Sensation bei der Darts-WM - Chisnall demontiert van Gerwen

Michael van Gerwen (rechts) verliert bei der Darts-WM in London gegen Dave Chisnall

Viertelfinale in Londoner Alexandra Palace

Sensation bei der Darts-WM - Chisnall demontiert van Gerwen

Von Christian Hornung

Nach Weltmeister Peter Wright hat es bei der Darts-WM in London jetzt auch den Weltranglistenersten Michael van Gerwen erwischt - und wie. Gegen Lokalmatador Dave Chisnall erlebte "MvG" ohne einen Satzgewinn eine gnadenlose Vorführung.

Der dreimalige Weltmeister van Gerwen hatte zuletzt vor zwei Jahren im Alexandra Palace triumphiert - auch diesmal war er spätestens nach dem Aus von Wright im Achtelfinale gegen Gabriel Clemens der klare Favorit. Doch das schien Chisnall nicht im Geringsten zu beeindrucken.

107 Punkte im Durchschnitt

Der Engländer legte am Neujahrstag mit einer furiosen Vorstellung von Beginn an ein Tempo vor, dem selbst Schnellspieler van Gerwen zu keinem Zeitpunkt folgen konnte. Bei seiner 5:0-Demontage nutzte "Chizzy" dann auch gleich seinen ersten Matchdart.

Die Nummer acht der Setzliste, die nun am Samstag im Halbfinale auf den Schotten Gary Anderson trifft, kam am Ende auf einen herausragenden 107,4er-Schnitt und verpasste einen der ganz seltenen "Neun-Darter" auch nur um Millimeter auf die Doppel-12.

"Das war wohl der größte Sieg meiner Karriere", sagte Chisnall hinterher beeindruckt von sich selbst. "Ich weiß, dass Michael hier nicht sein A-Game gezeigt hat, aber ich habe es geschafft, trotzdem immer den Fokus absolut oben zu halten."

Anderson stark gegen den "Auberginen-König"

Gary Anderson bei der Darts-WM

Völlig chancenlos: Gary Anderson im Finale der Darts-WM

In der Nachmittags-Session hatte sich Chisnalls Halbfinalgegner Anderson zuvor klar gegen Dirk Van Duijvenbode durchgesetzt. Der Niederländer, der hauptberuflich auf einer Auberginen-Farm arbeitet und deshalb vom Rest der Dartsszene den Spitznamen "Auberginen-König" bekam, hatte schon vor dem Match gegen den "Flying Scotsman" ein kleines mentales Problem eingeräumt: "Es ist ein komisches Gefühl, gegen sein großes Idol zu spielen. Und man fragt sich fast, ob man es überhaupt schlagen darf."

Trotzdem legte Van Duijvenbode gut los, kam dann aber komplett unter die Räder. Anderson, Weltmeister von 2015 und 2016, spielte ein Riesenmatch und ließ seinen jungen Gegner nach dem verlorenen ersten Satz überhaupt nicht mehr zum Atmen kommen. Am Ende stand ein klares 5:1, mit dem Anderson auch ein deutliches Statement setzte: Er ist in der Form, hier den Weltmeistertitel zu gewinnen.

Beeindruckend beim Schotten waren auch seine Quoten: Sein Drei-Dart-Durchschnitt lag am Ende bei starken 101,07 Punkten, bei den Würfen auf die Doppelfelder lag er mit 50 Prozent gegenüber knapp 39 von van Duijvenbode ebenfalls deutlich vorn.

Bunting weiter in der Form seines Lebens

Im ersten Viertelfinalspiel am Neujahrstag hatte sich zuvor der Engländer Stephan Bunting mit 5:3 gegen den Polen Krzysztof Ratajski durchgesetzt. Ratajski hatte in der Runde zuvor die WM-Träume des Deutschen Gabriel Clemens in einem packenden Match beendet.

Der frühere BDO-Weltmeister Bunting begann sein Match gegen den Polen überragend, lag schnell mit 3:0 Sätzen vorne. Dabei warf er gleich viermal ein Leg mit einem sogenannten "High Finish", also mehr als 100 Punkten aus.

170 Punkte zum vierten Satzgewinn

Im fünften Satz schaffte Bunting am Ende sogar das maximale Finish von 170 Punkten. Doch Ratajski kämpfte beeindruckend, fand zu seiner guten Form zurück und kam auf 3:4 heran.

Als es eng zu werden drohte, drehte Bunting aber wieder auf und gewann den letzten Durchgang mit 3:0 Legs.

Krimi zwischen Price und Gurney

Zum Start in die Night Session gab es einen Krimi: Der Waliser Gerwyn Price, Nummer drei der Weltrangliste, bezwang den Nordiren Daryl Gurney mit 5:4. Price zog während der Partie mit vielen Aufs und Abs auf beiden Seiten zunächst davon, Gurney kam aber immer wieder zurück.

Im letzten Satz half Price, dass er ihn mit dem eigenen Anwurf beginnen konnte - so reichte es schließlich mit dem denkbar knappsten Ausgang von 3:2 Legs. Gurney hätte am Ende eine 108 auschecken müssen, als er daran scheiterte, nutzte Price gleich seinen ersten Matchdart auf die Doppel-20.

Stand: 01.01.2021, 22:23

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