Quo vadis, Sebastian Vettel?

Ferraris Sebastian Vettel

Großer Preis von Österreich

Quo vadis, Sebastian Vettel?

Von Jo Herold

Sebastian Vettels Start in die Formel-1-Saison 2020 hätte schlechter kaum laufen können. Erneut produzierte der viermalige Weltmeister einen schlimmen Fehler - und beklagte sich hinterher. Das Verhältnis zu Teamchef Binotto scheint zerrüttet. Wohin geht die Reise von Vettel?

"Es war einfach der Wurm drin", sagte Vettel nach seinem zehnten Rang beim Großen Preis der Formel 1 in Österreich bei "sky" und versuchte mit dem Allgemeinplatz seine Aussagen zu relativieren, die er Sekunden zuvor getroffen hatte: Das Auto habe er nicht wiedererkannt gegenüber den Vortagen, an denen es übrigens auch schon nicht richtig lief für den Ferrari-Piloten - Qualifikationsrang elf spricht da eine eindeutige Sprache. Aber Vettel äußerte weiter unverhohlen Kritik an Ferrari: "Wir waren das ganze Wochenende zu langsam. Ich bin eineinhalb Sekunden langsamer als am Freitag im Training. Das kann nicht ganz stimmen." Die Kluft zwischen dem früher so erfolgreichen Fahrer und seinem Noch-Arbeitgeber scheint weiter aufzureißen. Vor allem: Vettel produzierte wieder im Rennen einen Fehler, der auch in Nachwuchsserien mit einem deutlichen Naserümpfen der Teamchefs quittiert wird - eines Weltmeisters in jedem Fall nicht würdig.

Klare Absage von Mercedes

Zusätzlich erhielt der 33-Jährige kurz vor dem Rennen einen heftigen Dämpfer - und das nicht von Ferrari-Seite. Vettel hatte sich vor dem Spielberg-Wochenende erneut beim Spitzenteam Mercedes ins Gespräch gebracht. Doch diesen Plänen erteilte Daimler-Konzernchef Ola Källenius eine deutliche Absage: "Wir bleiben bei unseren zwei Jungs", sagte Källenius bei "sky" und meinte damit die Mercedes-Stammfahrer Valtteri Bottas und Lewis Hamilton.

Formel 1 - Bottas siegt in Österreich vor Leclerc

Sportschau 05.07.2020 01:04 Min. Verfügbar bis 05.07.2021 ARD

Sebastian Vettel fügte in Spielberg seinen unerklärlichen Fehlern in seinen Ferrari-Jahren einen weiteren dicken Bock hinzu. Neu ist, dass der Routinier nun von seinen Fehlern ablenkt und andere dafür verantwortlich macht. Teamkollege Charles Leclerc, mit einem identischen Auto unterwegs, wurde dank besonnener Fahrweise, sauberen Überholmanövern im richtigen Moment und auch einer ordentlichen Portion Fortune Zweiter beim Saisonauftakt.

Vettel: abgehängt

Schon 2019 war der Star von seinem neuen jungen Teamkollegen Leclerc abgehängt worden. Der ist 22 Jahre alt und Teil einer Rennfahrer-Generation, die gerade mit aller Macht in die Königsklasse des Sports drängt. Carlos Sainz (25, Vettels designierter Nachfolger bei Ferrari), Lando Norris (20, Dritter in Spielberg), Alex Albon (24) und nicht zuletzt der 22 Jahre alte Max Verstappen (beide Red Bull, beide wegen technischer Probleme in Österreich nicht im Ziel) machen es den arrivierten Piloten im Fahrerfeld derzeit richtig schwer. In den Nachwuchsserien lauern Toptalente wie Mick Schumacher - und beim Partnerteam Alfa Romeo hat Ferrari seinen aktuellen Ersatzfahrer Antonio Giovinazzi geparkt. Und auch das dürfte Vettel nicht schmecken: Giovinazzi kam beim Saisonauftakt vor ihm ins Ziel. Eine Demütigung auf der ganzen Linie.

Quo vadis, Sebastian Vettel?

Es stellt sich also die Frage, wie es mit Sebastian Vettel weitergeht. Nicht nur nach dieser Saison, sondern bereits nach diesem Rennen. Denn aktuell gibt die Fahrer-Team-Ehe ein katastrophales Bild ab - unüberbrückbare Differenzen scheinen die Verbindung zu zerstören. Der Fahrer fühlt sich von den Italienern abserviert, mit ihm wurde vor der laufenden Saison über eine mögliche Vertragsverlängerung nicht gesprochen. Das gab Teamchef Mattia Binotto denn auch in Spielberg unumwunden zu. Kein guter Stil. Und Vettel scheint nun verständlicherweise zu schmollen.

Ob der früher so gefeierte Ausnahmefahrer die Saison 2020 komplett absolvieren wird? Oder geben er oder das Team die vorzeitige Trennung bekannt? Aktuell scheint nichts unmöglich zu sein, vorzeitige Vertragsauflösungen sind im Sport an der Tagesordnung. So oder so: Die Trennung hat bereits jetzt einen sehr faden Beigeschmack.

Stand: 05.07.2020, 19:00

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