Das sind unsere deutschen Top 5 des Winters

Julia Taubitz, Karl Geiger, Ramona Hofmeister, Thomas Dreßen, Francesco Friedrich (v.l.)

Wintersport-Saisonrückblick

Das sind unsere deutschen Top 5 des Winters

Von Bernd Eberwein

Überraschungssiege, WM-Rekorde und ein Sensations-Comeback - die deutschen Wintersportlerinnen und Wintersportler haben in der vergangenen Saison für Spannung und Emotionen gesorgt. Dieses Quintett hat uns am meisten begeistert - die Top fünf von Sportschau.de.

Unsere Nummer fünf: Rodlerin Julia Taubitz

Rodel-Bundestrainer Norbert Loch schwante vor der Saison nichts Gutes. Die deutschen Rodel-Damen gingen ohne Dominatorin Natalie Geisenberger in die neue Saison. Die Miesbacherin ging in eine Babypause, dementsprechend wurden "die Ansprüche etwas heruntergeschraubt", wie es Loch formulierte.

Umso überraschender sorgte eine 24-jährige Sächsin dafür, dass die beeindruckende Serie der deutschen Rodlerinnen - seit nun 22 Jahren ging der Gesamtweltcupsieg immer nach Deutschland - fortgesetzt wurde. Julia Taubitz sicherte sich erstmals in ihrer Karriere die große Kristallkugel.

Im letzten Saisonrennen am Königssee zog Taubitz noch an der bis dahin führenden Russin Tatjana Iwanowa vorbei. Für Vollblutrodlerin Taubitz könnte die Saison 365 Tage dauern: "Im Sommer vermisse ich es, auf dem Schlitten zu sitzen. Ich brauche den Adrenalin-Kick, das Drumherum, die Anspannung, die Nervosität", sagte die Gesamtweltcupsiegerin im Sportschau-Interview.

Rodeln der Damen - Stimmen zum Einsitzer aus Königssee Sportschau 29.02.2020 03:20 Min. Verfügbar bis 28.02.2021 Das Erste

Unsere Nummer vier: Bobpilot Francesco Friedrich

Francesco Friedrich zählt nicht erst seit dem vergangenen Winter zu den Topstars der Bobszene. Schon 2013 sicherte er sich einen Eintrag in den Geschichtsbüchern: Mit 22 Jahren jüngster Bob-Weltmeister aller Zeiten und das auch noch auf der anspruchsvollen Olympiabahn von St. Moritz - schon da war klar, dass man noch einiges von dem athletischen Sachsen - Friedrich kam von der Leichtathletik zum Bobsport - hören wird.

Sieben Jahre später beendete Friedrich die Saison erneut mit einem historischen Triumph: Francesco Friedrich, der Unbesiegbare, gewann mit dem Zweier und Vierer seine Weltmeistertitel Nummer acht und neun und schloss zum bisherigen, alleinigen Rekordhalter Eugenio Monti aus Italien auf. Und kein Experte zweifelt, dass sich Friedrich irgendwann zum alleinigen Rekord-Weltmeister krönt.

"Mich faszinieren Rekorde für die Ewigkeit", sagte Friedrich einmal: "Ich möchte etwas erreichen, woran sich andere die Zähne ausbeißen." Und Friedrich hat noch lange nicht fertig. Mindestens bis Olympia 2022 will er weitermachen. Aber vermutlich wird man Friedrich noch viel länger durch den Eiskanal rauschen sehen.

Viererbob-WM - Walther holt Bronze und hört auf, Friedrich siegt Sportschau 01.03.2020 03:27 Min. Verfügbar bis 01.03.2021 Das Erste

Unsere Nummer drei: Skispringer Karl Geiger

Olympiasieger Andreas Wellinger verletzt, Severin Freund nach dem Comeback noch nicht in Bestform, Weltmeister Markus Eisenbichler schwächelt - bei den deutschen Skispringern begann die Saison alles andere als verheißungsvoll.

Was Skeptiker unterschätzt hatten: Bundestrainer Stefan Horngacher hat einen Kader, um dessen Breite ihn die meisten anderen Nationalcoaches beneiden. "Einen Jens Weißflog haben wir momentan nicht, aber ein paar andere gute Springer, die viel Talent mitbringen", sagte Horngacher vor der Saison. Und so flogen in Abwesenheit der vermeintlichen Topstars eben andere ins Rampenlicht, allen voran Karl Geiger.

Der Oberstdorfer galt schon immer als großes Talent, war aber nie der Lautsprecher und entsprechend wenig präsent in der Öffentlichkeit. Erst zwei Weltcupsiege standen in seiner Vita, in der vergangenen Saison legte er dann die Triumphe drei, vier, fünf und sechs nach. In den Teamspringen war er unumstrittener Leader und führte Deutschlands Skispringer zu drei Weltcupsiegen.

Bis zum Saisonende lieferte sich Geiger mit dem Österreicher Stefan Kraft ein intensives Duell um den Gesamtweltcup. Erst bei der "Raw Air"-Tour in Norwegen wurde er dann durch das Coronavirus ausgebremst und musste sich "nur" mit Platz zwei in der Gesamtwertung zufrieden geben. Für Geiger dennoch die beste Saison der Karriere.

Skispringen - Fazit für den Gesamtweltcup Sportschau 12.03.2020 08:31 Min. Verfügbar bis 12.03.2021 Das Erste

Unsere Nummer zwei: Skifahrer Thomas Dreßen

Der Mittenwalder Thomas Dreßen ist der Wintersportler, der den Fans die wohl intensivsten Emotionen im vergangenen Winter bescherte. Exakt ein Jahr nach einem schweren Sturz in Lake Louise mit diversen schweren Knie- und Schulterverletzungen kehrte Dreßen am 30. November 2019 in den Alpin-Weltcup zurück - und gewann die Abfahrt von Lake Louise. Die noch junge Wintersportsaison hatte ihr erstes modernes Märchen.

Thomas Dreßen gewinnt sensationell beim Comeback in Lake Louise Tagesthemen 30.11.2019 00:33 Min. Verfügbar bis 30.11.2020 Das Erste

Und Dreßen legte nach: Sieg beim Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen 28 Jahre nach Markus Wasmeier, Sieg in Saalbach-Hinterglemm, dazu diverse Top-Platzierungen - und wieder ein schlimmer Sturz: Diesmal erwischte es Dreßen in Hinterstoder, Subluxation in beiden Schultergelenken. Nur eine Woche später in Kvitfjell stand Dreßen schon wieder im Weltcup auf Skiern.

Er habe noch Schmerzen beim Anschieben am Start, berichtete Dreßen nach einigen Trainingsversuchen, aber "ansonsten war es unter dem Fahren kein Problem, deswegen passt das." Thomas Dreßen, ein moderner Held auf zwei schmalen Brettern, der die Skination manchmal schockt - und meist begeistert.

Unsere Nummer eins: Snowboarderin Ramona Hofmeister

Mit sechs Weltcupsiegen in Einzelrennen ist Snowboarderin Ramona Hofmeister die erfolgreichste Wintersportlerin des Deutschen Skiverbands in der vergangenen Saison. Nur zwei Mal stand sie nicht auf dem Podest, mit großem Vorsprung gewann sie den Gesamweltcup - als erst zweite deutsche Snowboarderin nach Amelie Kober in der Saison 2008/09.

Kober sorgte durch Olympia-Silber in Turin 2006 dafür, dass Alpin-Boarding in Deutschland überhaupt eine gewisse Bekanntheit erreicht. Ihre "Nachfolgerin" Hofmeister rückt die Sportart noch stärker ins Rampenlicht. Es ist das Eins gegen Eins, das direkte Duell, das für die Spannung in den Parallelrennen sorgt.

Und aus deutscher Sicht sorgte noch das teaminterne Duell für weitere Spannung: Weil mit Selina Jörg noch eine zweite Top-Boarderin um Podestplätze mitfuhr, war die Saison in manchen Rennen fast eine deutsche Meisterschaft. Konkurrenz zwischen der 23-jährigen Hofmeister und der 32-jährigen "Altmeisterin" Jörg?

"Es macht unglaublich Spaß, wenn wir zusammen fahren. Gerade sind wir auch Zimmerkolleginnen. Da kann man sich einige Tipps und Tricks von der erfahreren Fahrerin abholen", sagt Hofmeister. Und auch Jörg schätzt die Teamkollegin sehr: "Wir ergänzen uns ganz gut - der junge Hüpfer und ich als alter Hase. Da kann man sich gegenseitig noch auf jeden Fall was abschauen."

Ramona Hofmeister auf dem Münchner Fernsehturm geehrt Sportschau 13.03.2020 01:29 Min. Verfügbar bis 13.03.2021 Das Erste

Stand: 16.03.2020, 08:00

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