Diese Ziele setzen sich Preuß und Peiffer für die Biathlon-WM

Franziska Preuß and Arnd Peiffer

Biathlon-WM

Diese Ziele setzen sich Preuß und Peiffer für die Biathlon-WM

Von Dirk Hofmeister

Klare Ansagen von den deutschen Biathlon-WM-Hoffnungen. "Mir liegen die Strecken", freut sich Franziska Preuß. Auch Arnd Peiffer will im slowenischen Pokljuka angreifen.

Wenn am kommenden Dienstag (09.02.2021) die Biathlon-WM im slowenischen Pokljuka eröffnet wird, starten für Arnd Peiffer seine elften Titelkämpfe. Kein großes Ding für den Olympiasieger, Weltmeister und elffachen Weltcupsieger - könnte man meinen. Schließlich ist Peiffer im Biathon-Zirkus einer der erfahrensten und erfolgreichsten Athleten. Doch Peiffer schüttelt den Kopf und lächelt. "Eine gewisse Spannung ist da", sagt der 33-Jährige. Und das sei auch gut so. Denn: "Wenn das mal nicht mehr der Fall wäre, dann wäre es Zeit, aufzuhören."

Peiffer: "Möchte mit Medaille nach Hause fahren"

Mit seinem Massenstart-Sieg von Hochfilzen und insgesamt sechs Top-Ten-Platzierungen in dieser Saison zählt Peiffer zu den deutschen Medaillenhoffnungen der Titelkämpfe auf etwa 1.300 Meter Höhe der Julischen Alpen.

Preuß, Herrmann, Peiffer, Lesser und Co. - das sind die deutschen Biathlon-WM-Starter

Von Dirk Hofmeister

Mit zehn Biathletinnen und Biathleten reisen die Deutschen zur Biathlon-WM nach Pokljuka - zudem stehen zwei Ersatzathleten bereit. Wir stellen das deutsche Team vor.

Franziska Preuß in Antholz

Angeführt wird das deutsche Frauen-Team von Franziska Preuß. Die 26-jährige Ruhpoldingerin hat sich in dieser Saison stabil wie keine andere Deutsche präsentiert. In der Vergangenheit immer wieder durch Infekte oder Verletzungen zurückgeworfen, ist sie in diesem Winter bisher gesund geblieben, hat sich läuferisch und vor allem im Liegendanschlag verbessert. Im Gepäck für die WM hat sie zwei Einzel-Podestplätze und starke Auftritte als Staffel-Schlussläuferin in diesem Winter.

Angeführt wird das deutsche Frauen-Team von Franziska Preuß. Die 26-jährige Ruhpoldingerin hat sich in dieser Saison stabil wie keine andere Deutsche präsentiert. In der Vergangenheit immer wieder durch Infekte oder Verletzungen zurückgeworfen, ist sie in diesem Winter bisher gesund geblieben, hat sich läuferisch und vor allem im Liegendanschlag verbessert. Im Gepäck für die WM hat sie zwei Einzel-Podestplätze und starke Auftritte als Staffel-Schlussläuferin in diesem Winter.

Die schweren Strecken von Pokljuka dürften Denise Herrmann eigentlich liegen. Eigentlich. Denn so richtig rund läuft es in diesem Winter noch nicht für die sonst so laufstarke Sächsin. Immer wieder haderte die 32-jährige frühere Langläuferin mit ihrer Form oder dem Material. Platz zwei im ersten Einzel der Saison zeigt aber: Passt einmal alles zusammen, ist Herrmann eine klare Podestkandidatin.

Janina Hettich ist wohl die beste Schützin im deutschen Team. Mit einer Trefferquote von 100 Prozent im Liegendanschlag ging sie in die Weihnachtspause. Ihre Quote liegt insgesamt immer noch bei über 90 Prozent - beeindruckend. Die WM-Norm knackte die 24-Jährige mit einem fünften Platz im Einzel von Antholz. Mit überraschend abgeklärten Rennen hatte sie auch ihren Anteil am Staffel-Sieg von Oberhof und Rang zwei von Antholz. Allerdings dürften Hettich bei ihrer zweiten WM die anspruchsvollen Strecken von Pokljuka zu Schaffen machen.

Auch Maren Hammerschmidt verdient das Prädikat "Wundertüte" - ganz positiv und wertschätzend gemeint. Im vergangenen Jahr flog sie aus dem Weltcup-Kader, doch gleich in den ersten beiden Rennen in diesem Winter knackte sie mit Rang neun und zwölf die WM-Norm. Platz 17 im Sprint von Oberhof bei fehlerfreiem Schießen zeigt aber, wo es bei der Staffel-Weltmeisterin von 2017 hakt: Sie kann derzeit läuferisch nicht mit den Besten mithalten. Ihre dritte WM-Teilnahme nach vier Jahren WM-Abstinenz dürfte für die 21-jährige Ruhpoldingerin aber bereits ein großer Erfolg sein.

Bei der WM vor einem Jahr in Antholz holte Vanessa Hinz eine von zwei Einzelmedaillen für das deutsche Team. In diesem Jahr läuft es noch nicht so gut für die Bayerin. Die WM-Norm knackte sie nur zur Hälfte - dennoch darf sie zu den Titelkämpfen. Als verlässliche Staffel-Startläuferin soll sie helfen, dem deutschen Team die prestigeträchtige Team-Medaille zu sichern.

Das deutsche Männer-Team wird angeführt von Arnd Peiffer - dem "Mister Zuverlässig" in der Mannschaft von Bundestrainer Mark Kirchner. Peiffer läuft seine elfte WM - er ist bereits Weltmeister und Olympiasieger, und er feierte in diesem Winter einen etwas überraschenden Sieg im Massenstart. Der beste Beweis für: Wenn der 33-Jährige einen guten Tag erwischt, kann er in jedem Rennen aufs Podest laufen.

Im vergangenen Winter erlebte Erik Lesser eine Berg- und Talfahrt. Wegen schlechter Leistungen flog er zwischenzeitlich aus dem Weltcup-Team und musste im IBU-Cup laufen. Dann wurde er aber zur WM 2020 nachnominiert und lief dort in der Single-Mixed- und Männer-Staffel zu zwei Medaillen. In diesem Winter knackte er die WM-Norm gleich im ersten Rennen mit Rang drei im Einzel. Wenn Lesser fit ist - wie beim Weltcup in Oberhof, springt schnell mal ein vierter Rang im Sprint heraus. Doch der Thüringer hat immer wieder Rücken - und dann wird es schnell mal ein 48. Rang wie beim Einzel von Antholz.

Die gute Nachricht bei Benedikt Doll ist: Am Schießstand hat sich der 30-Jährige in diesem Winter weiter stabilisiert. Mittlerweile stehen 85 Prozent Trefferquote bei dem Schwarzwälder. Nicht ganz so gut allerdings: Der von Lesser gern liebevoll "Rennsemmel" genannte Doll hat etwas von seiner läuferischen Stärke eingebüßt. Material und Form haben in diesem Winter nicht immer harmoniert. Fünf Top-10-Plätze in diesem Winter zeigen aber: Wenn alles passt, ist auch Doll ein Mann für das Podest.

Wie wichtig Roman Rees für das deutsche Team sein kann, zeigte er bei der WM 2019 in Östersund. In der Staffel lief er an Position zwei ein souveränes Rennen und hatte seinen Anteil an der Silbermedaille. Auch in diesem Winter konnte er bei seinen Staffeleinsätzen abliefern. In seinen drei Einsätzen leistete er sich insgesamt nur drei Nachlader und hielt das Team jeweils in Podestnähe. In der WM-Staffel dürfte er daher gesetzt sein. In den Einzelrennen schaffte er es in diesem Winter noch nicht in die Top 15. Einen Einsatz hat der 27-Jährige aber bereits sicher. Bundestrainer Kirchner sicherte Rees einen Startplatz für das Einzel am 17. Februar zu.

Auch Johannes Kühn fährt ohne WM-Norm aber bereits mit einem sicheren Startplatz nach Slowenien. Der 29-Jährige darf beim Sprint am 12. Februar ran. Erkämpft hat sich Kühn diesen Platz durch starke Leistungen bei der Europameisterschaft Ende Januar im polnischen Duszniki Zdroj, wo er im Sprint Bronze gewann und in der Verfolgung Vierter wurde. Zu hoffen bleibt, dass der läuferisch starke aber vor allem im Stehendanschlag schwächelnde Kühn den Schwung der EM in die WM herüberretten kann.

Auf einen kurzfristigen Start in Pokljuka hoffen können Marion Deigentesch und Philipp Horn. Die beiden Ersatzathleten kommen aber nur dran, wenn sich Teamkollegen eine Verletzung oder einen Infekt holen - und darauf hofft natürlich niemand. Für die 27-jährige Deigentesch wäre die Reise nach Slowenien die Krönung einer Überraschungssaison. Fünf Mal durfte die Ruhpoldingerin in ihrer Karriere erst in Weltcups ran. Mit Rang elf im Einzel von Antholz und ihrem ersten Start in einem Massenstart feierte sie in diesem Winter dabei ihre größten Erfolge.

Philipp Horn erlebt dagegen einen Seuchenwinter. Ambitioniert war der laufstarke Thüringer in die Saison gestartert, dann warf ihn ein falsch-positiver Corona-Test zurück. Der verspätete Saisonstart begann schließlich mit Flattereinheiten und vielen Fehlern am Schießstand. Sein spezielles Schießtraining und Veränderungen am Gewehrschaft im Sommer waren nicht so richtig erfolgreich. Negativ-Höhepunkt sicher seine Strafunden als Schlussläufer der Staffel von Oberhof. Und beim teaminternen WM-Ausscheid, der EM in Polen, kam er über zwei 16. Ränge nicht hinaus. Bei der abschließenden EM-Verfolgung schoss Horn siebenmal daneben. Bundestrainer Kirchner gab das letzte WM-Ticket so Johannes Kühn.

Und daran will er auch gemessen werden: "Ich möchte mit einer Medaille nach Hause fahren", verriet der Niedersachse am Donnerstag (04.02.2021) bei einem digitalen Pressegespräch aus dem Trainingslager in Obertilliach.

Dabei sind Peiffers Erinnerungen an die Weltcups im Norwesten Sloweniens nicht eben die besten: Rang fünf im Frühjahr 2014 ist die beste Platzierung, dazu finden sich einige Ergebnisse jenseits der Top 40. "Ich glaube, von den drei schlechtesten Rennen, die ich je gemacht habe, waren zwei in Pokljuka", erklärt Peiffer.

Endlich mal ausgeruht nach Pokljuka

Bester Deutscher über 20 Kilometer in Antholz: Arnd Peiffer.

Peiffer: "Freue mich drauf"

Wo kommt dann die Zuversicht vor der WM her? "Jetzt ist ein anderer Zeitpunkt und eine andere Situation. Ich freue mich darauf, dass ich mich mal gut vorbereiten kann und nicht platt anreise. Ich freue mich, in guter Verfassung die Strecken in Angriff nehmen zu können", sagt Peiffer und erklärt seine bisherigen Pokljuka-Ergebnisse so: "Das war häufig das dritte Weltcuprennen im Dezember. Und wenn man etwas müde und angeschlagen in die mittlere Höhe fährt, ist das keine gute Voraussetzung für Top-Ergebnisse."

Preuß feilt am Schießstand

Um diese beim Saisonhöhepunkt einzufahren, stand für Peiffer und seine Teamkollegen zuletzt Grundlagenausdauer an. Bis zur Abreise nach Slowenien am Sonntag soll der Körper in harten Einheiten mit hohen Intensitäten "daran erinnert werden, dass es bald wieder weh tun wird."

Deutschlands derzeit beste Biathletin Franziska Preuß hat zudem noch einige Schieß-Zusatzeinheiten geschoben. "Ich habe geschaut, dass ich am Schießstand mehr Konstanz bekomme", so die 26-jährige Weltcup-Gesamt-Sechste.

Anspruchsvolle Strecke auf 1.300 Meter Höhe

Wie Peiffer ist auch Preuß vor der WM "zuversichtlich". Zweimal hat sie es in Pokljuka bereits in die Top 5 geschafft, Strecken und Schießstand liegen der laufstarken Ruhpoldingerin: "Ich mag die Runden sehr, weil sie sehr anspruchsvoll ist. Der Schießstand ist angenehm, man kommt aus einer Abfahrt zum Schießen. Ich habe hier schon gute Rennen gemacht, letztes Jahr zum Beispiel viermal die Null geschossen."

Franziska Preuß kam mit der deutschen Staffel auf Rang zwei.

Preuß: "Zuversichtlich"

Mit zwei Einzelpodestplätzen in dieser Saison und zwei starken Auftritten als Staffel-Schlussläuferin hat Preuß ihre WM-Medaillen-Ambitionen bereits unterstrichen.

Kirchner: Medaillen in Staffel- und Einzelrennen

Peiffer und Preuß - an die beiden Namen dürfte also auch Bundestrainer Mark Kirchner denken, wenn er die Medaillenhoffnungen für die WM formuliert. Denn, so Kirchner: Eine Einzel-Medaille sollte drin sein

"In den Staffeln wollen wir wie immer um die Medaillen mitlaufen. Und wenn in den Einzelrennen eine Medaille rausspringt - egal wo und welche - dann würde ich das so unterschreiben", erklärt Kirchner.

Horn und Deigentesch als Ersatz-Athleten

Kirchner hatte für die Titelkämpfe in dieser Woche bereits sein zehnköpfiges Team benannt. Bei den Frauen sind Preuß, Denise Herrmann, Vanessa Hinz, Maren Hammerschmidt und Janina Hettich nominiert, das Männer-Team besteht aus Peiffer, Erik Lesser, Benedikt Doll, Johannes Kühn und Roman Rees. Als Ersatz-Athleten bei Verletzungen sind Philipp Horn und Marion Deigentesch vorgesehen.

Stand: 04.02.2021, 15:02

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