Jean-Philippe Mateta

Bella-Kotchap, Koch und Co. Premier League als Finanzier der Bundesliga

Stand: 22.06.2022 14:09 Uhr

Abseits der spektakulären Transfers wechseln wieder Profis aus der Fußball-Bundesliga in die Premier League und bringen ihren Klubs einen Großteil des Etats ein.

Von Marcus Bark

Sadio Mané vom FC Liverpool zum FC Bayern, Mario Götze zurück in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt: Diese Wechsel finden ein großes Echo in den Medien und sozialen Netzwerken.

Andere Wechsel werden eher beiläufig zur Kenntnis genommen, etwa der von Armel Bella-Kotchap. Dabei ist es ein Transfer, durch den sein nun ehemaliger Klub "in noch nie dagewesene Dimensionen" stoße. Das schrieb der VfL Bochum in die Mitteilung, mit der er den Transfer des 20 Jahre alten Innenverteidigers zum FC Southampton bekannt gab.

"Wir können dem Verein somit finanziell wieder ein breiteres Fundament bieten", heißt es weiter. Damit bestätigt der Bundesligist zumindest indirekt die kolportierte Ablösesumme von elf Millionen Euro.

Der Transfer von Bella-Kotchap brachte dem Ruhrgebietsklub also etwa 45 Prozent des Personaletats ein, mit dem der VfL in der abgelaufenen Saison kalkuliert hatte. Zum Vergleich: Wollte der FC Bayern Transfereinnahmen tätigen, um etwa 45 Prozent des Personaletats zu decken, müsste er einen Spieler für etwa 140 Millionen Euro verkaufen.

Rekordsummen aus England bei Hälfte der Bundesligisten

Der VfL Bochum ist nicht der einzige Verein, der von der Ablöse eines Klubs aus der Premier League finanziell enorm profitiert. Möglicherweise kommt mit dem 1. FC Union bald ein weiterer dazu, denn Taiwo Awoniyi verabschiedete sich am Mittwoch (22.06.2022) von seinen Mannschaftskollegen und fehlte beim Training.

Der Stürmer wird mit Nottingham Forest in Verbindung gebracht. Angeblich soll der Aufsteiger in die Premier League bereit sein, 17,5 Millionen britische Pfund für Awoniyi zu bezahlen, das sind gut 20 Millionen Euro.

Das Portal "transfermarkt.de" listet bei seinen Transferströmen 163 Wechsel inklusive Leihgeschäften von der Premier League in die Bundesliga. Das hält sich in etwa die Waage mit den 176 Wechseln in die umgekehrte Richtung. Signifikant unterscheiden sich jedoch die Volumen. Flossen aus der Bundesliga etwa 440 Millionen Euro (am meisten mit etwa 60 Millionen zahlte der FC Bayern für Leroy Sané an Manchester City) in die Premier League, waren es umgekehrt 1,7 Milliarden Euro, also etwa das Vierfache.

Die Premier League ist einer der wichtigsten Finanziers der Bundesliga. So strich Borussia Dortmund in den vergangenen Jahren hunderte von Millionen Euro für Erling Haaland, Jadon Sancho, Christian Pulisic und Pierre-Emerick Aubameyang ein. Auch Bayer Leverkusen (Kai Havertz, Leon Bailey) kassierte gewaltig.

Aber in Relation gesehen haben Vereine mit deutlicher geringerer Wirtschaftskraft vielleicht noch mehr von den Zahlungen aus der Premier League profitiert. So etwa der SC Freiburg, der 2018 gut 21 Millionen Euro von Leicester City für Caglar Söyüncü einstrich und zwei Jahre später 13 Millionen für Robin Koch von Leeds United.

Zwölf Millionen Euro für Cissé schon 2012

Beinahe schwindelerregend waren die zwölf Millionen Euro, die Newcastle United für Papiss Demba Cissé überwies, denn das geschah bereits im Januar 2012.

Aus ökonomischer Sicht betrachtet auch der 1. FSV Mainz die Transfers von Spielern zu Klubs der Premier League als Erfolg. Für Shinji Okazaki (2015 zu Leicester City), Yoshinori Muto (2018 zu Newcastle United) und Jean-Philippe Gbamin (2019 zum FC Everton) erhielten die Mainzer zusammengerechnet etwa 50 Millionen Euro.

Der jüngste Geldsegen aus England erreichte die Rheinhessen im Winter 2021/22. Crystal Palace verpflichtete Jean-Philippe Mateta, der zuvor schon ausgeliehen worden war, fest für elf Millionen Euro. Keine neuen Dimensionen, aber eine hübsche Summe, die auch ohne großes Echo zur Kenntnis genommen wurde.