Kombi - Letzte Ausfahrt Oslo

Eric Frenzel

Weltcup in Oslo

Kombi - Letzte Ausfahrt Oslo

Von Sanny Stephan

In Oslo steht für die Nordischen Kombinierer am Wochenende noch ein Wettbewerb an. Danach ist Schluss, weil sich für den abgesagten Weltctcup in Schonach kein Ersatzort gefunden hat.

Am Wochenende steht für die Kombinierer nur ein Weltcup an. Beim Springen und dem anschließenden 10-km-Lauf am Samstag geht es ab 10.00 Uhr (Ticker bei sportschau.de) um die letzten Weltcuppunkte.

Wobei der Kampf um den Gesamtsieg längst entschieden ist: Der Norweger Jarl-Magnus Riiber dominierte von Beginn an die Saison, gewann 13 der 16 Einzelrennen und sorgte mit seiner Überlegenheit für reichlich Langeweile. Die Deutschen spielten die zweite Geige und bekamen ihre Probleme auf der Schanze nur sporadisch in den Griff.

Geiger bester DSV-Athlet

Allein Vinzenz Geiger ist es zu verdanken, dass die Saison nicht den Stempel "enttäuschend" aufgedrückt bekommt. Der 22-Jährige aus Oberstdorf, Dritter in der Gesamtwertung, bescherte seinem Team bisher zehn Podestplätze in Einzelwettbewerben und stand dabei zwei Mal ganz oben. Aus der deutschen Mannschaft schaffte es ansonsten nur Fabian Rießle als Dritter zwei Mal aufs Stockerl. Eric Frenzel und Johannes Rydzek gingen bis jetzt leer aus. Zu mager waren die Sprungleistungen, zu groß der Rückstand in der Loipe.

Probleme auf der Schanze

Eric Frenzel

Eric Frenzel enttäuscht - auf der Schanze lief es für den Routinier nur selten richtig gut.

Möglich, dass dies sogar noch nicht absehbare Auswirkungen haben kann. Hermann Weinbuch, seit 1996 Cheftrainer der Nordischen Kombinierer, hatte vor der Saison im sportschau.de-Interview offen gelassen, ob er eine weitere Saison dranhängt. "Ich denke immer von Jahr zu Jahr. Wenn unser Konzept nicht so aufgeht oder sich abgenutzt hat, dann muss man schon überlegen, ob die Jungs mal etwas Neues brauchen."

Eine Aussage, die Spekulationen befeuern könnte. Klar ist: Das Konzept auf der Schanze ist zumindest nicht bei allen Athleten aufgegangen. Dabei wollten sich die Kombinierer genau da steigern. "Unser Hauptziel ist es, uns im Springen zu verbessern. Da muss ein Aufwärtstrend zu sehen sein", hatte Weinbuch im November gefordert.

"Graabak und Riiber im Moment nicht erreichbar"

Vor dem letzten Weltcup in dieser Saison erklärte der 59-Jährige unverblümt: "Die Norweger Graabak und Jarl Magnus Riiber sind für uns im Moment nicht erreichbar - im Springen eilen sie uns zu weit davon." Mit den Überfliegern aus Norwegen kann keine Nation mithalten. Auch Österreich und Japan kämpfen vergeblich gegen die Dominanz an. Mit fünf Athleten unter den besten 14 in der Gesamtwertung stellen die Deutschen, nach Norwegen, immerhin das zweitstärkste Team. Trotz großer Rückstände nach dem Springen machten Frenzel und Co. auf der Strecke immer wieder Boden gut und sorgten zumindest regelmäßig für geschlossen starke Mannschaftsergebnisse.

Hermann Weinbuch

Hermann Weinbuch: "Graabak und Riiber im Moment nicht erreichbar"

Vielleicht gelingt zum Saisonende ein Happy End auf der Schanze, die "uns eigentlich liegt". "Am Ende werden die äußeren Bedingungen mit entscheidend sein: wie der Wind beim Springen weht, wie langsam oder schwer der Schnee zu laufen ist", sagte Weinbuch vor der Reise nach Norwegen.

Zwei Großevents vor Augen

Weinbuch ist in seinen bisher 23 Jahren Amtszeit als Goldschmied in die Geschichte eingegangen. Er führte die DSV-Kombinierer zu 50 Medaillen bei Großevents. Das Ende einer Trainer-Ära nach einer durchwachsenen Übergangssaison passt irgendwie nicht zu dieser grandiosen Trainerlaufbahn. Dann doch lieber ein Abschied nach der Heim-WM 2021 in Oberstdorf, oder nach den Olympischen Spielen 2022 in Peking. Mit gelösten Sprungproblemen und einem glücklichen Goldschmied.

Thema in: Sportschau, 14.03. 2020, 09:00 Uhr

Stand: 06.03.2020, 12:50

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