Olympische Spiele | Peking Für Rennrodler auch sportlicher Olympia-Boykott denkbar

Stand: 08.12.2021 15:21 Uhr

Einen politischen Boykott der Olympischen Spiele müssen die Politiker entscheiden, sagt Rennrodler Tobias Arlt. Aus sportlicher Sicht wäre es für Natalie Geisenberger "ein sehr harter Schritt". Auch, "weil einfach die Olympischen Spiele für einen Sportlern das Größte sind."

Für viele internationale Athletinnen und Athleten sind die olympischen Wettkampfstätten von Peking noch eine Blackbox. Als eine der wenigen Wintersportdisziplinen konnten die Rennrodler ihren Wettkampfort, den olympischen Eiskanal, schon kennenlernen - und nicht nur den. Denn Tobias Arlt und Natalie Geisenberger mussten in Peking auch erste Erfahrungen mit den Quarantäne-Maßnahmen und dem Umgang mit den Sportlern und Teams vor Ort sammeln.

Die waren so einschneidend, dass Geisenberger für einen Weltcup aktuell nicht mehr nach Peking reisen würde: "Nein auf gar keinen Fall. Mit den Erfahrungen definitiv nicht für einen Weltcup oder eine Weltmeisterschaft," erklärte die 33-Jährige im BR-Interview. "Und, ich muss ganz einfach sagen, ich überleg jetzt selbst für die Olympischen Spiele - mit den Erfahrungen von jetzt - ob ich mir das noch einmal antun würde."

Sportlicher Boykott "sehr schwierig", als Nation aber möglich

Einen Boykott findet sie allerdings auch "schwierig". Besonders als einzelne Sportlerin, denn "wenn ich jetzt sagen würde, ich boykottiere es, wird sich wahrscheinlich nichts ändern. Dann steht einfach irgendein anderer Name auf der Ergebnisliste."

Allerdings: "Wenn sich da wirklich Nationen; wenn sich der DOSB dafür entscheidet, glaube ich, wäre es bei dem, was wir dort erlebt haben, und auch generell der Lage in China, was die Menschenrechte angeht, durchaus eine Überlegung wert - ob das in so einem Fall, zwar eine harte Entscheidung aber eine sinnvolle wäre."

Für Geisenberger wäre es allerdings auch "ein sehr harter Schritt, weil einfach die Olympischen Spiele für einen Sportler das Größte sind. Die Bedingungen, die wir vor Ort erlebt haben, sprechen dafür, nicht unbedingt nochmal hinzufahren." Ob sie es letztendlich wirklich durchziehen würde, kann die Spitzenrodlerin zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. "Aber einfach wird es nicht."

Arlt: Wenn DOSB Boykott empfiehlt, bin ich bereit

Teamkollege Tobias Arlt hatte einen positiven Corona-Test und musste ebenfalls ins Quarantäne-Hotel. Zum Glück hatte sich der Test nicht bestätigt und er konnte mit seinem Doppelsitzer-Kollegen zum Start der Weltcup-Saison auf der Olympia-Bahn dabei sein. Auch er zeigte sich kritisch: "Wenn es grundsätzlich heißen würde vom DOSB, wir empfehlen euch, dort nicht hinzufahren, dann bin ich auch bereit, nicht hinzufahren."

Es könne sich in einer Woche oder in einem Monat sehr viel ändern. "Ich weiß auf jeden Fall, was mir dort drüben widerfahren ist. Ich hoffe das es dort besser wird, wenn schlimmer, dann wäre es (ein Boykott, Anm. der Redaktion) vielleicht ein richtiges Statement."

Bei den Spielen als Sportler ein politisches Zeichen zu setzen, findet Arlt schwierig. Das würde er sich "drüben nicht trauen." Mit seinem Doppelsitzer-Kollegen Tobias Wendl seien das Ziel die Olympischen Spiele und "die erfolgreich abzuschließen, wäre für uns natürlich ein Traum."

Loch nicht für Boykott

Felix Loch hält nichts von einem Boykott. "Wir als Sportler können nur die Hand heben, generell gehört da einiges verändert. Wenn Natalie oder das ganze deutsche Rodelteam sagt, sie fährt da nicht, dann würde Olympia trotzdem stattfinden", sagte der Olympiasieger von 2010 und 2014 am Mittwoch der dpa. "Es ist die richtige Entscheidung, es über die politische und nicht sportliche Schiene zu klären".

Felix Loch: "In China hast du kein freies Leben"

Sportschau-Wintersport-Podcast, 09.12.2021 11:45 Uhr

Bundestrainer Norbert Loch hat Verständis für seine Athleten und deren Kritik. "Meine Forderung ist, dass das IOC in seiner Führung reguliert, wie mit den Athleten umgegangen wird", so Loch. Und "es sind mündige Athleten, sie dürfen alles sagen, auch Natalie (Geisenberger, Anm.d.Red.) hat ihre Position dargelegt, ich habe da nicht widersprochen".