European Championships Sensation im Tischtennis - drei deutsche Frauen im Halbfinale

Stand: 19.08.2022 21:50 Uhr

Die deutschen Tischtennis-Frauen brechen bei den European Championships alle Rekorde. Gleich drei von ihnen zogen ins Einzel-Halbfinale ein. Sie alle haben schon eine Medaille sicher. Auch im Männer-Einzel ist Edelmetall bereits abgesichert.

Sabine Winter sorgte am Freitagabend (19.08.2022) für Jubelstürme in der Rudi-Sedlmayr-Halle. Die 29-Jährige zog mit einem überraschend deutlichen 4:0 (11:9, 11:8, 11:7, 11:6) gegen die Italienerin Giorgia Piccolin ins Halbfinale ein. Und hat damit bereits eine Medaille sicher. Denn an beide unterlegenen Halbfinalisten wird bei der EM eine Bronzemedaille vergeben.

Für Winter ist das der größte Erfolg in ihrer Karriere - zumindest als Einzelspielerin. Jetzt winkt für die Kämpferin, die so eine wunderbare Vorhand spielt, der ganz große Wurf. "Nachdem es im Doppel und im Mixed nicht so gut gelaufen ist, kann ich die EM jetzt doch noch als gerettet ansehen. Egal, wie es jetzt ausgeht", meinte Winter.

Im Halbfinale am Samstag trifft sie auf die Österreicherin Sofia Polcanova.

Mittelham - sensationelle Aufholjagd dreht das Match

Und dann kam Nina Mittelham. Gegen die Französin Jianan Yuan sah die 25-jährige Deutsche in der Frühphase des Matches nicht so glücklich aus. Nach knapp gewonnenem ersten Satz musste sie die beiden nächsten Durchgänge gegen die dominierende Gegnerin deutlich abgeben.

Tischtennis bei den European Championships in München: die Viertelfinalpartie von Nina Mittelham gegen Jianan Yuan aus Frankreich in voller Länge.

Doch die aufstrebende Deutsche rappelte sich auf, biss sich regelrecht in dieses Match. Sie bemühte sich, die Ballwechsel mehr zu dominieren und drückte der Gegnerin zunehmend ihr Spiel auf.

Sensationell ihre Aufholjagd im sechsten Satz, als sie aus einem 5:9-Rückstand einen 11:9-Satzgewinn machte. Das brach am Ende auch den Willen ihrer Gegnerin. Am Ende gewann Mittelham mit 4:3 (13:11, 5:11, 5:11, 11:7, 8:11, 11:9, 11:6) und zog ebenfalls ins Halbfinale ein.

Shan Xiaona gewinnt Marathon-Match

Und dann war da ja auch noch Shan Xiaona. Die Silbermedaillengewinnerin von 2021 musste gegen die Portugiesin Jieni Shao über die volle Distanz von sieben Sätzen und behielt am Ende ebenfalls die Oberhand.

Die 39-Jährige spielte im siebten Satz ihre ganze Erfahrung aus und gewann das Match, das immer hin- und herwogte mit 4:3 (9:11, 14:12, 11:6, 10:12, 11:8, 9:11, 11:8). Xiaona und Mittelham stehen sich am Samstag im zweiten Halbfinale gegenüber.

Boll macht kurzen Prozess

Timo Boll, der in seinem Auftaktmatch gegen den Polen Samuel Kulczycki um ein Haar ausgeschieden wäre, begeisterte ebenfalls die Fans am Freitag. Zunächst bezwang er den stark eingeschätzten Lubomir Jancarik aus Tschechien mit 4:0 (13:11, 11:3, 11:1, 11:2). Die letzten drei Sätze dauerten nur 13 Minuten. "Es freut mich, wenn es dann zum Ende hin entspannt ist und ich Spielfreude aufblitzen lassen kann", sagte er.

Timo Boll

Groß in Form: Timo Boll

Wenige Stunden später machte es der Altmeister dann noch deutlicher: Gegen Wang Yang aus der Slowakei siegte er in einer völlig einseitigen Partie erneut mit 4:0 (11:1, 11:8, 11:6, 11:5) und zog damit ins Viertelfinale ein. Der erste Satz hatte dabei gerade einmal drei Minuten gedauert.

"Gegen derlei Abwehrspieler habe ich im Moment immer gute Antworten", sagte Boll nach der Partie. Er war vor allem mit seinem körperlichen Zustand glücklich: "Ich konnte mich heute gut bewegen. Wenn das so ist, kann ich gegen diese Gegner auch gut spielen."

Ovtcharov kämpft sich gegen Portugiesen durch

Auf dem Weg ins Achtelfinale hatte auch der zweite deutsche Top-Spieler, Dimitrij Ovtcharov zunächst keine Probleme. Er besiegte den Ungarn Csaba Andras mit 4:0 (11:8, 11:7, 11:8 und 11:8).

Wesentlich enger wurde anschließend das Match gegen den Portugiesen Marcos Freitas. Bis zum 3:3-Zwischenstand war die Partie absolut ausgeglichen, ehe Ovtcharov sich um ein Quäntchen steigerte, während seinem Gegner ein paar kleinere Flüchtigkeitsfehler unterliefen. Ovtcharov gewann am Ende nach 1:05 Stunden Spielzeit mit 4:3 (11:8, 8:11, 11:7, 11:13, 11:9, 10:12, 11:5).

Dang Qiu ringt Doppelpartner Duda nieder

In einem rein deutschen Duell im Kampf um den Einzug unter die letzten acht hatte Dang Qiu die Nase vorn gegen seinen Freund und Doppelpartner Benedikt Duda aus Bergneustadt. Qiu zeigte sich insgesamt stabiler und in den entscheidenden Phasen konstanter und gewann mit 4:1 (11:7, 11:7, 8:11, 11:9, 13:11). Qiu trifft im Viertelfinale nun auf den nächsten Deutschen: sein Gegner wird Timo Boll sein. Damit ist auch schon klar, dass eine Einzel-Medaille ins deutsche Team geht. Denn wer im Halbfinale steht, hat eine Medaille sicher. Und einem der beiden wird das sicher gelingen.

Dang, erster deutscher Nationalspieler mit der Penholder-Griffhaltung aus der Heimat seiner chinesischen Eltern, blickte seinem zweiten teaminternen EM-Match in Folge fast ehrfürchtig entgegen: "Timo ist achtmaliger Europameister, und die EM ist sein Haus- und Hofturnier - ich  muss das beste Tischtennis meines Lebens spielen."

Ausgeschieden ist im Achtelfinale hingegen Patrick Franziska, der gegen Tiago Apolonia aus Portugal mit 2:4 unterlag.