Formel 1 - McLaren tritt in Melbourne nicht an

Der Albert Park in Melbourne

Großer Preis von Australien

Formel 1 - McLaren tritt in Melbourne nicht an

Unsicherheit vor dem Formel-1-Start auf der Vollgas-Strecke in Melbourne: Die Teams wissen nicht genau, wie Fahrer und Autos in Form sind, und das Coronavirus sorgt für Unruhe und Kritik. McLaren hat sein Team für das Rennen in Australien nach einem Corona-Fall im eigenen Team zurückgezogen.

Die Ausgangslage

Die ist vor dem ersten Saisonrennen schwer einzuschätzen. Als Favoriten gehen die üblichen Verdächtigen an den Start: Weltmeister Lewis Hamilton und sein Mercedes-Kollege Valtteri Bottas, Sebastian Vettel und Charles Leclerc im Ferrari sowie Max Verstappen im Red Bull.

Sorge vor Coronavirus

Auch in der Formel 1 ist die Sorge vor einer Ausbreitung des Coronavirus spürbar. Schon am Mittwoch (11.03.2020) galten in Melbourne vier Mitarbeiter der Teams als Verdachtsfälle, die Angestellten von Haas, McLaren und Williams wurden wegen typischer Symptome auf das Virus getestet und bleiben bis zur Klärung auf ihren Hotelzimmern.

Am Donnerstag teilte McLaren mit, sein Team für den Auftakt nach einem Coronavirus-Fall im Rennstall zurückzuziehen.

Hamilton kritisierte die Austragung des Rennens. "Ich bin sehr sehr überrascht, dass wir hier sind", sagte der Mercedes-Pilot am Donnerstag. "Ich denke, es ist großartig, dass wir Rennen haben können, aber für mich ist es schockierend, dass wir alle in diesem Raum sitzen." Hamilton verwies unter anderem darauf, dass zum Beispiel andere Sportarten wie die NBA der Coronavirus-Krise mit einer Unterbrechung ihres Betriebs begegnen. "Es scheint, als ob der Rest der Welt reagiert", sagte Hamilton.

Probleme bei den Testfahrten

Bei den Testfahrten hat Ferrari auf dem Circuit de Catalunya in Barcelona keine reibungslose Zeit erlebt. Zunächst musste Vettel wegen Unwohlseins seinen Start in die Probeläufe verschieben, dann bremste seinen SF1000 ein defektes Schmiersystem aus. Es zeigte sich aber, dass der Wagen nun über mehr Abtrieb verfügt, um schneller in den Kurven zu sein. Das war in der vergangenen Saison noch der große Schwachpunkt. "Ich glaube, die größte Stärke liegt im Speed um die Kurven", sagte Leclerc. Vettel blieb vorsichtiger: "Ich bin selbst sehr gespannt, wo wir in Australien stehen."

Mercedes sieht sich mit ungewohnten Motorenproblemen konfrontiert. Hamilton musste zwischenzeitlich seinen Silberpfeil wegen Problemen mit dem Öldruck abstellen. Dann legte er aber teilweise die Topzeiten hin.

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Spannung vor dem Start

Alle Prognosen könnten sich aber schon am Wochenende als falsch erweisen. Niemand weiß wirklich, welche Überraschungen die einzelnen Teams noch parat haben. Zudem ist Melbourne eine völlig andere Strecke als Barcelona. In Australien kann es zudem auch im Herbst noch bis zu 30 Grad heiß werden. Das erste Freie Training am Freitag (13.03.2020) könnte erste Aufschlüsse darüber geben, wie Autos und Fahrer in Form sind. "Jeder beginnt bei Null, was die Sache noch spannender macht, wenn es Richtung Qualifikation geht. Dann findet man heraus, wo man wirklich steht", sagte Verstappen.

Die Strecke

Die 5,303 Kilometer lange Strecke im Albert Park wird mit hohem Vollgas-Anteil gefahren, der liegt bei rund 70 Prozent. 58 Runden müssen die Fahrer absolvieren. Teile der Piste führen über normale Verkehrswege. Deshalb ist der Asphalt vor allem zu Beginn des Grand-Prix-Wochenendes auch recht schmutzig, die Autos haben anfangs nur wenig Grip. Erst allmählich wird die Strecke durch den Gummiabrieb griffiger und schneller. Der Kurs führt um einen künstlich angelegten See.

"Die Charakteristik der Albert-Park-Strecke verzeiht nicht, und jeder Fehler kann dich eine Menge kosten, deshalb muss man sich im Cockpit die ganze Zeit voll konzentrieren", erklärte Ferrari-Fahrer Leclerc.

Die Besonderheit

In diesem Jahr wird in Melbourne zum 25. Mal gefahren. Die Stadt am Fluss Yarra bildet wie so oft den Auftakt. Schon zum 23. Mal startet die Formel 1 dort ihre Saison.

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Gute deutsche Statistik

Die Bilanz der deutschen Fahrer kann sich sehen lassen. Drei Piloten trugen sich im Albert Park schon in die Siegerlisten ein. Michael Schumacher gewann das Rennen in Melbourne viermal (2000, 2001, 2002 und 2004) und ist damit auch Rekordsieger. Nico Rosberg siegte zweimal (2014 und 2016), Sebastian Vettel dreimal (2011, 2017 und 2018). Das macht neun deutsche Siege.

Australische Fans hoffen

Einen Podiumsplatz beim Heimrennen zu holen, das hat noch kein Australier geschafft. Die australischen Fans drücken Renault-Pilot Daniel Ricciardo deshalb besonders die Daumen, und der ist natürlich ganz besonders motiviert. Ricciardo war 2014 nah dran am Podesplatz, doch damals wurde sein zweiter Rang aberkannt.

Schlechte Stimmung wegen Ferrari

Ferrari sieht sich mit Betrugsvorwürfen konfrontiert. Nach der Sommerpause der vergangenen Saison waren die "Roten" verdächtig schnell, die Konkurrenz vermutete schon damals Tricksereien am Motor. Kurz vor Saisonende konfiszierte der Weltverband daraufhin einen Ferrari-Antrieb, untersuchte ihn monatelang - und schloss die Ermittlung vor wenigen Tagen ab. Ohne offizielles Ergebnis, ohne offizielle Strafe, dafür mit einer nicht näher benannten "Einigung" mit Ferrari. Und plötzlich ist das rote Auto langsam. Wenig verwunderlich, dass gleich sieben Rennställe in seltener Geschlossenheit protestieren. Mercedes, Red Bull und Co. zeigen sich "überrascht und schockiert" von dieser Lösung, die wie ein schlecht kaschierter Kuhhandel wirke.

red/sid/dpa | Stand: 11.03.2020, 10:50

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