Coronavirus - Bundesliga, Champions League und Länderspiele wohl bald vor leeren Rängen

Borussia Dortmund spielt vor einer leeren Südtribüne

Infektionsgefahr im Stadion

Coronavirus - Bundesliga, Champions League und Länderspiele wohl bald vor leeren Rängen

Von Chaled Nahar

Mit Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern haben drei Bundesländer angekündigt, vorläufig keine Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen zuzulassen. Spiele vor leeren Rängen rücken damit näher wie bei den anstehenden Derbys der Bundesliga, in der Champions League und bei der Nationalmannschaft.

Die Ankündigung der drei Bundesländer, ihren untergordneten Gesundheitsämtern die Absage von Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen zu empfehlen, wird weitreichende Folgen haben. Nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg will laut "Augsburger Allgemeine" auch Bayern sich dem Vorgehen anschließen.

Das Nachholspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch (11.03.2020) könnte das erste Spiel ohne Zuschauer in der Bundesliga-Geschichte werden. Am Wochenende werden dann wohl zahlreiche weitere Spiele ohne einen feierlichen Rahmen mit Fans auskommen müssen.

Kommender Bundesliga-Spieltag soll stattfinden

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) beschloss am Montag (09.03.2020), dass der kommende Spieltag nach Möglichkeit stattfinden solle. Die Klubs müssten sich aber natürlich "nach den Vorgaben ihrer örtlichen Behörden" richten, sagte DFL-Vorstandsmitglied Ansgar Schwenken im Gespräch mit sportschau.de.

DFL-Chef Christian Seifert ergänzte bei "Bild Live": "Wir würden am liebsten schon nächsten Spieltag mit Zuschauern spielen. Das ist aber leider nicht realistisch." Eine komplette Absage des Spieltages schloss auch Seifert aus. "Wir haben entschieden, dass der Spieltag stattfindet, rein sportlich. Mit wie vielen Zuschauern und ob ohne, das ist eine Entscheidung, die die Behörden treffen müssen", sagte er.

Stuttgart und Leipzig wollen vor Fans spielen

Am Montag spielte der VfB Stuttgart im Spitzenspiel der 2. Bundesliga gegen Arminia Bielefeld, am Dienstag(10.03.2020) ist die Partie von Rasenballsport Leipzig gegen Tottenham Hotspur in der Champions League angesetzt (21 Uhr).

Die Stadt Stuttgart erlaubte die reguläre Durchführung des Spiels mit Zuschauern. Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha erklärte jedoch, dass danach alle Veranstaltungen ab 1.000 Personen abgesagt werden. "Im Sinne des vorsorglichen Gesundheitsschutzes sind solche drastischen Maßnahmen notwendig", teilte Lucha mit.

In Leipzig soll ebenfalls normal gespielt werden. Die Stadt beruft sich darauf, dass Großbritannien kein Risikogebiet sei, die Gäste aus London stellten also kein erhöhtes Risiko dar, zudem werde das Spiel unter freiem Himmel ausgetragen. Damit halte man sich an die Handlungsempfehlung des Robert-Koch-Instituts.

Derbys in NRW wohl ohne Fans

In Mönchengladbach bestätigten Sprecher des Vereins und der Stadt, dass eine Entscheidung erst am Dienstag verkündet werde. Erwartet wird aber, dass in NRW ab Dienstag ebenfalls die Maßgabe gilt, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen abzusagen. Sollte das Spiel in Gladbach ohne Zuschauer stattfinden, wäre es das erste "Geisterspiel" in der Bundesliga-Geschichte.

Hier steht aber auch noch eine vollständige Absage im Raum. Am Wochenende stehen zahlreiche Spiele in NRW an, darunter mit dem Revierderby am Samstag (14.03.2020) zwischen Dortmund und Schalke eines der wichtigsten Spiele der Saison.

Heldt: "Konsequent inkonsequent" Sportschau 09.03.2020 00:49 Min. Verfügbar bis 09.03.2021 Das Erste

Mönchengladbach liegt nur wenige Kilometer östlich vom Landkreis Heinsberg. Dort gibt es nach Zahlen vom Sonntagmittag bislang 285 registrierte Infektionen. Das ist rund ein Drittel aller Infektionen in Deutschland (847).

Auch internationale Spiele betroffen

Auch internationale Spiele sind betroffen. In Frankreich findet das Spiel zwischen Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund ohne Zuschauer statt. Die Kantonspolizei in Basel sagte am Montag das Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League des FC Basel gegen Eintracht Frankfurt am 19. März ab - das Hinspiel ist für Donnerstag (12.03.2020) geplant.

Kommende Woche Mittwoch (18.03.2020) erwarten die Bayern Chelsea zum Rückspiel im Achtelfinale der Champions League - auch hier ist ein Geisterspiel die wahrscheinlich Lösung. Und am 31. März spielt Deutschland in Nürnberg gegen Italien - hier stellt sich die Frage, ob das Spiel ganz abgesagt wird, weil in Italien die Krise um das Coronavirus besonders groß ist.

Spahn: "Es ist leichter auf ein Fußballspiel zu verzichten, als auf die Arbeit"

Bundesgesundheitsminister Spahn hatte am Sonntag empfohlen, künftig keine Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen zuzulassen. Er verteidigte seine Empfehlung am Montag. "Wir müssen den Ausbruch verlangsamen", sagte Spahn. Bei der Unterbrechung des Alltags müsse man entscheiden, worauf man eine Zeitlang verzichten könne, sagte Spahn. "Es ist leichter, auf ein Konzert, einen Klubbesuch oder ein Fußballspiel zu verzichten, als auf den täglichen Weg zur Arbeit." Der Verzicht sei wichtig, um Infektionsrisiken für Ältere und chronisch Kranke zu verkleinern.

DFL hofft zumindest auf Spiele ohne Zuschauer

Angesichts der Terminnot sind für die DFL Spiele ohne Zuschauer die beste Lösung. Die DFL teilte mit, dass die Gesundheit der Menschen Priorität habe. Es stehe aber "außer Frage, dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden muss". Mehrere Klubs setzten den Kartenverkauf für ihre kommenden Heimspiele aus.

Zuschauerausschluss: auf jeden Fall teuer, vielleicht unfair

Ein Zuschauerausschluss hätte finanzielle und sportliche Folgen. Die Fans würden zwar ihr Eintrittsgeld wohl zurückbekommen, den Klubs fehlen diese Einnahmen dann. Sitzen bleiben würden Anhänger dagegen auf Kosten für Bahnfahrkarten oder Hotelbuchungen.

Sportlich bliebe die Frage, ob einigen Mannschaften ein Nachteil entstehen könnte, weil sie am Saisonende weniger vollwertige Heimspiele gehabt haben werden als andere Teams. Wohl auch aus Gründen der Gleichbehandlung werden deshalb komplette Spieltage ohne Fans erwogen.

Ein weiterer Gegner: die Inkubationszeit

Ein großes Problem bleibt die Inkubationszeit. Spielt man einen Spieltag ohne Zuschauer, müssten ein bis zwei weitere Folgen. Die Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen würde erst nach Ablauf dieser Zeit eine neue Einschätzung der Lage möglich machen.

International bleibt der Blick in den Sommer. Die Fußball-EM, die in zwölf verschiedenen Ländern ausgetragen wird, steht ebenfalls in Frage. UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis sagte kürzlich: "Wir haben Pläne für alles!"

Stand: 09.03.2020, 11:26

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