Biathlon - der Meister-Trainer und drei Namen für die Zukunft

Bernhard Kröll mit Nadine Horchler

Bernhard Kröll im Interview

Biathlon - der Meister-Trainer und drei Namen für die Zukunft

Von Dirk Hofmeister

Biathlon-Trainer Bernhard Kröll hat schon Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier an die Weltspitze geführt. Wo sieht der Talente-Entdecker die nächsten Stars?

Merken Sie sich die Namen Juliane Frühwirt, David Zobel und Hanna Kebinger. Mindestens einen der drei werden Sie in den kommenden drei Jahren auf einem der vorderen Ränge im Biathlon-Weltcup wiederfinden. So zumindest die Prognose von Bernhard Kröll, einem der größten Talente-Entdecker in Biathlon-Deutschland.

Kröll entdeckte und formte Dahlmeier und Neuner

Der Name Kröll dürfte nicht vielen Biathlon-Zuschauern etwas sagen. Der Bayer steht nicht so gerne im Rampenlicht, ist kein Lautsprecher. Die Deutsche Presse-Agentur hat ihn mal "Schattenmann Kröll - der Meistermacher im Hintergrund" genannt. Der 44-Jährige entdeckte und formte die Ausnahme-Athletinnen Laura Dahlmeier und Magdalena Neuner.

Selina Grotian

Selina Grotian

Wegen Kröll sind Dahlmeier und Neuner nie aus dem oberbayrischen Werdenfelser Land zum Bundesstützpunkt nach Ruhpolding gewechselt. Und Kröll scheint noch immer ein Händchen für Talente zu haben. Bei der Jugend- und Junioren-WM Ende Februar im österreichischen Obertilliach gewannen die Deutschen in 16 Wettkämpfen genau zwei Medaillen: Gold im Einzel der Junioren durch Philipp Lipowitz und Bronze im Jugend-Sprint durch Selina Grotian. Sowohl Lipowitz als auch Grotian trainieren unter Kröll.

Keine neue Dahlmeier in Sicht

Hoffnungen auf eine baldige neue Neuner oder Dahlmeier kann Kröll nicht machen. Aber, und das ist zumindest etwas beruhigend für die deutschen Biathlon-Fans: "Ich sehe hier keine strukturellen Probleme im deutschen Biathlon, es ist eher eine normale Wellenbewegung." Mal gebe es Jahre mit diesen Mega-Talenten. Momentan befinde sich das deutsche Biathlon eher im Wellental erklärt der zweimalige deutsche "Biathlon-Trainer des Jahres".

Wo trainiert die Gruppe im Sommer?

Frei von strukturellen Problemen ist das Leben von Kröll aber nicht - im Gegenteil. Obwohl der Bayer mit mehr als 120 internationalen Medaillen seiner Sportlerinnen und Sportler wohl zu den erfolgreichsten Trainern der Welt zählen dürfte, weiß er aktuell noch nicht so genau, wie er mit seiner Trainingsgruppe im Sommer trainieren kann. Und das liegt nicht primär an der Corona-Pandemie.

Es hakt an der Infrastruktur in Kaltenbrunn. "Was fehlt, ist eine Skirollerstrecke, also eine asphaltierte Bahn, auf der man im Sommer trainieren kann", erklärt der frühere Biathlet, der hauptberuflich mit 14 Profi-Sportlerinnen und -Sportlern aus dem  Kader des "Zoll Ski Teams" arbeitet und zudem am Stützpunkt Kaltenbrunn 22 Nachwuchsathletinnen und -Athleten im Alter von 15 bis 18 Jahren betreut.

"Das kann man niemandem zumuten"

In der Vergangenheit wich er immer wieder ins benachbarte Seefeld in Österreich aus. Doch je nach der Corona-Entwicklung bleibt diese Trainingsmöglichkeit wegen der Reisebeschränkungen aus. Und, "ganz ehrlich", sagt Kröll nachdenklich, "das kann man eigentlich auch niemandem zumuten."

"Selbst Fußball hat im Nachwuchs Probleme"

Um den Nachwuchs macht sich Kröll besondere Sorgen. "Alle Sportarten haben Nachwuchsprobleme, auch wir", sagt er. Die Gründe seien vielschichtig, gesamtgesellschaftlich und biathlonspezifisch. Zum einen habe Sport im Allgemeinen nicht mehr den gesellschaftlichen Stellenwert. "Ein erfolgreicher Sportler zu sein, ist nicht mehr so erstrebenswert. Wenn ich auf die Dörfer schaue, hat selbst Fußball im Nachwuchsbereich Probleme."

Biathlon sei zudem sehr kostenaufwändig, "das Geld wird oft für etwas anderes gebraucht, als dafür, ein teures Hobby des Kindes zu finanzieren." Wenn beide Eltern berufstätig sind, würden zeitliche Ressourcen fehlen. In der Schule sei Schulsport nicht mehr der Höhepunkt der Woche, sondern würde als erstes gestrichen. Hinzu kommt, dass das Engagement im Ehrenamt weniger wird, und man dürfe die schulische Belastung nicht unterschätzen. "Für 15- bis 18-Jährige ist ein Training vor 17 Uhr kaum möglich."

Strahlkraft der Namen Neuner und Dahlmeier

Dennoch sei gerade das Biathlon bisher ganz gut durch die besondere Situation der Corona-Pandemie gekommen. Anders als viele Hallensportarten habe der Biathlon-Nachwuchs an der frischen Luft trainieren dürfen. Zudem sei die Sportart durch die große TV-Präsenz des Weltcups sichtbar gewesen. "Das sind sicher Gründe, warum wir im Moment noch keinen großen Einbruch sehen. Biathlon ist hier in der Region immer noch sehr attraktiv."

Und das dürfte nicht zuletzt an der Strahlkraft der großen Namen wie Neuner, Dahlmeier aber auch Miriam Neureuther oder Martina Glagow liegen, die unter Kröll berühmt und bekannt wurden. Was ist das Geheimnis des Coaches? Als Außenseiter, als jemand, der aneckt, wurde Kröll bereits beschrieben. "Ich bin kein Außenseiter", sagt der Coach, dem mittlerweile auch vom Skiverband ein Job angeboten wurde ("Ich habe abgelehnt, ich fühle mich hier sehr wohl").

Die Kraft der Improvisation - "Win-Win-Situation"

Aber vielleicht jemand, der über das Improvisieren zu neuen Methoden gefunden hat. "Wir arbeiten anders als an anderen Stützpunkten, zum Beispiel viel mit gemischten Gruppen", erklärt Kröll. Was einst aus der Not geboren wurde, hat sich trainingsmethodisch bewährt: "Im Jugendalter sind die Mädchen meist die besseren Schützinnen. Das spornt die Jungs an. Und die besseren Mädchen stagnieren nicht, sondern können sich an den körperlich stärkeren Jungs orientieren. Das ist eine echte Win-Win-Situation."

Und so prognostiziert Kröll auch für Juliane Frühwirt, David Zobel und Hanna Kebinger.den Durchbruch auf internationaler Ebene. Die 23-jährige Frühwirt sammelte bereits bei Junioren-Weltmeisterschaften Medaillen. Der 24-jährige Zobel hatte beim Weltcup-Finale in Östersund seine ersten beiden Weltcupeinsätze und sammelte gleich Weltcup-Punkte.

David Zobel

David Zobel

Und Hanna Kebinger sei von einer langwierigen Erkrankung endlich wieder vollends genesen, im IBU-Cup war die 23-Jährige zuletzt in der finalen Mixed-Staffel Teil des siegreichen deutschen Teams. "Alle drei haben ausgewogene Stärken im Schießen und Laufen. Natürlich sind Prognosen schwierig, aber jedem von den Dreien traue ich den Durchbruch zu".

Stand: 25.03.2021, 09:38

Biathlon | Weltcupstand Herren

NameP
1.Johannes Thingnes Bö1052
2.Sturla Holm Laegreid1039
3.Quentin Fillon Maillet930
4.Tarjei Bö893
5.Johannes Dale843

Biathlon | Weltcupstand Damen

NameP
1.Tiril Eckhoff1152
2.Marte Olsbu Röiseland963
3.Franziska Preuß840
4.Hanna Öberg826
5.Dorothea Wierer821

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