BVB knackt Schalkes dichtes Zentrum mit neuem System

Mahmoud Dahoud im Zweikampf mit Malick Thiaw

Analyse des Revierderbys gegen den FC Schalke

BVB knackt Schalkes dichtes Zentrum mit neuem System

Von Marcus Bark (Dortmund)

Ohne Mumm, ohne Schuss aufs Tor, ohne Chance: Der FC Schalke 04 verliert das Revierderby in der Fußball-Bundesliga und baut dabei ein paar Spieler des Gegners Borussia Dortmund auf. Dem BVB half der Wechsel des Systems. Die Analyse.

"Das war gute Arbeit. Es war nicht immer brillant, aber gute Arbeit, defensiv wie offensiv." Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc zog - angesichts seiner bei einem Revierderby nochmal gesteigerten Subjektivität - eine nüchterne wie treffliche Bilanz. Auch beim vierten Saisonsieg kassierte der BVB keinen Treffer. Gegen Schalke musste er nur eine halbwegs gefährliche Situation überstehen. Ein Schuss von Gonçalo Paciência wurde zum Eckstoß abgefälscht. So zählten die Statistiker keinen Torschuss der Schalker, deren offensive Harmlosigkeit Trainer Manuel Baum an den vielen Negativerlebnissen der vergangenen Monate festmachte: "Alles mit Ball ist Sache des Selbstvertrauens."

Diese These ist für seine Mannschaft sicher zu halten. Auf Dortmunder Seite gab es jedoch Spieler, die aufgrund der Vorwochen auch nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzten. Aber sie nutzten die Schalker als Aufbaugegner, dabei war das Konzept der Gelsenkirchener so angelegt, um genau das zu verhindern.

BVB-Coach Favre setzt erstmals auf Viererkette

Schalke spielte mit einer Fünferkette, Omar Mascarell war der "Sechser", davor gab es zwei Paare, die sich ebenfalls auffällig häufig im Zentrum aufhielten. Dortmunds Trainer Lucien Favre setzte erstmals in dieser Saison auf eine Viererkette. Ob es dem Ausfall von Emre Can (positiver Corona-Test) oder taktischen Überlegungen geschuldet war, blieb offen. Jedenfalls war es eine gute Entscheidung. Bei Ballbesitz und vorgeschobenen Außenverteidigern Thomas Meunier (rechts) und Raphael Guerreiro war der eine Spieler mehr im Mittelfeld sehr wertvoll. So zog die Borussia - gerade in den Halbräumen und auf den Flügeln - ein sicheres Kombinationsspiel bei recht hohem Tempo an.

Dortmund gegen Schalke - die Tor-Collage

Sportschau 24.10.2020 00:33 Min. Verfügbar bis 24.10.2021 ARD


Wichtige Rolle für Brandt und Dahoud

Julian Brandt und Mahmoud Dahoud, die beide erst zum zweiten Mal in der Startelf standen und bei ihren bisherigen Auftritten selten überzeugten, zeigten am Samstag (24.10.2020), dass sie eine wichtige Rolle spielen können. Sie bewegten sich im engen Zentrum gut, boten sich immer wieder als Anspielstation an und sorgten damit entscheidend für die Dominanz des BVB. Dahoud war 83-mal am Ball, Brandt 81-mal.

Bei Dahoud kamen 91 Prozent der Pässe an, bei Brandt sogar 94 Prozent. "Wir hatten sehr viel Ballbesitz, waren immer da, haben uns die zweiten Bälle geholt", sagte Brandt. Trotzdem sei es zunächst schwierig gewesen, gute Chancen herauszuspielen, weil der Schalker Mittelblock nur wenig Raum gelassen habe. Allerdings mussten sich die Dortmunder in der ersten Halbzeit auch den Vorwurf gefallen lassen, die Dominanz manchmal um der Dominanz willen auszuspielen.

Baum genervt: "Ball war immer sofort wieder weg"

Sportschau 24.10.2020 01:43 Min. Verfügbar bis 24.10.2021 ARD


Außer Dahoud und Brandt, der in der Entstehung des Treffers zum 1:0 durch Manuel Akanji mit einer technisch sehr feinen Ablage beteiligt war, überzeugten in dem geänderten System auch die Außenverteidiger.

Die schwierigsten Gegner hat Schalke hinter sich

Guerreiro war 145-mal am Ball, gab drei Torschüsse ab und leistete zwei Assists. Die Werte für Meunier waren schwächer, aber gerade im Vergleich zu seinem Auftritt in der Champions League beim 1:3 bei Lazio Rom steigerte sich der Belgier enorm. In der ersten Halbzeit verzeichnete er sogar die beste Chance des BVB, weil er gut den freien Raum erkannte und sich weit von seiner Position löste.

In der zweiten Halbzeit schossen die Dortmunder dann drei Tore, eins mehr als die Schalker in den nun vergangenen fünf Spielen. Über "Erfolgserlebnisse im Training", will Manuel Baum das Selbstvertrauen seiner Offensive aufbauen. Vermutlich wird er auch erwähnen, dass die schwierigsten Gegner nun schon hinter seiner Mannschaft liegen. Bei den Bayern (0:8), in Leipzig (0:4) und nun in Dortmund gab es - kaum überraschend - keinen Punkt. Ein Schuss aufs Tor aber wäre schon schön gewesen, auch fürs Selbstvertrauen.

Stand: 24.10.2020, 22:30

Darstellung: