Vettel bei Ferrari nicht mehr die Nummer eins

Sebastian Vettel beim Grand Prix in Mexiko

Präsentation in italienischem Theater

Vettel bei Ferrari nicht mehr die Nummer eins

Das Formel-1-Jahr 2019 verlief für Ferrari und Sebastian Vettel enttäuschend. Rund um die Präsentation des neuen Boliden für die kommende Saison wurde klar: Der Deutsche ist nicht mehr die klare Nummer eins.

Vettel erhält in dieser Saison vorerst keine Vorfahrt mehr vor seinem Stallrivalen Charles Leclerc. "Charles hat ein Jahr Erfahrung mit uns hinter sich. Sie werden auf demselben Level sein, sie können beide darum kämpfen, vorne zu sein", sagte Teamchef Mattia Binotto. Beide sollen demnach erstmal frei fahren dürfen.

Zu Beginn der vergangenen Saison hatte noch Vettel (32) den Status als Nummer eins zugesprochen bekommen. Der damalige Ferrari-Neuling Leclerc (22) ließ den viermaligen Weltmeister dann aber mehrere Male hinter sich und landete auch in der WM-Wertung als Vierter direkt vor dem Deutschen. "Das ändert nichts", meinte Vettel: "Wir sind schon im vergangenen Jahr unter gleichen Bedingungen gestartet und tun das in diesem Jahr genauso."

Formel-1-Experte Andreas Troll: "Leclerc ist für Ferrari die Zukunft" Sportschau 12.02.2020 00:42 Min. Verfügbar bis 12.02.2021 Das Erste

"Brauchst du das schnellste und das zuverlässigste Auto"

Die Bühne ist bereitet. Ferrari stellte am Dienstag (11.02.2020) das neue Formel-1-Auto im Theater Romolo Valli in Reggio Emilia vor. Das liegt gerade mal rund 30 Kilometer vom Hauptquartier in Maranello entfernt.

Präsentation des neuen Scuderia Ferrari SF1000

Präsentation des neuen Scuderia Ferrari SF1000

Binotto hat eine deutliche Verbesserung des neuen Boliden im Vergleich zum insgesamt enttäuschenden SF90H, der nur drei von 21 Rennen gewann, versprochen. "Es stimmt, dass wir viel mehr Rennen hätten gewinnen können, doch um einen Titel zu holen, brauchst du das schnellste und das zuverlässigste Auto", sagte Binotto: "Wir müssen eine Lücke schließen, und das ist machbar."

Mehr Geld für das Auto

Die Szene blickte also gespannt nach Reggio Emilia, auch weil der Traditions-Rennstall schon verbal vorgelegt hatte. "Ferraris Ambition bleibt der WM-Titel. Wir werden stark in die Entwicklung des Autos 2020 investieren", hatte Ferrari-Chef Louis Camilleri gesagt: "Dieses Jahr wird für die Formel 1 ein wichtiges." Der Rennstall werde auch die Infrastruktur in Maranello weiter verbessern. "Es wird ein signifikantes Investitionswachstum geben", sagte Camilleri.

Ferrari will mit dem SF 1000 wieder Titel holen Sportschau 12.02.2020 00:44 Min. Verfügbar bis 12.02.2021 Das Erste

Deutlich mehr Anpressdruck

Der neue Wagen soll nach der enttäuschenden Saison 2019 jetzt endlich der große Wurf sein. Schon im vergangenen Jahr hatte der Motor mehr Power als der von Mercedes, gereicht hat es zum WM-Titel dennoch nicht. Sebastian Vettels künftiger Wagen soll über deutlich mehr Anpressdruck verfügen. Damit soll die zuletzt eklatante Schwäche in den Kurven behoben werden. Binotto sprach vor der Attacke auf die Silberpfeile von "ziemlich erheblichen Änderungen".

"Es gibt Potenzial, dass wir uns steigern können, dass wir Kleinigkeiten besser machen können und müssen, die dann eine relativ große Auswirkung haben", sagte Vettel und meinte damit zum Beispiel auch die Arbeit an den Boxenstopps: "Als Team müssen wir uns steigern, als Einzelner muss ich mich steigern."

Dreikampf um den Titel

Seit 2007 warten die "Roten" auf den WM-Titel, damals siegte der Finne Kimi Räikkönen, 2008 feierte das Team zum bisher letzten mal die Konstrukteurs-WM. "Ich habe nicht geleistet, was ich leisten kann", hatte Vettel zuletzt über sein verkorkstes Vorjahr gesagt.

Formel 1: Vettels nächstes schwieriges Jahr

Sportschau 18.12.2019 01:51 Min. Verfügbar bis 19.12.2020 ARD

Ferraris Problem ist, dass auch Red Bull im Titelkampf kräftig mitmischt. 2019 war Max Verstappen hinter den beiden "Silberpfeilen" auf Rang drei gelandet. "Wir wollen vor allem Mercedes vor eine Herausforderung stellen. Und ich denke auch, dass wir das tun können", sagte der Niederländer und schielt nach ganz oben: "Lewis Hamilton ist sehr gut, er ist ganz bestimmt einer der Besten, aber er ist nicht Gott."

Testfahrten starten am 19. Februar

Was die Vorstellung der neuen Boliden angeht, geht es jetzt Schlag auf Schlag. Schon am Mittwoch (12.02.20) präsentiert das Red-Bull-Team von Verstappen den RB16. Am Donnerstag ist dann McLaren an der Reihe, am Freitag folgen Alpha Tauri (ehemals Toro Rosso) und Mercedes. Die letzten Teams im Vorstellungs-Reigen sind Alfa Romeo und Haas, die ihre Autos erst am 19. Februar in Barcelona der Öffentlichkeit zeigen. Dort starten dann auch die ersten offiziellen Testfahrten (bis 21. Februar).

22 Rennen, keins in Deutschland

Der erste Grand Prix startet am 15. März im australischen  Melbourne, das Finale steigt am 29. November in Abu Dhabi. In Deutschland gibt es in der neuen Saison keinen Grand-Prix. Der Weltverband hat das Rennen auf dem Hockenheimring gestrichen. Neu im Rennkalender sind Vietnam und die Niederlande. Insgesamt stehen 22 Rennen auf dem Programm.

Auch auf dem Fahrermarkt tat sich was: Esteban Ocon, zuvor Ersatzfahrer bei Mercedes, fährt jetzt für Renault, wo er Nico Hülkenberg ersetzt. Nicholas Latifi geht für Williams an den Start - anstelle von Robert Kubica.

red/sid/dpa | Stand: 12.02.2020, 07:56

Darstellung: