Hülkenberg soll aberkannte Punkte zurückholen

Nico Hülkenberg

Kopier-Affäre um Racing Point

Hülkenberg soll aberkannte Punkte zurückholen

Zweite Chance für Nico Hülkenberg, Punktabzug und Geldstrafe für Racing Point in der Kopier-Affäre: Die Formel 1 sah am Freitag komplett Rosa.

Beim zweiten Mal passte alles ein bisschen besser für Nico Hülkenberg. Keine überstürzte Anreise, kein nächtliches Sitzgießen, kein zwickender Overall, auch "der Nacken ist deutlich stabiler". Und doch hakte etwas beim Formel-1-Ersatzmann des erneut positiv auf Covid-19 getesteten Sergio Perez: Hülkenbergs Racing-Point-Rennwagen ist ganz offiziell keine legale Kopie des Weltmeister-Silberpfeils aus dem Vorjahr mehr - und doch darf der "pinke Mercedes" wohl bis zum Jahresende seine hochumstrittenen Bremsschächte einsetzen.

Der Automobil-Weltverband traf am Freitagmittag (08.08.2020) eine Entscheidung, welche die Formel 1 nun noch einige Zeit beschäftigen wird. Wie die FIA in einem 14-seitigen Urteil samt Begründung mitteilte, wird Racing Point in der Kopier-Affäre mit 400.000 Euro Geldstrafe und dem Abzug von 15 WM-Punkten in der Konstrukteurswertung belegt.

Renault, Ferrari und McLaren halten sich Einspruch offen

Das britische Team, das 2021 Aston Martin heißen wird und um die Dienste von Sebastian Vettel buhlt, hatte anschließend 24 Stunden Zeit, Protest anzukündigen. Gebrauch machte davon aber zunächst die Konkurrenz: Renault, Ferrari und auch McLaren reichten die formal notwendige Absichtserklärung für einen Einspruch ein. Sie haben nun 96 Stunden Zeit, eine Beschwerde inhaltlich zu unterfüttern und offiziell einzureichen. Alle hatten sich einen härteren Richterspruch erhofft.

"Wir haben das Regelwerk genau gelesen und denken, dass wir alles befolgt haben", verteidigte sich RP-Teamchef Otmar Szafnauer bei "Sky". Allerdings ist das Urteil für die "Pink Panther" nur auf den ersten Blick eine herbe Niederlage, denn "die Bremsschächte entsprechen dem Reglement. Wir können damit bis Jahresende fahren", erklärte Szafnauer. Einzig der Designprozess war nicht regelkonform, sagt die FIA.

Strafe nur für Großen Preis der Steiermark

Damit könnte sein Team den im Zuge des Urteils an Renault verlorenen fünften Platz in der Konstrukteurs-WM schnell zurückerobern - ein Geschmäckle bleibt haften. Das französische Werksteam hatte nach dem zweiten Saisonrennen in Spielberg sowie den folgenden Läufen in Budapest und Silverstone Protest gegen den RP20 eingelegt. Renault warf Racing Point vor, die vorderen und hinteren Bremsbelüftungen nicht selbst entworfen, sondern das Design von Mercedes unerlaubt kopiert zu haben. Die FIA gab dem statt.

Das Strafmaß der FIA-Kommissare bezieht sich jedoch konkret nur auf den Großen Preis der Steiermark am 9. Juli, bezüglich der weiteren Proteste beließ es das Gremium bei Verwarnungen. Dieses Strafmaß sei "verhältnismäßig" gemessen am Gesamtvergehen, begründete die FIA.

Regeländerung steht bevor

Der diesjährige Racing Point sieht dem Weltmeister-Silberpfeil von 2019 auffallend ähnlich, der Bolide hatte wegen seiner Lackierung schnell seinen Spitznamen weg: pinker Mercedes. Das britische Team übernimmt regelkonform die Motoren sowie mehrere Teile, einschließlich der Aufhängung, von Mercedes. Dies traf bis vor Kurzem auch auf die Bremsschächte zu, 2020 aber nicht mehr. Kopieren ist in der Formel 1 nur anhand von Fotos erlaubt, allerdings soll dem Abkupfern künftig Einhalt geboten werden. FIA-Technikchef Nikolas Tombazis erklärte am Freitag, dass der Verband die Regeln für 2021 anpassen möchte. Man werde es "weiter akzeptieren, wenn einzelne Teile kopiert werden. Aber wir möchten nicht, dass das ganze Auto eine Kopie eines anderen Autos ist." Für die laufende Saison dürfte die FIA damit Ruhe haben. Kaum ein Tochter- oder Kunden-Team dürfte auf die Schnelle in der Lage sein, bestimmte Teile zum eigenen Vorteil ins bestehende Wagendesign einzufügen.

Hülkenberg weiter mit Eigenwerbung

Teilzeitarbeiter Hülkenberg hat nun die Aufgabe, die am grünen Tisch wohl verlorenen Punkte für Racing Point auf der Strecke zurückzuholen - und damit auch Eigenwerbung für ein Cockpit in der kommenden Saison zu machen.

Der Aufgalopp vor dem fünften Saisonrennen (Sonntag, 15.10 Uhr/im Ticker) verlief mit Rang sechs überaus ordentlich. Vorne zogen mal wieder die beiden "echten" Mercedes mit Weltmeister Lewis Hamilton und Valtteri Bottas am Steuer einsam ihre Kreise.

red/sid/dpa | Stand: 07.08.2020, 17:35

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