Kommentar zur Taskforce: Feigenblatt des deutschen Fußballs

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Kommentar zur Taskforce: Feigenblatt des deutschen Fußballs

Von Thorsten Poppe

Als großen Schritt hat Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, die Ergebnisse der Taskforce Profifußball bezeichnet. Doch bei genauer Betrachtung hat der Profifußball eine große Chance vertan. Ein Kommentar.

Als "großen Schritt" und "neues Kapitel für die Bundesliga" hat Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die Ergebnisse der Taskforce Profifußball bezeichnet. Doch die große Chance, den deutschen Fußball insgesamt zu befrieden, sich dafür mit der Basis zu solidarisieren, mit den Fans in den Kurven auszusöhnen oder zumindestens dorthin eine neue Brücke zu bauen, hat die DFL nicht genutzt.

Anstatt konkrete Maßnahmen direkt anzugehen, werden die Ergebnisse aus der Taskforce arg verwässert. Eigentlich sind es sogar drei konkrete Ergebnisse gewesen, die drei unterschiedliche Gruppen unabhängig voneinander entwickelt hatten und die seitens der DFL zu einem Resultat zusammengefasst worden sind. Und dieses verwässerte Endergebnis gilt nur als Handlungsempfehlung, die dann im Jahr 2030 völlig etabliert sein soll.

Emotionale Entfremdung der Fans

Dabei müssten die meisten Problemfelder unmittelbar angegangen werden, um dem Profifußball eine tragfähige Zukunft zu geben. Denn die Entfremdung der aktiven Fanszene, die es schon vor Corona gab, hat sich durch die Pandemie noch verstärkt. Ob die Anhänger in derselben Anzahl wieder zurück in die Stadien strömen werden wie vor den Geisterspielen, das bezweifeln viele Experten, und auch die Fußballfans stellen dies selbst infrage.

Gegen diese emotionale Entfremdung hätte die DFL, wie übrigens auch schon mit der kürzlich beschlossenen Neuverteilung der TV-Gelder, ein deutliches Signal setzen können. Weg von immer schneller, höher, weiter, hin zu wirtschaftlicher Stabilität, Nachhaltigkeit oder eben Basisnähe.

Die Taskforce wird dadurch zu dem, was Viele immer befürchtet hatten: Einem Feigenblatt, gut anzusehen von außen, ohne echte Wirkung nach innen. Schließlich treffen die Beschlüsse für die Zukunft des Profi-Fußballs die 36 Mitgliedsvereine der DFL aus den Bundesligen.

Von Demut ist nichts mehr zu spüren

Ein wirkliches Umdenken hat also nicht stattgefunden, obwohl zu Beginn der Corona-Pandemie noch so viel Demut seitens der DFL zu hören gewesen war. Doch seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist davon nichts mehr zu hören, im Gegenteil: Dass die Bundesliga auch jetzt im zweiten Lockdown weiterläuft, wird als selbstverständlich angenommen.

Spätestens wenn die Stadien nicht mehr voll sind, weil die Menschen sich vom Fußball entfremdet haben, werden die Ergebnisse der Taskforce wieder aktuell. Und immensen Druck aufbauen, Veränderungen direkt anzugehen. Nur ist es dann für ein deutliches Signal zu spät. Genau deshalb hat der Profifußball in Deutschland eine große Chance vertan.

Stand: 03.02.2021, 14:15

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