Rassismus am FC Bayern Campus: Entlassener Jugendtrainer zieht Klage zurück

FC Bayern Campus

Keine Verhandlung vor Arbeitsgericht

Rassismus am FC Bayern Campus: Entlassener Jugendtrainer zieht Klage zurück

Von Matthias Wolf

Ein vom FC Bayern wegen Rassismus-Vorfällen entlassener Jugendtrainer hat seine Klage gegen den Klub vor dem Arbeitsgericht München zurückgezogen. Damit könnte die Affäre geräuschlos enden.

Der Rassismus-Vorfall am Campus, dem Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern, endet offenbar geräuschloser als erwartet. Nachdem der FC Bayern zuletzt am 16. Oktober seine internen Ermittlungen abgeschlossen hat, in deren Folge insgesamt drei Mitarbeiter den Campus verlassen mussten, weitere Angestellte eine Abmahnung erhalten hatten, wurde am Dienstag (27.10.2020) bekannt: Das für den 13. Januar 2021 terminierte Nachspiel vor dem Arbeitsgericht München bleibt aus.

Kammerverhandlung entfällt

Das Arbeitsgericht München bestätigte am Mittwoch (28.10.20) gegenüber Sport inside, dass der Jugendtrainer, von dem sich der Verein bereits am 13. August als direkte Folge der Berichterstattung von Sport inside zu den Rassismus-Vorfällen getrennt hatte, seine Klage gegen den Klub zurückgenommen hat. Der Trainer war zuvor rechtlich gegen die fristlose Kündigung vorgegangen. Ebenso wie gegen die Aufhebungs- und Abwicklungsvereinbarung, die der Verein mit ihm am 17. August ausgehandelt hatte – und die ihm keine Abfindung zusicherte. Dabei, so der Anwalt des Trainers, Christian Nohr, sei sein Mandant "mit Methoden wie im Mittelalter, als Leute an den Pranger gestellt wurden" unter Druck gesetzt worden.

Eine Gütetermin vor dem Arbeitsgericht München war Ende September gescheitert und deshalb eine Kammerverhandlung für den 13. Januar 2021 festgesetzt worden. Diese entfällt nun. Nohr hatte schon am Dienstag gegenüber Sport inside bestätigt, dass sein Mandat am Montag (26.10.2020) beendet worden sei. Mehr wolle er nicht sagen. Ob es nun zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen dem Jugendtrainer und dem FC Bayern gekommen ist und wenn ja, zu welchen Konditionen, ist derzeit noch unklar. Es sollen weitreichende Stillschweige-Vereinbarungen unterzeichnet worden sein.

FC Bayern startet neue Kampagne

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München gegen den Jugendtrainer wegen Volksverhetzung sind noch im Gange. Obendrein überlegt mindestens ein weiterer ehemaliger Jugendtrainer, ebenfalls arbeitsrechtliche Schritte gegen den Verein einzuleiten.

Dennoch: Wie der Rassismus-Skandal am Campus nun sein vorläufiges Ende findet, dürfte durchaus im Sinne des Vereins sein. "In unserem Klub dulden wir weder Intoleranz noch Diskriminierung. Dass jetzt an einer Stelle gegen unsere Grundsätze verstoßen wurde, schmerzt uns", hatte Michael Gerlinger, der Direktor Recht des FC Bayern, am 16. Oktober mitteilen lassen: "Wir werden alles dafür tun, dass sich so etwas nicht wiederholt." Der FC Bayern kündigte in diesen Tagen eine neue Kampagne für Vielfalt unter dem Slogan "Human Race" an, die im Dezember starten soll.

Stand: 28.10.2020, 15:30

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