Para-Sportler in Corona-Zeiten: Zwischen "Trainingswinter" und Nachwuchssorgen

Martin Fleig bei den Paralympics 2018

Viele Fragezeichen

Para-Sportler in Corona-Zeiten: Zwischen "Trainingswinter" und Nachwuchssorgen

Von Sanny Stephan

Die Corona-Pandemie sorgt auch bei den deutschen Para-Sportlern für viele Fragezeichen. Es drohen ein "Trainingswinter" und Nachwuchssorgen. Ein finanzieller Überlebenskampf bleibt dem Verband aber erspart.

Der Nachteil einer geringeren medialen Berichterstattung und den damit verbundenen geringeren Werbe- und TV-Einnahmen erweist sich in Pandemiezeiten für den Deutschen Behindertensportverband (DBS) als Vorteil: Der Verband ist nicht von diesen Einnahmen abhängig, sondern hängt am Tropf des Bundes. Die Zuwendungen würden auch fließen, wenn in diesem Winter corona-bedingt keine Wettkämpfe stattfinden könnten. Damit ist man beim DBS eine große Sorge los.

Positive Signale aus Lillehammer

Andere Ängste bleiben. Zum Beispiel: Kommen die Parasportler in diesem Winter überhaupt in den Genuss, Rennen unter Wettkampfbedingungen zu absolvieren? Die Trainer Ralf Rombach (Para-Ski Nordisch) und Justus Wolf (Para-Ski Alpin) glauben, dass zumindest die Weltmeisterschaft "stattfinden wird".

Bundestrainer Ralf Rombach beim Para Weltcup Oberried 2018

Bundestrainer Ralf Rombach beim Para Weltcup Oberried 2018

In Lillehammer (Norwegen) sollen vom 4. bis 15. Februar die ersten gemeinsamen Para-Schneesport-Weltmeisterschaften im Para-Ski Alpin, Para-Ski Nordisch und Para-Snowboard stattfinden. "Es gibt positive Signale aus Norwegen", sagte Rombach gegenüber sportschau.de.

Dabei profitieren die Para-Athleten wahrscheinlich von Sonderregelungen, die für die Weltcup-Veranstaltungen des Internationalen Ski-Verbandes (FIS) und der Internationalen Biathlon-Union (IBU) gelten sollen. Diese könnten für die Para-WM übernommen werden. "Wir hängen uns dran und schippern in deren Fahrwasser mit", erklärt Rombach den Plan.

Saisonstart verschiebt sich um sechs Wochen

Zum Lachen ist auch ihm in diesen Zeiten aber nicht immer zumute. Die Saison der Nordischen Para-Sportler wurde um fast sechs Wochen verschoben. Statt Mitte Dezember findet der erste Weltcup erst am 29. Januar im schwedischen Östersund statt. "Schweden erlaubt bis Ende des Jahres nur Veranstaltungen mit 50 Leuten", erklärt Rombach die Verschiebung. Ab 2021 soll es Ausnahmen geben. Gewiss ist dennoch in diesem Winter nichts.

Unsicher bleibt auch die Teilnahme von Athleten aus anderen Kontinenten. Dürfen und wollen Sportler aus Nordamerika und Asien einfliegen und an der WM und den Weltcups teilnehmen? Diese Frage soll sich Anfang Dezember klären. Dann bliebe noch genügend Zeit, aus Weltcup-Rennen Europacup-Rennen zu machen …

Erst ein Schneetraining

Spontaneität wird in diesem Winter auf jeden Fall gefragt sein. So haben die Nordischen Athleten ihre "Sommervorbereitung" um sechs Wochen erweitert und arbeiten auf Skirollern an der Kondition. Schnee haben sie bisher erst einmal gesehen - Ende Oktober in der Skihalle in Oberhof.

Alpine Sportler trainieren im Ausland

Justus Wolf (M) bei der Para-Alpin-Ski Weltmeisterschaft 2019

Justus Wolf (M) bei der Para-Alpin-Ski Weltmeisterschaft 2019

Für die alpinen Sportler ist Schnee die Grundlage - und unverzichtbar. Da Schnee im November in Deutschland Mangelware ist und der einzige Gletscher, die Zugspitze, gesperrt wurde, bleiben nur Trainingseinheiten im Ausland. Bisher klappte das gut. "Wir konnten fast uneingeschränkt in der Schweiz und im Schnalstal in Südtirol trainieren", erzählt Bundestrainer Justus Wolf und bleibt optimistisch: "Unser Blick geht immer nach vorn." Sein Wunsch wäre es, "dass wir diese Saison mit Hygieneregeln, Einschränkungen und Testungen durchziehen können, und nächste Saison möglichst unbeschwert zu Werke gehen".

"Dürfen unseren Nachwuchs nicht verlieren"

Für eine Saison sei das hinnehmbar, die neue Normalität sollte es nicht werden, sagte Wolf, der sich vor allem um den Nachwuchs sorgt. "Die schwierigste Aufgabe ist es, den Nachwuchs bei der Stange zu halten. In den letzten eineinhalb Jahren haben wir viel in die Nachwuchsarbeit investiert. Wir dürfen diese Athleten nicht gleich wieder verlieren“, sagt Wolf und weiß genau, dass "das eine Herausforderung wird". Denn anders als die Bundeskader-Athleten dürfen die Nachwuchssportler, also die, die 2026 bei den Paralympics in Mailand für deutsche Erfolge sorgen sollen, aktuell gar nicht trainieren.

Kein Wunder, dass sich die Trainer Rombach und Wolf "eine schnelle Rückkehr zur Normalität wünschen" und diesen Winter mit Toleranz und Flexibilität "wuppen" wollen.

Stand: 10.11.2020, 20:24

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