Schwerer Sturz von Leyhe überschattet Quali in Trondheim

Stephan Leyhe

"Raw Air" 2020

Schwerer Sturz von Leyhe überschattet Quali in Trondheim

Manchmal ist der Sport auch im Skispringen nur Nebensache. Bei der Qualifikation für das Einzelspringen der "Raw-Air"-Serie in Trondheim stürzte Stephan Leyhe aus Willingen schwer. Der Sieg von Ryoyu Kobayashi ist an diesem Tag nur eine Randnotiz.

Stephan Leyhe war nach dem zweitweitesten Sprung im Trainingsdurchgang als Mitfavorit über den Bakken gegangen. Ihm gelang auch ein sehr hoher, nahezu perfekter Sprung auf sagenhafte 141,5 Meter. Doch nach der Landung verlor der Deutsche das Gleichgewicht, drehte sich leicht und fiel mit den Armen voraus in den Auslauf. Ein paar Sekunden lang blieb Leyhe regungslos liegen. Dann konnte er sich zumindest hinsetzen und seine Arme bewegen. Allerdings vermochte er es nicht, den Auslauf selbstständig auf eigenen Beinen zu verlassen, sondern er wurde, begleitet von medizinischen Betreuern und Helfern, liegend auf einem Motorschlitten aus dem Innenraum gefahren.

Verdacht auf Kreuzbandriss

Der 28-Jährige aus Willingen, der in der "Raw-Air"-Wertung auf einem aussichtsreichen zweiten Platz lag, wurde in ein Krankenhaus gebracht. Eine genaue Diagnose gab es naturgemäß unmittelbar nach dem Sturz noch nicht. Wie der Deutsche Skiverband bestätigte, besteht der Verdacht auf einen Kreuzbandriss. Leyhe fliegt am Donnerstag zurück nach Deutschland, wo das Knie weiter untersucht werden soll.

Sollte sich der Verdacht bestätigten, würde sich eine schwarze Serie bei den DSV-Adlern fortsetzen. Olympiasieger Andreas Wellinger und David Siegel kamen wegen Kreuzbandrissen in dieser Saison noch gar nicht zum Einsatz, Severin Freund kämpft sich nach gleich zwei schweren Verletzungen derzeit in die Weltspitze zurück. Leyhe war fast auf den Tag genau vor einem Jahr ebenfalls bei der Raw Air gestürzt, damals in Oslo. Damals war Leyhe glimpflich davon gekommen.

Eisenbichler bestätigt gute Form

Theoretisch haben sich alle sieben deutschen Skispringer für das Einzelspringen am Freitag (13.03.2020) qualifiziert. Bester Deutscher war Markus Eisenbichler (Siegsdorf), der mit einem Sprung auf 134,5 m Fünfter wurde. Karl Geiger, der Zweitplatziwerte im Gesamtweltcup, landete mit 126,5 m auf Rang 13 - fünf Plätze hinter seinem großen Rivalen Stefan Kraft aus Österreich (130 m). Die Qualifikation, die auch zur "Raw-Air"-Wertung zählt, gewann der Japaner Ryoyu Kobayashi mit 135 m. Er profitierte auch von den guten Haltungsnoten, denn neben Leyhe kamen auch die beiden Norweger Johann Andre Tande und Marius Lindvik (jeweils 135,5 m) auf eine größere Weite.

Severin Freund mit stabilem Sprung

Für Pius Paschke (125 m) und Constantin Schmid (122,5 m) reichte es zu den Rängen 29 und 37. Durchaus erfreulich auch das Abschneiden von Severin Freund, der einen sehr stabilen Sprung und eine schöne Telemarklandung zeigte, auch wenn 121 m an diesem Tag keine Topweite darstellten. Immerhin reichte es zu Platz 44 und damit zur Qualifikation für das Einzelspringen.

Martin Hamann hatte mit seinem Sprung auf 118,5 m das Finale eigentlich schon verpasst. Dem Youngster im Team fehlten nur 0,9 Punkte auf den vor ihm liegenden Russen Mikhail Nazarow (121 m). Durch die nachträgliche Disqualifikation des Slowenen Anze Lanisek, dessen Anzug nicht den Regularien entsprach, rückte er noch

"Raw Air"-Tour: Zehn Tage Skispringen

Die Skispringer haben bereits die Stationen Oslo und Lillehammer hinter sich, es folgen Trondheim und Vikersund Sechs Weltcupspringen stehen in der Serie insgesamt auf dem Programm, vier Einzel und zwei Teamspringen, dazu vier Qualifikationsspringen. Die große Besonderheit: Auch die Qualifikationsergebnisse zählen für die Gesamtwertung. Wer in allen Springen die meisten Punkte sammelt, gewinnt die Serie.

Die Anstrengungen werden den Skispringern ordentlich versüßt. 60.000 Euro füllen das Konto des Gesamtsiegers. Der Zweite bekommt 30.000 Euro, der Dritte 10.000 Euro. Zum Vergleich: Bei der Vierschanzentournee gibt es für den Sieg 18.500 Euro.

"Raw Air"-Tour
TagZeitStadtEventSieger
6. März19.30 UhrOsloQualifikation HS134Constantin Schmid (GER)
7. März15.15 UhrOsloTeam HS134Norwegen
8. März14.30 UhrOsloEinzel HS134abgesagt
9. März17.15 UhrLillehammerEinzel HS140 (Ersatz für Oslo)Peter Prevc (SLO)
10. März15.45 UhrLillehammerQualifikation HS140Robin Pedersen (NOR)
10. März17.00 UhrLillehammerEinzel HS140Kamil Stoch (POL)
11. März17.30 UhrTrondheimQualifikation HS138Ryoyu Kobayashi
12. März17.00 UhrTrondheimEinzel HS138
13. März18.00 UhrVikersundQualifikation HS240
14. März16.30 UhrVikersundTeam HS240
15. März16.30 UhrVikersundEinzel HS240

Thema in: DLF Sport aktuell, 10.03.2020, Ab 22.50 Uhr

wp | Stand: 11.03.2020, 20:37

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