Akito Watabe - immer vorne dabei und doch im Schatten

Nordische Kombination Klingenthal

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Akito Watabe - immer vorne dabei und doch im Schatten

Von Dirk Hofmeister

Es geht um eine außergewöhnliche Bilanz - in zehn aufeinanderfolgenden Jahren schaffte es ein Nordischer Kombinierer sage und schreibe neun Mal in die Top drei des Gesamt-Weltcups. Dabei ist nicht die Rede vom legendären Finnen Hannu Manninen, von Österreichs Star Felix Gottwald oder dem deutschen Langzeit-Dominator Eric Frenzel.

Der Mann, um den es geht, heißt Akito Watabe. Am letzten Kombinierer-Wochenende in Klingenthal schaffte es der Japaner noch zweimal aufs Podest: Im Einzel am Samstag (20.03.2021) wurde er Tageszweiter, am Sonntag feierte der 32-Jährige schließlich Rang drei im Gesamt-Weltcup. Zum neunten Mal seit 2012 zählt er damit zu den drei besten Kombinierern des gesamten Winters.

Watabe hat ein Problem

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Watabe (re.) - zumeist von Riiber (li) überflügelt.

Watabe könnte ein Superstar seiner Sportart sein. Könnte. Denn er hat ein Problem. Dem im gesamten Kombinierer-Tross hoch angesehenen und für seine Bescheidenheit geschätzten Athleten fehlen die ganz großen Erfolge. Immer ist jemand besser als er. Jahrelang musste er sich hinter Eric Frenzel einreihen, seit 2019 dominiert Riiber die Disziplin. Und Watabe? Schimpft nicht, er bleibt positiv. "Der zweite Platz ist mein ganz persönlicher erster Platz. Ich bin sehr glücklich damit", sagte Watabe etwa bei Olympia 2014, als er - natürlich - Zweiter wurde.

Seit November nicht bei der Familie und dem Neugeborenen

"Akito ist einer der besten Kombinierer aller Zeiten", sagt Vinzenz Geiger voller Respekt. "Er ist so konstant, macht das mit einer Leidenschaft und bringt das jedes Jahr wieder rüber." Wegen seiner Leidenschaft und der Corona-Bubble des Ski-Weltverbandes ist Watabe seit November in Europa, verzichtete über die Weihnachtsfeiertage auf einen Flug nach Hause.

Und das, obwohl er seit November Vater ist. Sein Neugeborenes kennt er nur vom Videochat mit seiner Frau. "Er freut sich jetzt sehr auf sein Baby", verrät Japans Trainer Takanori Kohno. So groß die Wiedersehensfreude aber ist - Frau und Kind bekommt Watabe erst einmal nicht zu Gesicht. Nach der Ankunft in Japan muss das gesamte Team drei Tage isoliert in ein Hotel. Erst wenn die Corona-Tests danach negativ ausfallen, dürfen die Sportler nach Hause - und müssen dort weitere elf Tage in Quarantäne.

2020 – Brechstange lässt Serie reißen

Wegen der Leidenschaft für den Sport blieb Watabe den gesamten Winter über in Europa. Sie brachte ihm in diesem Winter WM-Bronze und Rang drei im Gesamt-Weltcup. Doch diese Leidenschaft sorgte auch für Niederlagen. Im vergangenen Winter mischte sich in den Ehrgeiz Übereifer - und das ging gehörig schief.

Watabe wollte mit der Brechstange ganz nach vorn. "Wir haben unheimlich viel Langlauftraining gemacht, er war sehr motiviert", sagt Kohno. Watabe, dessen Stärken eigentlich im Skispringen liegen, verbrachte viel Zeit im Kraftraum und auf der Langlaufstrecke. "Aber das hat nicht funktioniert." Plötzlich fand er sich auf den ungewohnten Rängen 20, 22 oder 28 wieder, im Gesamtweltcup riss nach acht Jahren seine Top-3-Serie, er wurde nur Neunter.

Mit neuem Selbstbewusstsein zu Olympia-Gold?

"Wir haben daraufhin alles auf den Prüfstein gestellt, er hat sich auf seine alten Stärken besonnen", blickt Japans Teamchef Kohno zurück. Mit Erfolg. "Er hat sein altes Selbstbewusstsein zurückerlangt." Mit diesem Selbstbewusstsein könnte nun bei Olympia 2022 der große Coup gelingen. "Natürlich denkt Akito an die Goldmedaille. Welcher Sportler denkt nicht an Olympia-Gold?", sagt Kohno.

Es wäre der verdiente Lohn für den "Mister Zuverlässig" in der Nordischen Kombination.

Stand: 22.03.2021, 10:58

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