können, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, das schon lange besteht. Wir müssen für das eintreten, woran wir glauben, und ich glaube, es ist Zeit, dass wir gehört werden!"

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Proteste in den USA

Floyds Tod bewegt derzeit die USA. Am Ende der Festnahme durch vier Beamte kniete ein Polizist fast neun Minuten lang auf Floyds Nacken. Floyd sagte: "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen"). Der Polizist ließ trotzdem nicht von ihm ab. Floyd starb an den Folgen dieser Fixierung.

In Minneapolis und mehreren anderen Städten der USA kommt es seit einigen Tagen deshalb zu Protesten und heftigen Ausschreitungen. Zahlreiche US-Sportler äußerten sich wütend über den Vorfall. Sie kritisieren die wiederkehrende Polizeigewalt und den offensichtlichen Rassismus bei einigen Polizeibeamten in den USA gegen Schwarze. "I can't breathe" ist ein Leitsatz der Proteste.

"Eure Gewalt hat den Widerstand gebracht", twitterte der Footballspieler Colin Kaepernick. Er hatte sich bei mehreren Spielen seiner damaligen Mannschaft San Francisco 49ers aus Protest während der Nationalhymne hingekniet und wurde dafür öffentlich kritisiert, vor allem von Präsident Donald Trump.

Politische Botschaften eigentlich verboten

Schalke 04 unterstützte seinen Spieler dagegen und veröffentlichte über seinen an amerikanische Fans gerichteten Twitterkanal ein Bild von McKennie, der für die Nationalmannschaft der USA spielt, und schrieb den Hashtag #JusticeForGeorge dazu.

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Dass die Botschaft McKennies politisch ist, könnte rein theoretisch allerdings zum Problem werden. In der "DFL-Richtlinie zu Spielkleidung und Ausrüstung" heißt es: "Politische und/oder andere Mitteilungen auf den Ausrüstungsgegenständen sind keinesfalls erlaubt." Auch das allgemeine Fußballregelwerk verbietet politische Botschaften auf der Ausrüstung, dem Schiedsrichter wird dabei allerdings keine Sanktion per Gelber oder Roter Karte vorgeschrieben. Des Themas müsste sich die Sportgerichtsbarkeit des DFB annehmen. „Der Kontrollausschuss des DFB wird sich im Laufe der nächsten Tage dieser Angelegenheit annehmen und den Sachverhalt prüfen“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Anton Nachreiner, am späten Sonntagabend 31.05.20).

In der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB steht: "Eines unsportlichen Verhaltens macht sich insbesondere schuldig, wer sich politisch (...) verhält." Der DFB-Kontrollausschuss könnte also gegen McKennie ermitteln und vor dem Sportgericht Anklage erheben - was aber äußerst unwahrscheinlich sein dürfte.

Ujah wurde nicht bestraft

Denn es gibt einige vergleichbare Fälle, in denen der DFB keine Ermittlungen aufnahm. Besonders naheliegend ist das Beispiel von Anthony Ujah von Union Berlin. Der zeigte 2014 in seiner Zeit beim 1. FC Köln ein T-Shirt mit der Aufschrift "I can't breathe" - damals wurde Eric Garner auf ähnliche Weise getötet wie Floyd, auch damals wurde "I can't breathe" zum Motto der Proteste.

Der DFB beließ es 2014 bei einer Erinnerung an das Verbot und leitete keine weiteren Schritte gegen Ujah ein. Der Spieler twitterte am Donnerstag ein Foto von sich aus dem Jahr 2014 mit dem T-Shirt zur Tötung von Eric Garner - und schrieb den Namen George Floyds dazu.

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Stand: 01.06.2020, 10:23

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