Elia Viviani jubelt als Sieger der Bahnrad-Ausscheidung als neuer Europameister bei den European Chamionships 2022

Fünf Stunden nach Straßenrennen Gold auf der Bahn Radsport-EM - Die Meisterleistung des Elia Viviani

Stand: 15.08.2022 10:55 Uhr

Die deutschen Bahnradfahrer glänzen bei den European Championships. Am Sonntag wurden sie aber von einem außergewöhnlichen Italiener noch in den Schatten gestellt.

Von Olaf Jansen

Wer immer schon einmal ein über 200 Kilometer langes Radrennen gefahren ist, weiß, wie kaputt man nach einer solchen Belastung ist. Danach geht normalerweise erst einmal gar nichts mehr. Ganz anders lief das am Sonntag (14.08.2022) beim Italiener Elia Viviani. Der 33-Jährige, der seit 2010 Radsport professionell sowohl auf der Bahn wie auf der Straße betreibt, legte bei den European Championships eine echte Meisterleistung in Sachen Ausdauersport hin.

Fünf Stunden Massage reichten

Nachdem Viviani das knapp 208 Kilometer lange Straßenrennen kurz nach 15 Uhr auf Rang sieben beendet hatte, kehrte er gegen 20 Uhr zum Wettbewerb zurück. Diesmal bei den Bahn-Europameisterschaften, die ebenfalls in München ausgetragen wurden.

Und da wurde er im Trikot des amtierenden Weltmeisters Europameister im Ausscheidungsfahren vor dem Deutschen Theo Reinhardt und dem Belgier Jules Hesters. "Was für ein Tag", schrie Viviani nach seinem Triumph, und er hatte Recht: Es war eine echte Meisterleistung.

"Das war ein langer Arbeitstag"

"Das war ein langer Arbeitstag, zunächst ein gutes Straßenrennen, auch wenn wir Italiener mit dem siebten Platz nicht zufrieden sein können. Wir hatten ja zuvor viermal in Folge den EM-Titel gewonnen, also hofften wir auf mehr, zumindest auf eine weitere Medaille", sagte Viviani in einem Interview mit dem Radsportweltverband UCI.

Elia Viviani beim Straßenradrennen im Rahmen der European Chamionships 2022

Elia Viviani - auf der Straße

Radsport bei den European Championships 2022 in München: Theo Reinhardt gelingt nach einer hart umkämpften Ausscheidung der zweite Platz.

"Man kann nur den Hut ziehen"

Was tagsüber mit den Kollegen auf der Straße nicht glückte, holte Viviani abends nach. "Wir wollten nach dem Straßenrennen einfach schauen. Ich habe mich gut erholt, erhielt eine gute Massage und ich war ziemlich zuversichtlich. Die Form war da, nachdem ich eine komplette Woche auf der Bahn trainiert hatte“, so Viviani, der nach einem Ruhetag auch noch am Dienstag im Madison starten wird.

"Er ist Weltklasse, ein Ausnahmeathlet, ganz klar. Man kann nur den Hut ziehen", sagte Reinhardt, der sich beeindruckt von Vivianis Doppel-Start zeigte: "Sowas kann an gewissen Tagen gut funktionieren, dieses Mal hat es gut funktioniert. Er kann sich durchsetzen im Feld, das ist ein Riesenvorteil."

Viviani - von Jugend an auf Bahn und Straße

Viviani, der in Venetien geboren wurde, hatte sich nie für eine der beiden Radsport-Disziplinen entscheiden können. Schon 2006 holte er als 17-Jähriger bei den Junioren erste internationale Titel auf der Bahn, um im gleichen Jahr auch auf der Straße nahmhafte italienische Rennen zu gewinnen.

Neun Etappensiege bei den "Grand Tours"

2010 unterschrieb er bei Liquigas seinen ersten Vertrag als Straßen-Profi. Als herausragender Sprinter gewann er in den Folgejahren unter anderem fünf Etappen beim Giro d'Italia, drei bei der Vuelta und einmal stand er bei einem Tagesabschnitt der Tour de France ganz oben auf dem Treppchen. Als gleich dreimaliger Gewinner der Hamburg Cyclassics ist er auch in Deutschland bestens bekannt.

Die glänzendsten Medaillen holte Viviani aber auf der Bahn: 2016 in Rio wurde er Olympiasieger im Omnium, 2021 in Tokio wurde er in der gleichen Disziplin mit Bronze belohnt.