Schröder und Schalke - das Ende der Lethargie?

Leeres Stadion von Schalke 04

Wieder Bewegung im Klub

Schröder und Schalke - das Ende der Lethargie?

Von Jörg Strohschein

Beim FC Schalke 04 laufen die Personalplanungen auf Hochtouren. Nach einer lähmenden Zeit versucht der neue Sportvorstand Peter Knäbel dem Ruhrgebietsklub wieder neues Leben einzuhauchen. Und trifft dabei auch ungewöhnliche Maßnahmen.

Die Bundesliga könnte - wäre nicht so viel Geld im Spiel - ein gemütliches Kleinod sein, in dem jeder jedem schon einmal über den Weg gelaufen ist. In diesem Refugium kann man allerdings auch manchmal schlechte Erfahrungen machen.

So wie etwa Mike Büskens, der mit dem Namen Rouven Schröder nicht nur gute Erinnerungen verbinden dürfte. Als Büskens im Jahr 2013 Trainer von Greuther Fürth und zuvor mit den Franken aufgestiegen war, hatte Schröder als damaliger sportliche Leiter in Fürth den Coach nach einer Misserfolgsserie in der Bundesliga entlassen. Das alles ist allerdings lange her und dürfte als verjährt gelten.

Knäbel versucht entgegenzuwirken

Künftig haben Büskens als Co-Trainer des FC Schalke 04 sowie Teil der "Task Force Kaderplanung", die den Neuaufbau bewerkstelligen soll, und Schröder wieder intensiv miteinander zu tun. Der 45-Jährige wird neuer Sportdirektor des Ruhrgebietsklubs und soll dabei helfen, die Tristesse zu beenden, die den Verein nachhaltig zu lähmen schien.

Der jüngste Abstieg in die 2. Liga, die Fan-Ausschreitungen, das Getöse um die Führungspersonen haben in der Öffentlichkeit den Eindruck vermittelt, dass der Klub im völligen Choas versinkt und nahezu handlungsunfähig ist. Diesem Eindruck versucht der neue Sportvorstand Peter Knäbel nun massiv entgegenzuwirken - und unterfüttert dies mit ungewöhnlichen Maßnahmen.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Schröder sollte Sportvorstand auf Schalke werden

"Wir konnten einen Experten für S04 gewinnen, der über das nötige Netzwerk und die fachlichen Qualitäten in diesem Bereich verfügt", sagt Knäbel. Er kennt ihn bereits aus seiner Zeit beim HSV, als Schröder dort am Ende ergebnislose Gespräche mit den Hamburgern geführt hatte.

Pikanterweise wollte der Schalker Aufsichtsrat Schröder kürzlich noch für die vakante Position als Sportvorstand verpflichten - der sagte aber ab. Daraufhin wurde Knäbel berufen. Berührungsängste scheint Knäbel also nicht zu kennen, auch weil er sich selbst dafür einsetzte, die Position des Sportdirektors mit Schröder zu besetzen.

Schröder wird neuer Sportdirektor bei Schalke

Sportschau 04.05.2021 00:43 Min. Verfügbar bis 04.05.2022 ARD Von Ulli Schäfer


Schröder soll nun dabei helfen, den neuen FC Schalke 04 zu bauen. Sein offizieller Arbeitsbeginn ist zwar erst der 1. Juni 2021, hinter den Kulissen ist Schröder aber bereits tätig. "Aufsichtsrat und Vorstand sind sich einig, dass die Vielzahl an Aufgaben im sportlichen Bereich nicht von einer Person allein geschultert werden kann, sondern dass wir zusätzliche Expertise benötigen", sagt Knäbel.

Um diesen Aufbau zu bewerkstelligen geht es für Schröder zum einen um Spielerkäufe. So möchte er einen schlagkräftigen Kader für den erwünschten direkten Wiederaufstieg aufstellen.

Spielerverkäufe werden schwierigste Aufgabe

Damit dies aber überhaupt möglich ist und Geld in die leeren Vereinskassen gespült wird, muss er die teuren Spieler mit weiterhin gültigen Verträgen wie Suat Serdar, Mark Uth, Sebastian Rudy und einige mehr erst einmal verkaufen. Auf einem deutschen und internationalen Transfermarkt, von dem in diesen Corona-Zeiten niemand weiß, welche Beträge von den Klubs überhaupt noch gezahlt werden können und wann der Markt Tempo aufnimmt.

Die Schalker versprechen sich demnach viel vom Netzwerk Schröders, das es ihm zu seinen Mainzer Zeiten erlaubte, einige Spieler aus der zweiten Reihe der französischen Liga wie etwa Jean-Philippe Gbamin oder Abdou Diallo zu verpflichten, die die Rheinhesen später mit großem Gewinn verkaufen konnten.

Latza und Terodde verpflichtet

Geht bald für Schalke auf Torejagd: Simon Terodde

Geht bald für Schalke auf Torejagd: Simon Terodde

Knäbel hatte mit der "Task Force Kaderplanung", bestehend aus Büskens, Norbert Elgert und Mathias Schober bereits ohne Schröders Einfluss den Erneuerungsprozess angestoßen und in Mittelfeldspieler Danny Latza und Angreifer Simon Terodde zwei mögliche Säulen des künftigen Teams verpflichtet.

Dieses (Not-) Gremium wird nun allerdings aufgelöst und die Verantwortung in Schröders Hände gelegt. Er habe einen großen Handlungsspielraum ist von Seiten des Vereins zu hören.

Schober bekommt Führungsposition

Komplettiert wird die sportliche Führung durch Schober, der zum Direktor Knappenschmiede und Entwicklung aufsteigt und der die zuletzt nicht mehr so durchlässige Jugendabteilung wieder zu alten Stärken zurückführen soll. Manuel Neuer, Mesut Özil, Leroy Sané sind neben anderen daraus hervorgegangen.

Damit dieser grundlegende Umschwung bewerkstelligt werden kann, soll langfristig von den Jugendmannschaften bis zu den Profis eine grundlegende Spielidee im Klub implemetiert werden.

Es ist wieder Bewegung in den zuletzt erstarrten S04 gekommen. Nicht zuletzt weil das abgestiegene Profi-Team sich mit all seinen tief gehenden Problemen in der Wahrnehmung ein wenig abgekoppelt zu haben scheint - auch wenn noch vier Bundesligaspiele zu absolvieren sind.

Beim S04 richtet sich der Blick wieder in die Zukunft. Ein Zustand, der am Berger Feld schon vergessen zu sein schien.

Schalke 04 - wenn Urgesteine absteigen müssen

Der FC Schalke 04 steigt in die zweite Bundesliga ab. So ist es schon so einigen Traditionsvereinen und Fußball-Urgesteinen ergangen. Eine Auswahl in Bildern.

Die Absteiger der Bundesliga

Am Dienstag (20.04.2021) war es soweit. Seit der Niederlage bei Arminia Bielefeld ist es für Schalke rechnerisch nicht mehr möglich, die Klasse zu halten Der Absturz vollzog sich schnell. Noch vor drei Jahren waren die "Königsblauen" deutscher Vizemeister und standen 2019 im Achtelfinale der Champions League.

Am Dienstag (20.04.2021) war es soweit. Seit der Niederlage bei Arminia Bielefeld ist es für Schalke rechnerisch nicht mehr möglich, die Klasse zu halten Der Absturz vollzog sich schnell. Noch vor drei Jahren waren die "Königsblauen" deutscher Vizemeister und standen 2019 im Achtelfinale der Champions League.

Wenn Bundesliga-Urgesteine absteigen, dann ist das immer besonders bitter - für die Fans, natürlich für den Klub selbst und irgendwie auch für die Liga. So ergangen ist es schon vielen Traditionsvereinen - mit unterschiedlichem Ausgang.

Für Fußball-Deutschland war es ein Schock. Nach neun deutschen Meisterschaften stieg Gründungsmitglied 1. FC Nürnberg 1969 erstmals aus der Bundesliga ab. Doch nicht nur das, es geschah das Unvorstellbare, denn der "Club" war damals Titelverteidiger und musste als Meister die Klasse verlassen. Ein 0:3 beim 1. FC Köln besiegelte das Desaster für die Franken. Nach neun Jahren Zweitklassigkeit stieg der FCN zwar wieder auf, entwickelte sich aber über die Jahre zur Fahrstuhlmannschaft. Insgesamt zählen die Statistiker neun Bundesliga-Abstiege, den bisher letzten 2019. An die alten Erfolge konnten die Nürnberger nie wieder anknüpfen.

Der erste Abstieg 1975 war für den VfB Stuttgart nicht wirklich eine Katastrophe. Zwei Jahre später ging es wieder nach oben und die große Zeit des VfB, die sollte noch kommen. Drei deutsche Meisterschaften, zwei Vizemeisterschaften, ein Pokalsieg und zwei Europapokal-Finale machten den VfB zu einem Spitzenklub - auch international. Der erneute Absturz nach fast 40 Jahren Ligazugehörigkeit im Jahr 2016 war deshalb eine Überraschung und für die Region ein Trauerspiel. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg ging es 2019 sogar ein drittes Mal eine Etage runter. Es war zu befürchten, dass sich der große VfB zum Fahrstuhlklub entwickeln und nicht mehr dauerhaft im Oberhaus halten würde. In der aktuellen Bundesligasaison macht es das junge Team als Neuling jedoch sehr gut und hat mit dem Abstieg nichts zu tun.

Überraschend war es nicht, bitter war es dennoch: 1980 musste Werder Bremen den Gang in die zweite Bundesliga antreten. Unter dem Trainerduo Rudi Assauer/Fritz Langner reichte es nach einigen Jahren im Mittelmaß nicht mehr zum Klassenerhalt. Dennoch war der Abstieg so etwas wie ein Betriebsunfall. Denn er ist bis heute der einzige in der Werder-Geschichte geblieben. Schon 1981 stieg das Gründungsmitglied der Bundesliga wieder auf und feierte danach große Erfolge - unter anderem drei deutsche Meisterschaften und den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1992.

Die ganz großen Erfolge konnte er nie feiern, doch irgendwie war der MSV Duisburg als Gründungsmitglied der Bundesliga immer mit dabei und stand 1979 sogar im Halbfinale des UEFA-Pokals. 1982 dann der Abstieg: Die "Zebras" mussten unter Trainer Kuno Klötzer in die zweite Liga. Danach wurde es turbulent. Der Klub wurde bis in die Oberliga Nordrhein durchgereicht, berappelte sich wieder, stieg wieder auf - aber auch wieder ab, aus der Bundesliga insgesamt sechs Mal. In der aktuellen Saison geht es in der 3. Liga um den Klassenerhalt.

Eintracht Frankfurt und die Bundesliga - das gehörte mehr als 30 Jahre lang zusammen. So hatte auch bei den Hessen lange niemand damit gerechnet, am Ende der Saison 1995/96 tatsächlich absteigen zu müssen. In der Winterpause war man Zehnter, der Kader - unter anderem mit Torwart Andres Köpke, Uwe Bindewald, Manfred Binz, Jay-Jay Okocha, Ralf Falkenmayer oder Thomas Doll - gut besetzt. Doch nach einer desaströsen Rückrunde war es dann soweit. Der erste Abstieg leitete unruhige Zeiten ein, auch 2001, 2004 und 2011 ging es runter in Liga zwei. In der aktuellen Saison könnte sich die Eintracht nun zum ersten Mal für die Champions League qualifizieren.

Die Saison 1995/96 war keine gute für die Bundesliga, denn an deren Ende verfiel auch die Pfalz in kollektives Wehklagen. Der 1. FC Kaiserslautern, der Klub des legendären Fritz Walter und natürlich ebenfalls Gründungsmitglied der Bundesliga, stieg ebenfalls zum ersten Mal ab. Die Trauer wäre wohl nicht ganz so groß ausgefallen, hätte man gewusst, was zwei Jahre später passiert. Denn da holten die "Roten Teufel" nach dem sofortigen Wiederaufstieg unter Trainer-Ikone Otto Rehhagel sensationell die deutsche Meisterschaft - und der Abstieg zwei Jahre zuvor war vergessen und galt sogar als heilsam. Allerdings stieg der FCK 2006 erneut und 2012 sogar zum dritten Mal aus der Bundesliga ab. Finanziell gebeutelt, hat er sich davon seither nicht mehr erholt und kämpft gerade in der 3. Liga ums Überleben. Kurios: In der Saison 1996/97 nahmen die Pfälzer als Zweitligist am Europapokal der Pokalsieger teil.

Gründungsmitglied, erster deutscher Meister, das "Real Madrid des Westens": Es entsprach lange nicht dem Selbstverständnis des 1. FC Köln, überhaupt einmal in Abstiegsgefahr zu geraten. 1998 ging es dann dennoch in die zweite Liga. Der Klub, der sich Jahre zuvor noch angeschickt hatte, dem FC Bayern im Meisterschaftskampf Paroli zu bieten, hatte sich verschuldet. Danach wurden die "Geißböcke" zur Fahrstuhlmannschaft: 2002, 2004, 2006, 2012 und 2018 ging es jeweils in die Zweitklassigkeit. Auch in der aktuellen Saison hat es der FC schwer, die Klasse zu halten.

Fünf deutsche Meisterschaften, zwei UEFA-Pokalsiege, unzählige Europapokal-Schlachten, Fans in aller Welt - das war Borussia Mönchengladbach unter den Trainern Hennes Weißweiler und Udo Lattek in den 1970er Jahren. Doch dann wurden die "Fohlen" langsam aber sicher abgehängt - finanziell und sportlich. 1999 dann der Abstieg, der rund um den Bökelberg für Entsetzen sorgte. Auch nach der Bundesligarückkehr 2001 blieb es durchwachsen, 2007 ging es erneut eine Klasse runter. Zwar stieg die Borussia postwendend wieder auf, rettete sich 2011 aber erst in der Relegation vor Abstieg Nummer drei. Erst seit 2012 geht es für Mönchengladbach wieder nach oben.

Mächtig stolz war der Hamburger SV darauf, über viele, viele Jahre das einzige verbliebene Gründungsmitglied der Bundesliga zu sein, eine Art Institution Fußball-Deutschlands. Und das völlig zu Recht. Unvergessen ist die Stadionuhr, die die Jahre, Tage und Stunden, Minuten und Sekunden des Erfolges zählte. Doch am 12. Mai 2018 stieg der "Dino" erstmals nach 55 Spielzeiten Ligazugehörigkeit ab. Seitdem will es nichts mehr werden mit der Rückkehr des einstigen Meisters und Europapokal-Siegers. Nach zwei verpassten Aufstiegen kämpft der HSV jetzt zum dritten Mal um die Rückkehr ins Oberhaus.

Zurück zum FC Schalke. Den Ruhrgebietsklub würde es nicht zum ersten Mal erwischen. Vor allem der erste sportliche Niedergang im Jahr 1981 war nach 55 Jahren Erstklassigkeit ein Schock, von dem sich die "Knappen" lange nicht erholten, denn auch 1983 und 1988 musste man den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Dennoch darf der Traditionsverein hoffen, denn überstanden hat der Verein bisher alle Abstiege.

Stand: 04.05.2021, 15:06

Weitere Themen

Darstellung: